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Experiment: künstliches Herbeiführen eines Ereignisses oder künstliches Erzeugen eines Zustands zur Überprüfung einer Hypothese. Die Durchführung von Experimenten kann zur Neuformulierung der Ausgangshypothesen und zur Neuformulierung von Theorien führen. Siehe auch Theorien, Messungen, Wissenschaft, Hypothesen, Bayesianismus, Bestätigung, Ereignisse, Paradigmen, Paragimenwechsel, Rahmenbedingungen, Bezugssysteme.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Haslam I 94
Experiment/Moscovici: (Moscovici et al. 1969(1)): In den "blau-grün" Experimenten saßen Gruppen von bis zu sechs naiven Teilnehmern vor einem Bildschirm und sahen sich eine Reihe von blauen Folien an, die in ihrer Lichtintensität variierten. Nach jeder Folie wurde jeder Teilnehmer wiederum gebeten, die Farbe dieser Folie laut zu nennen. Als alle Teilnehmer die Farbe der Folie benannt hatten, wurde die nächste Folie präsentiert. Unter diesen Bedingungen nannte praktisch jeder die Folien "blau" und zeigte, dass sie als eindeutig blau wahrgenommen wurden.
Unter einigen experimentellen Bedingungen war jedoch eine numerische Minderheit innerhalb der Gruppe (zwei der sechs Gruppenmitglieder) verbündet mit dem Experimentator und gab im Voraus vereinbarte Antworten. In diesem Fall antworteten sie "grün" auf die Folien - eine Antwort, die sich deutlich von der der naiven Teilnehmer unterschied.
Ergebnisse: Das wichtigste Ergebnis der Studie war, dass eine Minderheit, die die blauen Folien auf diese Weise konsequent als "grün" bezeichnet, zu einer Erhöhung der Male führte, die die naiven Teilnehmer auch als "grün" bezeichneten. Konkret: während in einer Kontrollbedingung weniger als 1% der Teilnehmer (eigentlich 0,25%) sie als grün bezeichneten, waren es jetzt 8,42% in der Situation, in der Teilnehmer den Ansichten von Helfern ausgesetzt waren.
Minderheiten: Entgegen der Vorstellung, dass sich Menschen immer einer Mehrheit zuwenden (wie es auf der Grundlage der früheren Asch-Studien (Asch 1951(2), 1952(3), 1955(4)) zu erwarten war, zeigen die Studien damit, dass eine numerische Minderheit in der Lage ist, die Entscheidungen einer Mehrheit zu ändern. >Sozialer Einfluss/Moscovici, >Konversionstheorie/Moscovici.
Haslam I 99
Ergebnisse/Experiment/Moscovici:[die] Nachbildstudien deuten darauf hin, dass eine numerische Minderheit in der Lage war, eine echte Veränderung der Wahrnehmung zu bewirken, wie Veränderungen in den Zahlen der Nachbilder zeigen. Eine numerische Mehrheit war jedoch nicht in der Lage, die gleiche Wahrnehmungsänderung zu erzeugen. Auf diese Weise scheinen die Ergebnisse der latenten Messung (Nachbildfarbe) die Behauptung zu untermauern, dass eine Minderheit Veränderungen auf einer späten/unbewussten Ebene bewirken kann. >Konversionstheorie/Moscovici.
Die Studien lieferten die ersten Beweise für die Idee, dass Mehrheiten und Minderheiten Einfluss durch verschiedene Prozesse ausüben, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.
Haslam I 103
Methode: In den Nachbildstudien wird der Quellenstatus (Mehrheit vs. Minderheit) durch falsches Feedback aus den Antworten früherer Teilnehmer manipuliert. Da die Antworten des Assistenten wahrscheinlich als äußerst ungewöhnlich angesehen werden (blaue Folien "grün" zu nennen), scheint es äußerst schwierig zu sein, die Teilnehmer in der Mehrheitsbedingung zu überzeugen, dass über 80% der Menschen die Folien auch als grün sehen. Dies könnte in der Tat der Grund dafür sein, dass die Personen in der Mehrheitsbedingung keine zuverlässigen Konformitätsgrade auf der manifesten Ebene aufweisen (Farb-Urteil). >Methode/Moscovici, >Moscovici/Psychologische Theorien.




1. Moscovici, S., Lage, E. and Naffrechoux, M. (1969) ‘Influence of a consistent minority on the response of a majority in a color perception task’, Sociometry, 32: 365–80.
2. Asch, S.E. (1951) ‘Effects of group pressure upon the modification and distortion of judgment’, in H. Guetzkow (ed.), Groups, Leadership and Men. Pittsburgh, PA: Carnegie Press. pp. 177–90.
3. Asch, S.E. (1952) Social Psychology. Englewood Cliffs, NJ: Prentice-Hall.
4. Asch, S.E. (1955) ‘Opinions and social pressure’, Scientific American, 193: 31–5.


Robin Martin and Miles Hewstone, “Minority Influence. Revisiting Moscovici’s blue-green afterimage studies”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Moscovici, Serge

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017

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