Philosophie Lexikon der Argumente

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Feyerabend, Paul
 
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Wissenschaft I 188
Wissenschaft/Irrationalität/Feyerabend: das »irrationale« Vorgehen ist notwendig wegen der »ungleichmäßigen Entwicklung« (Marx, Lenin) der verschiedenen Teile der Wissenschaft. Der Kopernikanismus und andere wesentliche Bestandteile der neueren Wissenschaft bleiben nur deshalb am Leben, weil in ihrer Geschichte die Vernunft oft überspielt wurde!
I 290
Wissenschaften/Feyerabend: die theoretische Autorität der Wissenschaft ist viel geringer als man annimmt, die ihre gesellschaftliche Autorität inzwischen aber ungeheuer groß geworden.
Forschung/Einstein: empfahl, Forschung und Beruf zu trennen.

I 326
Wissenschaftstheorie/Feyerabend: man kann diese Überlegungen zur archaischen Kunst mit der Wissenschaftstheorie verbinden:

1. Bsp Perspektive: man könnte annehmen, sie sei so offensichtlich, dass sie damals nicht gefehlt haben könnte.
I 327
Lösung: Verkürzungen sind keine offensichtliche Eigenschaft unserer Wahrnehmungswelt, solange man die Aufmerksamkeit nicht besonders auf sie richtet. Und warum sollte die Wahrnehmungswelt der Griechen die gleiche sein wie unsere?

2. Methode: mit welcher Methode wurden die Besonderheiten der archaischen Kosmologie herausgearbeitet? Mit der des Anthropologen, der versuchte »Schlüsselideen« zu identifizieren.

I 329
3. Begriff: der Forscher darf nie versuchen, einen Begriff klarer zu machen, als es das Material nahelegt (außer als vorübergehendes Hilfsmittel für die weitere Untersuchung).

I 330
4. Inkommensurabilität: der Sinn von Sätzen wird nur unvollständig verstanden. Hempel: will Inkommensurabilität nur anerkennen, nachdem der dabei verwendete Begriff des Sinnes erklärt ist.

I 331
5. Logik: Logiker werden Einwände erheben: die Untersuchung des Sinns von Sätzen und der Beziehungen zwischen Begriffen sei die Aufgabe der Logik und nicht der Anthropologie.
Logik/Feyerabend: Logik kann zweierlei sein:
a) die Untersuchung der Strukturen eines bestimmten Fachs (Anthropologie). oder aber
b) ein bestimmtes logisches System.

Anthropologie/Feyerabend: Bsp um zu erkennen ob » AB v AB' äqui A« zur Quantentheorie gehört, wird man die Quantentheorie studieren müssen, und nicht die Logik! Man muss geschichtliche Zeugnisse studieren, Lehrbücher, Originalarbeiten, Protokolle von Tagungen usw.. Zugegeben, diese Zeugnisse für sich allein liefern keine eindeutige Lösung. Aber auch historische Zeugnisse liefern keine eindeutige Lösung von historischen Problemen! Und niemand meint, sie müssten deshalb außer Acht gelassen werden.

I 339
Wissenschaft/Feyerabend: bezieht sich nicht auf Tatsachen und Gesetze, sondern auf Methoden und Tätigkeiten des Wissenschaftlers! Ihre Untersuchung ist eine anthropologische.
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II 63
Wissenschaft/Einstein/Feyerabend: Einstein betont wiederholt den opportunistischen Charakter der wissenschaftlichen Forschung.
II 174
Wissenschaft/FeyerabendVsKuhn: die Abgrenzungen von Traditionen und Fächern, auf die Kuhn und Polanyi ihre These von der Unberührbarkeit der Wissenschaft gründen, sind vorübergehende Stadien des historischen Prozesses.
Wissenschaft ist heute ein Business, das die totalitären Tendenzen der Gesellschaft unbemerkt verstärkt. Damit ist der Einwand von Kuhn erledigt.

Fe I
P. Feyerabend
Wider den Methodenzwang Frankfurt 1997

Fe II
P. Feyerabend
Erkenntnis für freie Menschen Frankfurt 1979

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 28.04.2017