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Erklärung: Das Aufstellen einer Aussage über ein zuvor durch eine davon abweichende Aussage beschriebenes Ereignis, Zustand, Veränderung, oder Handlung. Die Erklärung wird oft Umstände, Vorgeschichte, logische Prämissen, Ursachen und Kausalität einzubeziehen versuchen. Siehe auch Beschreibung, Aussagen, Theorien, Verstehen, Buchstäbliche Wahrheit, Beste Erklärung, Kausalität, Ursachen, Verursachung, Vollständigkeit.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Haslam I 117
Erklärungen/Experiment/Milgram: Studien, Milgram legt großen Wert auf die Spannung, die in den Studien entsteht (>Milgram-Experiment/Milgram), in denen Teilnehmer zwischen "den konkurrierenden Anforderungen von zwei Personen hin- und hergerissen sind: dem Experimentator und dem Opfer" (Milgram, 1963(1): 378), und er betrachtet eine Fülle von Faktoren, die sie zum einen oder anderen ziehen.
Faktoren: a) die Bedeutung und das Ansehen der Forschung
b) den Status und das Ansehen des Forschers.
Gehorsam: (...) Gehorsam hängt nicht nur davon ab, wer der Experimentator ist, sondern auch von der Beziehung zwischen dem Teilnehmer und dem Experimentator. So verwendet Milgram den Begriff der "beginnenden Gruppenbildung" als wichtiges Element, um die Auswirkungen der Nähe auf den Gehorsam zu erklären (Milgram, 1965(2): 64). In den Varianten Remote und Voice-Feedback sind Experimentator und Lehrer allein im selben Raum und können so eine Verbindung aufbauen.
Beziehung zwischen dem Teilnehmer und den Mitschauspielern: "Es besteht Identifikation mit den ungehorsamen Verbündeten und die Möglichkeit, auf sie als soziale Unterstützung zurückzugreifen, wenn sie sich dem Experimentator widersetzen" (Milgram 1965 b(3): S. 133).
Die Art und Weise, wie sich die physische Umgebung auf die Gestaltung der sozialen Beziehungen in den Studien auswirkt, spielt eine wichtige Rolle bei der Bestimmung, welche Stimme der Teilnehmer beachtet und welche er ignoriert.
Haslam I 118
Alternative Erklärung/Milgram: "Nachdem ich gesehen habe, wie sich Hunderte von gewöhnlichen Menschen in unseren eigenen Experimenten der Autorität unterwerfen, muss ich zu dem Schluss kommen, dass Arendts Auffassung von der Banalität des Bösen der Wahrheit näher kommt, als man es sich vorstellen kann. Der gewöhnliche Mensch, der das Opfer schockierte, tat dies aus Pflichtgefühl - einer Vorstellung von seinen Pflichten als Subjekt - und nicht aus eigentümlichen aggressiven Tendenzen heraus." (Milgram 1974(4): S. 6)
Banalität des Bösen/Arendt: Milgram war beeinflusst von Hannah Arendts Berichten über den Prozess gegen Adolf Eichman[n] in The New Yorker, der später als Eichman[n] in Jerusalem veröffentlicht wurde (Arendt, 1963/1991)(5).
Arendt: Eichmann und seine Art, so schlug sie vor, seien weniger von großem Hass bewegt als von dem kleinlichen Wunsch, eine Aufgabe gut zu erledigen und den Vorgesetzten zu gefallen. Tatsächlich haben sie sich so sehr auf diese Aufgaben konzentriert, dass sie ihre Folgen vergessen haben. Für dieses Phänomen prägte Arendt die Formulierung der "Banalität des Bösen". (Arendt 1963/1994(5): S.287). >Gehorsam/Milgram.
Reicher/Haslam: Wir haben wirklich kein festes Verständnis dafür, warum sich Menschen so verhalten haben wie in den Studien (siehe auch Miller, 2016(6); Reicher, Haslam und Miller, 2014(7)). Klar ist jedoch, dass jeder Bericht unzureichend sein muss, wenn er darauf hindeutet, dass der menschlichen Psyche etwas innewohnt, das uns zwingt zu gehorchen. Eine überzeugende Erklärung muss eine sein, die reich genug ist, um das komplexe Muster von Gehorsam und Ungehorsam zu erklären, das Milgram bei dem Prozess des Sorgens um das Phänomen bis zum Tod entdeckt hat.



1. Milgram, S. (1963) ‘Behavioral study of obedience’, Journal of Abnormal and Social Psychology, 67: 371–8.
2. Milgram, S. (1965a) ‘Liberating effects of group pressure’, Journal of Personality and Social Psychology, 1: 127–34.
3. Milgram, S. (1965b) ‘Some conditions of obedience and disobedience to authority’, Human Relations, 18: 57–76.
4. Milgram, S. (1974) Obedience to Authority: An Experimental View. New York, NY: Harper & Row.
5. Arendt, H. (1963/1994) Eichmann in Jerusalem: A Report on the Banality of Evil. New York: Penguin.
6. Miller, A.G. (2016) ‘Why are the Milgram experiments still so famous — and controversial?’, in A.G. Miller (ed.), The Social Psychology of Good and Evil. New York: Guilford. pp. 185–223.
7. Reicher, S.D., Haslam, S.A. and Miller, A.G. (2014) ‘What makes a person a perpetrator? The intellectual, moral, and methodological arguments for revisiting Milgram’s research on the influence of authority’, Journal of Social Issues, 70: 393–408.


Stephen Reicher and S. Alexander Haslam, „Obedience. Revisiting Milgram’s shock experiments”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Milgram, Stanley

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017

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