Philosophie Lexikon der Argumente

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Affirmation: In der Philosophie bezieht sich die Affirmation auf den Akt der Behauptung oder Bestätigung der Wahrheit, der Existenz oder des Wertes einer Aussage, einer Idee oder eines Konzepts, oft im Gegensatz zur Negation oder Leugnung. Sie bekräftigt eine positive Haltung oder Überzeugung.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor Begriff Zusammenfassung/Zitate Quellen

Hans-Georg Gadamer über Affirmation – Lexikon der Argumente

I 136
Affirmation/Tragödie/Aristoteles/Gadamer: Die tragische Wehmut spiegelt (…) eine Art Affirmation, eine Rückkehr zu sich selber, und wenn, wie das in der modernen Tragödie nicht selten ist, der Held in seinem eigenen Bewusstsein von solcher tragischen Wehmut getönt ist, so hat er an solcher Affirmation ein wenig selber teil, indem er sein Geschick annimmt. >Tragik/Aristoteles
, >Katharsis/Aristoteles.
Was aber ist der eigentliche Gegenstand dieser Affirmation? Was wird da bejaht? Sicherlich nicht die Gerechtigkeit einer sittlichen Weltordnung. Die berüchtigte tragische Schuldtheorie, die bei Aristoteles noch kaum eine Rolle spielt, ist selbst für die moderne Tragödie keine angemessene
Erklärung. Denn Tragödie ist nicht, wo Schuld und Sühne wie in einer gerechten Zumessung einander entsprechen, wo eine sittliche Schuldrechnung ohne Rest aufgeht. Auch in der modernen Tragödie kann und darf es keine volle Subjektivierung der Schuld und des Schicksals geben. Vielmehr ist das Übermaß der tragischen Folgen für das Wesen des Tragischen bezeichnend.
Trotz aller Subjektivität der Verschuldung bleibt selbst in der neuzeitlichen Tragödie noch immer ein Moment jener antiken Übermacht des Schicksals wirksam, die sich gerade in der Ungleichheit von Schuld und Schicksal als das für alle Gleiche offenbart.
I 137
(…) was wird da vom Zuschauer bejaht? Offenbar ist es gerade die Unangemessenheit und furchtbare Größe der Folgen, die aus einer schuldhaften Tat erwachsen, welche die eigentliche
Zumutung für den Zuschauer darstellt. Die tragische Affirmation ist die Bewältigung dieser Zumutung. Sie hat den Charakter einer echten Kommunion. Es ist ein wahrhaft Gemeinsames,
was an solchem Übermaß tragischen Unheils erfahren wird. Der Zuschauer erkennt sich selbst und sein eigenes endliches Sein angesichts der Macht des Schicksals. Was den Großen widerfährt, hat exemplarische Bedeutung. Die Zustimmung der tragischen Wehmut gilt nicht dem tragischen Verlauf als solchem oder der Gerechtigkeit des Geschicks, das den Helden ereilt, sondern meint eine metaphysische Seinsordnung, die für alle gilt. Das „So ist es“ ist eine Art Selbsterkenntnis des
Zuschauers, der von den Verblendungen, in denen er wie ein jeder lebt, einsichtig zurückkommt. Die tragische Affirmation ist Einsicht kraft der Sinnkontinuität, in die sich der Zuschauer selbst zurückstellt. >Wiedererkennen/Gadamer.

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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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