Philosophie Lexikon der Argumente

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Abstraktion: Zusammenfassung von Gegenständen durch Nichtberücksichtigung gewisser Eigenschaften. Siehe auch Äquivalenzrelation, Konkretion, Konkreta.
 
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten
Duhem, Pierre
 
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Abstraktion I 219
Abstraktionen/Duhem: Bsp Abstraktion des gewöhnlichen Verstandes: Bevor man den Donner hört, sieht man den Blitz leuchten. Die Begriffe sind zwar abstrakt, aber das sinnliche Grollen und Zucken ist erkennbar.

Bei den Gesetzen der Physik ist das nicht mehr der Fall.
Bsp Bei konstanter Temperatur sind die von derselben Gasmasse eingenommenen Volumina umgekehrt proportional den Drucken, unter denen sie steht. Die Begriffe sind nicht nur abstrakt sondern obendrein symbolisch, und die Symbole erhalten nur dank der physikalischen Theorien einen Sinn. Die Beziehungen sind auch keineswegs unmittelbar, sie werden nur mit Hilfe von Instrumenten hergestellt.
I 241
Abstraktion/Duhem: Unterschied Physiologie/Physik:

Physiologie
Bsp Annahme: die vorderen Enden des Rückenmarks enthalten die motorischen Nervenfäden, die hinteren die sensorischen. Wenn er das vordere Ende abschneidet, muss die Beweglichkeit gewisser Körperteile aufhören. Der Physiologe beobachtet die Folgen seiner Operation und muss von allen seinen Gedanken über die Physiologie des Markes abstrahieren. Er darf keine Bewegung, kein Zucken das seinen Vorhersagen widerspricht, übergehen. Er darf es keiner sekundären Ursache zuschreiben. Er muss eine absolute Trennung zwischen den Konsequenzen seiner theoretischen Deduktionen und der Konstatierung der Tatsachen die ihm seine Experimente aufweisen, herstellen.

Auch wenn die experimentelle Methode wie beschrieben, schwierig ist, so ist doch ihre logische Analyse sehr einfach.

I 242
Physik:
Dem ist nicht mehr so, wenn die Theorie die der Kontrolle der Tatsachen unterworfen werden soll, nicht der Physiologie sondern der Physik angehört. Hier kann man die Theorie die man prüfen will, nicht vor der Tür des Laboratoriums lassen. Denn ohne sie ist es unmöglich, auch nur ein einziges Instrument zu justieren, eine einzige Ablesung zu interpretieren. Wenn der Physiologe oder auch der Chemiker von Instrumenten Gebrauch macht, nimmt er implizite die Richtigkeit von Theorien an, die den abstrakten Begriffen wie Temperatur , Dichte Druck usw. erste einen Sinn geben, durch die die konkreten Angaben dieser Instrumente übersetzt werden. Aber die Theorien gehören in das Reich der Physik. Für alle enthält der Ausdruck des Resultats des Experiments einen Akt des Glaubens an eine ganze Gruppe von Theorien.

Duh I
P. Duhem
Ziel und Struktur der physikalischen Theorien Hamburg 1998

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 28.03.2017