Philosophie Lexikon der Argumente

Suche  
Autor/Titel Begriff Exzerpt Metadaten
Hintikka, J.
 
Bücher bei Amazon
Substitution I 194
Substitutivität der Identität/Intensionalität/Hintikka: ein sicherer Indikator für Intensionalität ist das Fehlschlagen der Bewahrung der Identität des Individuenbereichs. Wenn es passiert, dass die Identität von einer möglichen Welt zur anderen fehlschlägt, haben wir ein Gegenbeispiel zu dem bekannten Gesetz ((s) Leibniz’ Gesetz):

(SI) (x)(y) (X = y > F[x] > F[y])).

((s) identische Gegenstände haben alle Eigenschaften gemeinsam).
Das wird manchmal auch die „Gebundene-Variable-Form der Identität“ genannt.
Äquivalent damit:

(x)(y) ( x = y > notwendig (x = y))

((s) Was identisch ist, ist notwendig identisch).
Hintikka: dieses Fehlschlagen der Substitutivität der Identität ist zu unterscheiden von dem Fehlschlagen für beliebige singuläre Termini. Hier kann es einfach daran liegen, dass ein singulärer Term in einer anderen möglichen Welt auf ein anderes Ding referiert.
I 195
Identität/Individuen/Hintikka: es ist viel weniger klar, wie die Identität für bestimmte Individuen beim Übergang zu einer anderen möglichen Welt fehlschlagen kann. D.h. dass Weltlinien sich verzweigen können (>Spaltung).
Spaltung/KripkeVsSpaltung/SI/Hintikka: Kripke schließt Spaltung aus, weil für ihn die (SI) gültig ist. Eine Spaltung würde nach ihm die Transitivität der Identität verletzen. Nach einer Spaltung wäre die Individuen keinesfalls identisch, selbst wenn sie es nach der Transitivität sein sollte. Daher ist für Kripke die (SI) unverletzlich.
HintikkaVsKripke: das ist zirkulär:
Transitivität der Identität/Hintikka: kann zweierlei bedeuten:
a) Transitivität innerhalb einer Welt
b) zwischen Welten.
Die Plausibilität der Transitivität gehört zur ersteren, nicht zur letzteren.
Transitivität der Identität zwischen Möwe zu fordern hieße einfach, Spaltung auszuschließen. Das ist das Zirkuläre an Kripkes Argument.
Substitutivität der Identität/Hintikka: viele Autoren haben angemerkt, dass Identität und Quantifikation in intensionale Kontexte sinnlos bleiben, wenn wir nicht die Substitutivität der Identität haben.
HintikkaVs: das ist einfach falsch: nachdem die Weltlinien definiert sind, können wir die Wahrheitsbedingungen für Sätze mit beliebigen intensionalen Ausdrücken formulieren. Und zwar dann unabhängig vom Verhalten der Weltlinien.

Modallogik/(SI)/Hintikka: es ist doppelt ironisch, dass die Verteidiger der konventionellen Modallogik die (SI) retten wollen, indem sie sagen, dass ohne sie MÖ und intensionale Logik keinen Sinn mache. Denn (SI) schließt Spaltung aus,
Fusion/Hintikka: um sie auszuschließen, brauchen wir die umgekehrte Form statt (SI) brauchen wir (IS):

(IS) (x)(y) (möglich (x = y) > x = y)

((s) mögliche Identität ist Identität, d.h. letztlich ist sie notwendig).
Problem/Hintikka: (IS) ist in manchen konventionellen Systemen der quantifizierte Modallogik nicht gültig, einschließlich der von Ruth Barcan Marcus.
Für diese Systeme müssen wir Spaltung erlauben, wenn wir von Möwe in Richtung der WiWe gehen (nach Hause reisen).
Richtung/Interpretation/Hintikka: aber bei der Interpretation gibt es gar nichts zu unterscheiden zwischen den Richtungen.
I 196
Es ist nämlich nur ein Zufall, dass diese Systeme keine Rückblickenden Operatoren“(Saarinen, s.o.) enthalten.
D.h. jeder Verteidiger dieser konventionellen Systeme verteidigt insgeheim doch die Möglichkeit von Spaltungen.. D.h. die Zurückweisung von (SI).
I 196
Spaltung/Hintikka: ist bei einigen wenigen Modellen der Querwelteinidentifikation, Re-Identifikation in der Zeit sinnvoll. Bsp ein Computer könnte auseinandergenommen werden uns zwei Computer daraus gebaut werden. Das könnte später wieder revidiert werden.
Re-Identifikation/Reidentifikation/Hintikka: ist der Schlüssel zu Fällen von Spaltung und Fusion.
Spaltung/Hintikka: es gibt einen strukturellen Grund, warum sie so selten ist: wenn Weltlinien aus infinitesimalen Elementen zusammengesetzt sind wie die Lösungen von Differentialgleichungen, entspricht die Spaltung einer Singularität, und dies ist ein seltenes Phänomen.
Spaltung/Hintikka: die Argumente gegen sie sind zirkulär in einem tiefen Sinn. Sie basieren auf der Idee, dass für Quantifikation der Individuenbereich fixiert bleiben sollte. (HintikkaVsKripke).
Mögliche Welt/Individuenbereich/HintikkaVsKripke: man sollte nicht fordern, dass die Individuen beim Wechsel von Welt zu Welt dieselben bleiben müssen. Die Rede von Welten ist leer, wenn es keine möglichen Erfahrungen gibt, die sie unterscheiden könnten.

Hin I
Jaakko and Merrill B. Hintikka
The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989

W I
J. Hintikka/M. B. Hintikka
Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996

> Gegenargumente gegen Hintikka
> Gegenargumente zu Substitution



> Eigenen Beitrag vorschlagen | > Haben Sie einen Fehler entdeckt? | > Export als BibTeX Datei
 
Hg. Martin Schulz, Abfragedatum 27.04.2017