Philosophie Lexikon der Argumente

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Chalmers, David
 
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Supervenienz I 33
Supervenienz/Chalmers: im allgemeinen eine Relation zwischen zwei Mengen von Eigenschaften:
B-Eigenschaften: Eigenschaften höherer Stufe
A-Eigenschaften: Eigenschaften niedrigerer Stufe (für uns physikalische Eigenschaften). Die spezifische Natur dieser Eigenschaften ist für uns nicht relevant.
Grundlegendes Muster:
Def Supervenienz/Chalmers: B-Eigenschaften supervenieren auf A-Eigenschaften, wenn nicht zwei mögliche Situationen im Hinblick auf ihre A-Eigenschaften identisch sind und gleichzeitig in ihren B-Eigenschaften differieren.
Bsp biologische Eigenschaften supervenieren auf physikalischen insoweit, als je zwei mögliche physikalisch identische Situationen auch biologisch identisch sind.
Lokale/globale Supervenienz/Chalmers: unterscheiden wir, je nachdem die betrachteten Situationen sich auf Individuen oder mögliche Welten beziehen.
Lokale Supervenienz/Chalmers: B supervenieren lokal auf A, wenn die A-Eigenschaften eines Individuums die B-Eigenschaften dieses Individuums festlegen.
I 34
Bsp Form superveniert auf physikalischen Eigenschaften.
Def Globale Supervenienz/Chalmers: wenn A-Tatsachen über die Welt B-Tatsachen über die Welt determinieren. D.h. es gibt keine zwei möglichen Welten, die im Hinblick auf A identisch sind, die nicht auch im Hinblick auf B identisch sind. Bsp biologische Eigenschaften supervenieren global auf physikalischen Eigenschaften.
Def Lokale Supervenienz impliziert globale, aber nicht umgekehrt. Bsp Zwei physikalische Organismen können in gewissen biologischen Charakteristika differieren, ein Individuum kann fitter als das andere sein, ausgelöst durch Umweltbedingungen. ((s) > Extrinsische Eigenschaften, >Nische).
Chalmers: Bsp man könnte sich vorstellen, zwei physikalisch identische Organismen gehörten verschiedenen Spezies an, wenn sie verschiedene evolutionäre Geschichten gehabt hätten.
Bewusstsein: hier wird es eher um lokale Supervenienz gehen.
I 35
Logische Supervenienz/Chalmers: ist begrifflich und stärker als natürliche Supervenienz.
Natürliche Supervenienz/Chalmers: dieser Begriff dient der Unterscheidung von logischer Supervenienz.
I 38
Es wäre eine Situation denkbar, in der Gesetze, die automatisch B-Tatsachen herbeiführen, dies einmal nicht tun. (Kripke 1972).
I 39
Logische Supervenienz/Chalmers: Problem: es könnte eine mögliche Welt geben, die identisch mit unserer aktualen Welt ist, aber nicht zusätzlichen nicht-physikalischen Elementen wie Engeln und Geistern. Diese könnten physikalisch identisch mit uns sein, aber biologisch von uns verschieden.
Das hat einige Autoren (Haugeland 1982, Petrie 1987) dazu gebracht zu sagen, dass logische Möglichkeit und logische Notwendigkeit zu starke Begriffe für unsere Supervenienz-Relationen sind.
Lösung/Chalmers: wir müssen uns explizit auf unsere aktuale Welt oder spezifizierte mögliche Welten beziehen.
I 40
Weitere Probleme haben mit negativen Existenzaussagen zu tu darüber, was in in unserer Welt nicht gibt, ober in anderen mögliche Welten nicht gibt. Solche Probleme können niemals durch lokale Tatsachen oder lokale Eigenschaften bestimmt werden.
Supervenienz sollte immer durch Bezug auf positive Tatsachen und Eigenschaften bestimmt werden.
I 84
Namen/Supervenienz/Erklärung/Chalmers: Bsp nach Kaplan (1989) greift der Name „Rolf Harris“ einfach seinen Referenten direkt heraus.
Heißt das, das die Eigenschaft Rolf Harris zu sein, nicht logisch auf physikalischen Tatsachen superveniert?
Sekundäre Intension des Namens: was aus einem bestimmten Ei und Sperma in allen möglichen Welten resultierte. Diese superveniert logisch auf Tatsachen.
Primäre Intension des Namens: das, was aus dem Sprachgebrauch resultiert, derer, die mit Rolf Harris Umgang haben oder hatten oder von ihm gehört haben. Die primäre Intension kann fehlen, was ein Problem für die Supervenienz darstellt.
I 87
Logische Supervenienz/Chalmers: außer bewusstem Erleben, Indexikalität und negativen Existenzsätzen superveniert alles logisch auf physikalischen Tatsachen, auch die physikalischen Gesetze.
I 88
Supervenienz/Horgan/Blackburn/Chalmers: Frage: (Blackburn 1985), Horgan (1993): wie erklären wir die Supervenienzrelation selber?
Primäre Intension/Chalmers: für logische Supervenienz auf primären Intensionen müssen wir einfach eine Begriffsanalyse vorlegen zusammen mit der Feststellung, dass die Referenz über mögliche Welten erhalten bleibt (starr ist). Dabei ist das Supervenienz-Konditional eine a priori begriffliche Wahrheit.
I 89
Sekundäre Intension: hier kann die logische Supervenienz erklärt werden, indem man sagt, dass die primäre Intension des Begriffs einen Referent der aktualen Welt herausgreift, der unverändert auf andere physikalisch identische Welten projiziert wird (durch starrmachende Operationen). Solche Tatsachen sind kontingent. (FN 51/Kap 2)
Natürliche Supervenienz/Chalmers: ist - anders als die logische – ihrerseits kontingent. Das ist ontologisch kostspielig, daher können wir froh sein, dass logische Supervenienz die Regel ist.
I 124
Supervenienz/Bewusstsein/Chalmers: wir haben gesehen, das bewusstes Erleben nicht logisch auf den physikalischen Tatsachen superveniert, aber nicht, das es überhaupt nicht superveniert!

Cha I
D.Chalmers
The Conscious Mind Oxford New York 1996

Cha II
D. Chalmers
Constructing the World Oxford 2014

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 31.03.2017