Philosophie Lexikon der Argumente

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Terminologien: Hier werden Besonderheiten des Sprachgebrauchs der einzelnen Autoren erklärt.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
I 190
1. Stasis: Die meisten Arten zeigen während ihrer Anwesenheit auf der Erde kaum Veränderung in der einen oder anderen Richtung.
2. Plötzliches Auftreten: In allen Lebensbereichen treten Arten nicht aufgrund unablässiger Veränderungen ihrer Vorläufer auf, sondern plötzlich und "voll ausgebildet".
I 191
Evolution/Gould: geht im Wesentlichen auf zweierlei Weise vor sich:
a)
Def phyletische Transformation: Eine Gesamtpopulation verändert sich von einem Zustand zu einem anderen hin. Würden sich alle evolutionären Veränderungen auf diese Weise ereignen, könnte sich das Leben nicht lange halten. (Siehe Evolution/Gould).
b)
Def Speziation: neue Arten zweigen sich von bisherigen ab. Alle Theorien der Speziation gehen davon aus, dass Aufspaltungen bei sehr kleinen Populationen rasch eintreten. Bevorzugt wird die "allopatrische" (an einem anderen Ort geschehende) Speziation von den meisten Theoretikern. (Das ist die orthodoxe Auffassung).
Bei der "sympatrischen" Speziation treten neue Formen innerhalb des Verbreitungsgebiets der bisherigen Form auf.
I 198
Def Präadaption: aus der These hergeleitet, dass in den Anfangsstadien andere Funktionen erfüllt würden sind. Bsp ein halber Kiefer konnte die Kiemen stützen. Ein halber Flügel mag zum Fang von Beutetieren gedient haben, oder zur Kontrolle der Körpertemperatur.
I 240
Def Eozoon: Frühform eines Tieres.
I 256
Def Protisten: einzelligen Vorläufer
Def Metazoen: vielzelligen Nachkommen.
I 258
Def homologe Ähnlichkeit Gemeinsame Vorläufer: Zwei Organismen können dasselbe Merkmal besitzen, weil sie es von einem gemeinsamen Vorfahren bekommen haben.
Def analoge Ähnlichkeit: Keine gemeinsamen Vorläufer: Wenn zwei Organismen ein gemeinsames Merkmal aufweisen, das das Ergebnis einer getrennten, aber ähnlichen evolutionären Veränderung in voneinander unabhängigen Entwicklungslinien darstellt.
I 281
Def Parallelismus, Def Konvergenz: eine getrennte Entwicklung ähnlicher Merkmale im Verlauf der Evolution. Diese tritt sehr häufig auf.
II 56
Def Diploid: Tiere, die in beiden Geschlechtern gepaarte Chromosomen aufweisen.
Manche Tiere verwenden zur Geschlechtsbestimmung ein anderes Merkmal: die Weibchen sind diploid, aber die Männchen haben anstelle jedes weiblichen Paars nur ein Chromosom und werden als
Def Haploid bezeichnet: nur ein Chromosom (die Hälfte der diploiden Anzahl). Mit anderen Worten: die Männchen entwickeln sich ironischerweise aus unbefruchteten Eiern und haben keinen Vater. Befruchtete Eier dagegen erzeugen diploide Weibchen.
Tiere, die dieses System verwenden, werden
Def Haplodiploid genannt: die Männchen entwickeln sich aus unbefruchteten Eiern und haben keinen Vater. Befruchtete Eier dagegen erzeugen diploide Weibchen. Damit kann die Anzahl der Weibchen gesteuert werden.
II 57
Dieses faszinierende System kann dazu beitragen, den Ursprung der sozialen Systeme bei Ameisen zu erklären. Oder auch, Bsp dass eine männliche Milbe vor ihrer eigenen Geburt stirbt, nachdem sie im Mutterleib ihre Schwestern befruchtet hat.
Wenigstens 10% aller bekannten Tierarten sind haplodiploid.
II 186
Def homöotische Mutation: Beine oder Teile von Beinen ersetzen eine Vielzahl von Strukturen am Kopf vor allem Fühler und Teile des Mundes. Nicht alle falsch platzierten Teile stellen Homöosen dar.
William Bateson (nicht Gregory), der später das Wort Genetik erfand, nannte homöotisch nur Fälle, in denen Organe ersetzt werden, die den gleichen Entwicklungs oder Evolutionsursprung haben.
II 192
Lebensfähige Homöoten, die die Urformen nachbilden, sind nicht wirklich wiedergeborene Vorfahren. Es werden doppelte Elemente ausgebildet, keine alten Muster wiedergefunden.
II 193
Es wird durch diese Dinge deutlich, wie wenige Gene für die Regulierung der Grundordnung im Körper einer Fruchtfliege verantwortlich sind.
II 240
Def Zoozentrisch: Sichtweise, die aus dem Verhalten anderer Tiere allgemeine Prinzipien ableitet und dann den Menschen vollständig in diese Rubrik hinein subsumiert, weil wir unbestreitbar auch Tiere sind.
Def Anthropozentrisch: Sichtweise, die versucht, die Natur in uns zu subsumieren, indem sie unsere Besonderheiten als das Ziel des Lebens von Anfang an betrachtet.
