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Deflationismus: Sammelbegriff für Theorien, die Wahrheit als Eigenschaft von Sätzen auffassen, also nicht als etwas zu Verwirklichendes (>Pragmatismus). Grundlage für den Deflationismus ist das Schema von Tarskis Wahrheitsdefinition z.B. "Schnee ist weiß" ist wahr genau dann, wenn Schnee weiß ist. Siehe auch Disquotationalismus, Wahrheitstheorie, Wahrheitsdefinition, Bedeutungstheorie, Bedeutungsholismus, Holismus, Prosatztheorie, Pragmatismus.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
I 26 ff
Deflationismus: richtet sich gegen die "Aufblähung" durch Schaffung mehrerer Wahrheitsprädikate: berechtigte Behauptbarkeit neben Wahrheit.(>Redundanztheorie).These Wahrheit keine Eigenschaft, lediglich Mittel der Zitattilgung.
I 46
Deflation: Ramsey war hier der erste. (In jüngster Zeit: Horwich: "Minimalismus").: Wahrheit assertorisch(behauptend, aber nicht durch Annahme metaphysischer Gegenstände oder Sachverhalte gestützt. - Tarskis Zitattilgung reicht aus.
Wahrheit keine substantielle Eigenschaft von Sätzen. Wahre Sätze wie "Schnee ist weiß" und "Gras ist grün" haben nichts gemeinsam!
Wichtig: man kann das Zitattiglungsschema benutzen, ohne den Gehalt zu verstehen! Man kann sich dem Prädikat "wahr" "annähern". (>Goldbachsche Vermutung).
D These : der Gehalt des Wahrheitsprädikats ist der gleiche wie der Anspruch, den sein assertorischer Gebrauch erhebt.
Deflationismus/Bsp Goldbachsche Vermutung: der Deflationismus anerkennt natürlich, dass über Tarski hinaus einiges mehr gesagt werden mu, auch Bsp "Alles, was er sagte, ist wahr" .
VsD: keine Theorie, sondern ein "Potpourri". Es gibt gar keine eindeutige These.
I 47 f
Inflationismus: a) "wahr" ist bloß Mittel der Bekräftigung, drückt nur Einstellungen gegenüber Sätzen aus (Rorty?). Formuliert keine Norm.
b) Das DS (Zitattilgungsschema) enthält eine (fast) vollständige Erklärung der Bedeutung des Wortes. ("wahr").f
I 293
Deflationismus: jeder bedeutsame Satz (also ein Satz mit Wahrheitsbedingung) eignet sich für deflationäre Wahrheit oder Falschheit.
Wenn aber Wahrheit nicht deflationär ist, muss sich "wahr" auf eine gehaltvolle Eigenschaft von Aussagen beziehen.
(Deflationismus: Wahrheit keine Eigenschaft).
I 27
Deflationismus/Wright: Wahrheit ist keine substantielle Eigenschaft. - >Zitattilgung reicht aus - "Schnee ist weiß" und "Gras ist grün" haben nichts gemeinsam - Gehalt des W-Prädikats ist der gleiche, wie der Anspruch, den sein behauptender Gebrauch erhebt - These das W-Prädikat ist präskriptiv und deskriptiv normativ
I 33ff
Deflationismus: die einzigen Normen der Wahrheit sind die der berechtigten Behauptbarkeit (Assertibilität).
I 51
WrightVsDeflation: "minimalistisch", "Minimalismus"
I 97
Vs (klassischer) Deflationismus: keine Norm des W-Prädikats kann von sich aus festlegen, dass es sich von Behauptbarkeit unterscheidet, weil die normative Kraft von "wahr" und behauptbar" zwar zusammenfällt, aber extensional divergieren kann - dann kann das Zitattilgungsschema keine zentrale Rolle spielen - daher können Aussagen in einem bestimmten Diskurs wahr sein, ohne superassertibel zu sein. - Dann müssen Wahrmacher von unseren Maßstäben der Erkennbarkeit unabhängig sein. (>Realismus/Wright).
- - -
Rorty I 38 ff
Zitattilgung/Wright: der Deflationist meint, durch das Zitattilgungs-Prinzip sei der Inhalt des Wahrheitsprädikats vollständig festgelegt.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

WrightCr I
Crispin Wright
Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001

WrightCr II
Crispin Wright
"Language-Mastery and Sorites Paradox"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

WrightGH I
Georg Henrik von Wright
Erklären und Verstehen Hamburg 2008

Rorty I
Richard Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Rorty II
Richard Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Rorty II (b)
Richard Rorty
"Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (c)
Richard Rorty
Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (d)
Richard Rorty
Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (e)
Richard Rorty
Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (f)
Richard Rorty
"Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (g)
Richard Rorty
"Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty III
Richard Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Rorty IV (a)
Richard Rorty
"is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (b)
Richard Rorty
"Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (c)
Richard Rorty
"Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (d)
Richard Rorty
"Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty V (a)
R. Rorty
"Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983
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Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998

Rorty V (b)
Richard Rorty
"Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty V (c)
Richard Rorty
The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992)
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty VI
Richard Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000

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> Gegenargumente zu Deflationismus

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