Philosophie Lexikon der Argumente

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Foucault, Michel
 
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Sprache I 66
Sprache/16. Jahrh./Foucault: die wirkliche Sprache keine einförmige und glatte Gesamtheit, vielmehr eine opake, mysteriöse, in sich selbst geschlossene Sache, fragmentiert, von Punkt zu Punkt rätselhafte Masse.
Ein Zeichennetz, in dem jedes Zeichen in Beziehung zu allen anderen die Rolle des Inhalts oder des Zeichens des Geheimnisses oder des Hinweises spielen kann und tatsächlich spielt.
Die Dinge selbst verbergen ihr Rätsel wie eine Sprache und manifestieren es gleichzeitig.
Die Sprache gehört zur großen Distribution von Ähnlichkeiten und Signaturen. Infolgedessen muss sie selbst als eine Sache der Natur untersucht werden.
Die Sprache ist nicht, was sie ist, weil sie einen Sinn hat. Ihr repräsentativer Inhalt spielt hier überhaupt keine Rolle. Die ursprüngliche Form ist von Gott gegeben.
I 74ff
Sprache: im 17. und 18. Jahrh. wurden die eigenen Existenz der Sprache ihre alte Festigkeit einer in die Welt eingeschriebenen Sache in dem Funktionieren der Repräsentation aufgelöst. Jede Sprache galt als Diskurs.
Zeichen wurden disponiert, benennen und dann in einer gleichzeitig dekorativen und demonstrativen Verdoppelung diesen Namen zu umfangen, ihn einzuschließen und ihn zu verbergen, ihn seinerseits durch andere Namen zu bezeichnen, aufgeschobenen Präsenz, zweites Zeichen, Figur, rhetorischer Apparat.
I 114 ff
Sprache/Foucault: Klassisches Zeitalter/17.Jahrh): Sprache unumschränkt und zurückhaltend: unumschränkt, weil die Wörter die Kraft erhalten haben, das Denken zu repräsentieren, wie sich das Denken selbst repräsentiert.
Klassisch: nichts ist gegeben, was nicht auch in der Rep. gegeben wäre.
Klassische Sprache ist keine äußere Wirkung des Denkens, sie ist selbst das Denken. (17. Jahrh.)
Dadurch wird die Sprache beinahe unsichtbar.
Ihre ganze Existenz besteht in der repräsentativen Rolle.
Keinen Ort mehr außerhalb der Repräsentation und keinen Wert mehr ohne sie.
Dadurch entdeckt sie eine bestimmte Beziehung zu sich selbst, die bis dahin weder möglich noch überhaupt begreifbar gewesen wäre.
16. Jahrh.: gegenüber sich selbst befand die Sprache in der Position des ständigen Kommentars.
17. Jahrh.: man fragt nicht mehr danach, wie man die große rätselhafte Wortfolge freilegen kann, man fragt danach, die der Diskurs funktioniert, welche Elemente er heraushebt, wie er analysiert und komponiert. Statt Kommentar jetzt: Kritik. (> Wörter).
I 127
Weil sie zur Analyse der Ordnung geworden ist, knüpft die Sprache mit der Zeit bis dahin nichtvorhandene Beziehungen.
Die Sprachen entwickeln sich durch Bevölkerungsverschiebungen, Kriege, Siege, Moden, Warenaustausch. Sie entwickeln sich aber nicht kraft einer Historizität, die sie selbst besäßen. Kein inneres Entwicklungsprinzip.
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II 115ff
Sprache/Diskurs/Foucault: ist niemals in sich selbst und in ihrer Totalität gegeben. Wenn es keine Aussagen gäbe, existierte die Sprache nicht. Aber keine Aussage ist unerlässlich, damit die Sprache existiert. Sie existiert nur als Konstruktionssystem für mögliche Aussagen. Andererseits existiert sie nur als Beschreibung, wie man aus einer Menge wirklicher Aussagen erhält.
Sprache und Aussage stehen nicht auf der gleichen Existenzstufe. Man kann nicht sagen, dass es Aussagen gibt, so wie man sagt, dass es Sprache gibt.

Fouc I
M. Foucault
The Order of Things: An Archaeology of Human Sciences 1994

Fouc II
Michel Foucault
Archäologie des Wissens Frankfurt/M. 1981

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Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 27.03.2017