Die zoozentrische Auffassung kann bis zur Karikatur ausgedehnt werden, die häufig dann als der "nichts als Irrtum" bezeichnet wird: der Mensch sei "nichts anderes als" ein Tier (Reduktionismus).
Die Populärwissenschaft überschwemmt uns mit der übermäßig ausgedehnten Version des Zoozentrismus.
II 331
Def "Gendrift"/Gould: Der Prozess der zufälligen Zu oder Abnahme der Genfrequenz.
II 352
Def Klade: ein Zweig an einem Evolutionsbaum Der Kladismus versucht, für eine Reihe verwandter Arten das Muster der Verzweigung zu etablieren.
II 353
Def Schwestergruppe: auf dem Kopf stehendes Ypsilon: zwei Stämme, die einen gemeinsamen Vorfahren teilen, von dem kein anderer Stamm abzweigt. Bsp Gorillas und Schimpansen bilden eine Schwestergruppe. Wir können dann die Schimpansen Gorilla Gruppe als Einheit betrachten und fragen, welcher Primat mit ihr die Schwestergruppe bildet.
II 354
Def abgeleitete Merkmale: Eigenschaften, die nur bei Mitgliedern einer direkten Abstammungslinie vorkommen. Bsp Alle Säugetiere haben Haare, das ist bei keinem anderen Wirbeltier der Fall.
II 355
Haare sind für die Klasse der Säugetiere ein abgeleitetes Merkmal, weil sie sich nur einmal beim gemeinsamen Vorfahren der Säugetiere entwickelt haben und daher einen echten Zweig im Stammbaum der Wirbeltiere identifizieren. Gemeinsame abgeleitete Merkmale sind zwei oder mehreren Stämmen gemeinsam und können benutzt werden, um Schwestergruppen zu identifizieren.
II 356
GouldVsKladismus: Die meisten abgeleiteten Merkmale sind zweideutig: sie neigen entweder dazu, zu einfach abgrenzbar zu sein, oder sie sind adaptiv so vorteilhaft, dass mehrere Stämme sie durch natürliche Auslese unabhängig voneinander entwickelt haben.
II 360
Def Klassifikation (Kladismus): zum Zweck entworfen, relative Ausmaße von Ähnlichkeit widerzuspiegeln.
Def Phenetismus: Eine andere Theorie der Klassifikation, sie konzentriert sich lediglich auf die Gesamtähnlichkeit und versucht, dem Vorwurf der Subjektivität zu entgehen, indem sie sich auf eine große Anzahl von Merkmalen beruft, die alle numerisch ausgedrückt und vom Computer bearbeitet werden.
II 374
Def "Telegonie": Merkmale längst ausgestorbener Vorfahren tauchen wieder auf.
"Nachkommen aus der Entfernung". Telegonie bezeichnet die Vorstellung, dass ein Erzeuger Nachkommen beeinflussen könnte, die nicht von ihm gezeugt wurden.
Def "Pangenesis" 1868, provisorisch von Darwin entwickelt: These: Alle Zellen des Körpers erzeugen kleine Partikel, "Gemmulae", die im ganzen Körper kreisen, sich in den Geschlechtszellen sammeln und schließlich die Merkmale an die Nachkommen übertragen.
GouldVs"Pangenesis: Da die "Gemmulae" sich verändern können, können angeeignete Merkmale vererbt werden, Das wäre Lamarckismus.
II 377
Def Orthogenese. Die Annahme, nach der ein vorgezeichneter Pfad befolgt wird.
IV 103
Doktrin der Uniformität: (vertreten von Charles Lyell und James Hutton) die obersten Erdschichten seien seit Millionen Jahren unverändert.
IV 153
Def Monogenie: (19. Jahrhundert): These: gemeinsame Abstammung aller Menschen von den Stammeltern Adam und Eva. (Niedere Rassen seien später von ursprünglicher Perfektion degeneriert).
Def Polygenie: (19. Jahrhundert): These: Adam und Eva seien nur die Vorfahren der weißen Völker.
IV 159
Def Unterart: Population, die ein bestimmtes geographischen Gebiet bewohnt.
IV 357
Def sympatrisch: am selben Ort
Def allopatrisch: an getrennten Orten (Man nimmt an, dass Arten sich nur getrennt entwickeln können.
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III 19
Das "Volle Haus": zentrales Argument Goulds: Die natürliche Realität ist eine Ansammlung von Individuen in Populationen. Variation ist nicht reduzierbar sondern "real" in dem Sinn, dass daraus "die Welt besteht".
Fehler: Populationen (nach Platon) immer als "Durchschnitt" zu beschreiben, der dann als "typisch" gilt.
III 67
Das "Volle Haus": die Notwendigkeit, sich nicht immer nur auf ein abstraktes Maß eines Durchschnitts oder einer zentralen Tendenz zu konzentrieren, sondern auf die Variation innerhalb ganzer Systeme.
Fehler: wahrscheinliches Ergebnis für ein einzelnes Individuum als Maß für eine zentrale Tendenz zu betrachten.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989

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> Gegenargumente gegen Gould

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