Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten
Duhem, Pierre
 
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Prinzipien I 285
Prinzipien/Poincaré behauptet bezüglich der Prinzipien der Mechanik: niemals wird ein neues Experiment dazu führen, sie aufzugeben. Die Operation, die sie mit den Tatsachen vergleichen soll, hat keinen Sinn.
Bsp Prinzip der Trägheit. Man kann ihm nur einen Sinn geben, wenn man einen gewissen Beziehungspunkt als gewählt betrachtet. Wenn man diese Festlegung unterließe, würde der Ausdruck seines Sinnes beraubt. Es gibt ebenso viele Gesetze, wie verschiedene Beziehungspunkte! Wenn das Trägheitsprinzip in Beziehung auf einen gewissen Punkt falsch wäre, würde es bei Wahl eines anderen richtig werden. Und es würde immer frei stehen, diesen letzteren zu wählen. Es ist unmöglich, diese Hintertür zu schließen!
I 286
Bsp Prinzip der Gleichheit von Aktion und Reaktion: (auch Poincaré): "Der Schwerpunkt eines isolierten Systems kann nur eine gradlinige und gleichförmige Bewegung besitzen."
Kann man das durch Experiment verifizieren? Nein, das einzige isolierte System ist das Universum. Die Frage hat also keinen Sinn. "Es bleibt uns aber immer freigestellt, anzunehmen, dass unser Prinzip richtig sei."
I 287
Bsp Chemie: Gesetz der multiplen Proportionen: Wie immer die Resultate der Analyse sein mögen, man sich stets sicher, drei ganze Zahlen zu finden, dank deren das Gesetz mit einer höheren Genauigkeit als sie die Experimente besitzen, verifizierbar ist.
I 288
Bsp Gesetz der rationalen Indices: Kristallographie. Es treten bei Messungen immer gewisse Fehler auf. Der Kristallograph, der das Gesetz experimentell korrigieren möchte, hat sicher nicht den Sinn der Worte, die er verwendet, erfasst. Hier wie bei den multiplen Proportionen sind es rein mathematische Ausdrücke, denen jeder physikalische Sinn fehlt.
I 289
Duhem: Es würde bloß zu Gemeinplätzen führen, wollte man sagen, dass die Verhältnisse annähernd kommensurabel seien: denn alles in der Welt ist annähernd kommensurabel. Irgendein beliebiges inkommensurables Verhältnis ist immer annähernd kommensurabel.
Es wäre absurd, gewisse Prinzipien der Mechanik der direkten Kontrolle des Experiments unterwerfen zu wollen. Folgt daraus, dass diese Hypothesen, von experimentellen Widerspruch nicht erreicht werden können? Nein!
Isoliert haben diese verschiedenen Hypothesen keine experimentelle Bedeutung. Es kann sich nicht darum handeln, die Experimente zu bestätigen oder zu widerlegen. Aber diese Hypothesen werden als wesentliche Fundamente beim Bau von Theorien verwendet. Diese Theorien (Kristallographie, Mechanik, Chemie) sind Darstellungen, dazu bestimmt, mit den Tatsachen verglichen zu werden. Der experimentelle Widerspruch handelt dann immer über eine Gruppe als Ganzes. So verschwindet das, was an der Behauptung: gewissen phys. Theorien ruhen auf Hypothesen, die physikalisch nicht gedeutet werden können, hätte paradox erscheinen können.

Prinzipien/Poincaré: "Das Experiment kann die Prinzipien der Mechanik aufbauen, aber nicht zerstören".

I 290
HadamardVs: "Duhem hat gezeigt, dass es nicht um isolierte Hypothesen, sondern die Gesamtheit der Hypothesen der Mechanik geht, deren experimentelle Bestätigung man versuchen kann.

I 290
Dem Scharfsinn des Physikers bleibt es überlassen, den Fehler zu suchen, an dem das ganze System leidet. Kein absolutes Prinzip leitet diese Untersuchung. Besteht ein Kampf zwischen Hypothesen, entscheidet nach einer Zeit der gesunde Menschenverstand.

I 292
Bsp Nach Foucaults Experiment verzichtete Biot auf die Emissionshypothese. Die reine Logik hätte zu diesem Verzicht nicht genötigt, es war kein experimentum crucis.

Duh I
P. Duhem
Ziel und Struktur der physikalischen Theorien Hamburg 1998

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 23.03.2017