Philosophie Lexikon der Argumente

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Epiphänomenalismus, Philosophie des Geistes: Theorien, die den Geist als Nebenwirkung von Gehirnprozessen auffassen, wobei der Geist selbst keine Wirkungen verursacht. Siehe auch Philosophie des Geistes, Supervenienz, Identitätstheorie, Geist, Gehirn, Materialismus, Reduktionismus, Dualismus, Eigenschaftsdualismus.
 
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten
Chalmers, David
 
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Epiphänomenalismus I 150
Epiphänomenalismus/Bewusstsein/Chalmers: Frage: wenn Bewusstsein nur natürlich (aber nicht logisch) auf dem Physischen superveniert, ist anscheinend keine Kausalität im Spiel. Dann wäre Bewusstsein nur ein Nebeneffekt und müsste gar nicht existieren. (Huxley (1874) argumentiert so.
ChalmersVs: kausale Geschlossenheit unserer physikalischen Welt sieht nur nach Epiphänomenalismus aus.
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VsEpiphänomenalismus/Chalmers: ein Strategie gehen ihn wäre, die kausale Geschlossenheit der physikalischen Welt zu leugnen. Da sollten wir nicht tun. Es gibt bessere Wege, die von angemesseneren Annahmen von Metaphysik und Verursachung ausgehen.
1. Regularitätsbasierte Verursachung/Chalmers: statt Kausalität könnten wir mit Hume eine Regularität annehmen. Dann könnte man behaupten, das Verhalten wäre selbst ohne phänomenales Bewusstsein dasselbe gewesen.
ChalmersVs: es gibt sehr viele systematische Regularitäten zwischen bewussten Erlebnissen und späteren physikalischen Ereignissen, von denen jede uns dazu bringt, eine kausale Verknüpfung zu schließen.
I 152
2. Kausale Überdetermination: man könnte annehmen, das ein physikalischer und ein phänomenaler Zustand, obwohl völlig getrennt, einen späteren physikalischen Zustand hervorrufen könnten. Problem: kausale Redundanz.
Lösung: Tooley (1987) wir könnten eine irreduzierbare kausale Verbindung zwischen zwei physikalischen und eine separate irreduzible kausale Verbindung zwischen einem phänomenalen und einem physikalischen Zustand annehmen. Das ist eine nichtreduzierbare Sicht auf Verursachung.
ChalmersVsTooley: es ist nicht leicht zu zeigen, dass daran etwas falsch ist. Ich verfolge das nicht weiter, aber es muss ernst genommen werden.
3. Nichtsupervenienz der Verursachung: Tatsachen über das Bewusstsein und solche über Verursachung sind die einzigen Tatsachen, die nicht logisch auf bestimmten physikalischen Tatsachen supervenieren.
Chalmers: es ist ganz natürlich, darüber zu spekulieren, ob diese beiden Arten von Nichtsupervenienz eine gemeinsame Wurzel haben.
Rosenberg: (1966) hat das entwickelt. Rosenberg These: Erfahrung erkennt Verursachung oder einige Aspekte von ihr. Danach braucht Verursachung das Erkennen durch irgendjemand oder irgendetwas.
ChalmersVsRosenberg: das ist natürlich äußerst spekulativ und führt unter anderem zum Panpsychismus.
I 153
Außerdem bliebe das Zombieproblem bestehen.
4. Die Intrinsische Natur des Physischen: These: eine physikalische Theorie charakterisiert vor allem die Relationen ihrer Entitäten, d.h. ihre Propensitäten, mit anderen Elemente zu interagieren.
Problem: was ist es, was diese ganzen Relationen der Verursachung und Kombinationen bewirkt? Russell (1927): Das ist es, worüber die physikalische Theorie sich ausschweigt.
Lösung: eine intrinsische Natur der physikalischen Elemente anzunehmen.
Chalmers: die einzige Klasse von solchen intrinsischen Eigenschaften wäre die Klasse der phänomenalen Eigenschaften.
I 154
Es muss kein Panpsychismus daraus folgen. Stattdessen können wir protophänomenale Eigenschaften annehmen.
I 159
VsEpiphänomenalismus/Chalmers: Argumente gegen ihn fallen in drei Klassen:
1.Solche, die die Relationen von Erfahrung zu normalen Verhalten betreffen,
2. Solche, die die Relationen von Erfahrung zu Urteilen über normales Verhalten betreffen,
3. Solche, die das Gesamtbild der Welt betreffen, die die Annahme des Epiphänomenalismus hervorruft.
Ad 1. VsEpiphänomenalismus: Bsp die Intuitionen darüber, warum ich meine Hand aus einer Flamme zurückziehe sind stark, auf der anderen Seite können wir diese Intuitionen durch die Annahme von Regularitäten wegerklären. Wir nehmen Erfahrungen einfach direkter wahr als die zugehörigen Gehirnzustände.
Ad 2. VsEpiphänomenalismus: es scheint exterm kontraintuitiv, dass unsere Erfahrungen irrelevant für Erklärungen unseres Verhaltens sein könnten.
I 160
Ad. 3. VsEpiphnomenalismus: das Bild der Welt, das von ihm gezeichnet wird ist unplausibel, indem es nomologische Anhängsel geben soll, die nicht in das System der anderen Naturgesetze integriert sind.
Epiphänomenalismus/Chalmers: ich beschreibe meine eigene Position nicht als Epiphänomenalismus. Die Frage der kausalen Relevanz von Erfahrung bleibt offen.

Cha I
D.Chalmers
The Conscious Mind Oxford New York 1996

Cha II
D. Chalmers
Constructing the World Oxford 2014

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 26.04.2017