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Upton I 50
Psychologische Entwicklung/Kulturpsychologie: Es gibt mittlerweile Hinweise darauf, dass Umweltfaktoren den Zeitpunkt der Entwicklung motorischer Fähigkeiten beeinflussen. So wird beispielsweise die Vorstellung befürwortet, dass die frühe motorische Entwicklung, die bei afrikanischen Säuglingen häufig zu beobachten ist, mit dem Elternverhalten verbunden ist (Super, 1976(1); Cintas, 1989(2)). Es hat sich gezeigt, dass Eltern in afrikanischen Kulturen die Entwicklung der motorischen Fähigkeiten fördern, indem sie den Säuglingen die Möglichkeit bieten, Muskeltonus und -stärke zu entwickeln, indem sie sie beispielsweise in eine aufrechte Position bringen. Ebenso erwarten jamaikanische Mütter traditionell eine frühe motorische Entwicklung und arbeiten daran, dies durch Massage und Dehnung der Gliedmaßen ihres Babys zu fördern (Hopkins, 1991)(3). Jamaikanische Säuglinge, die in Großbritannien auf traditionelle Weise geboren und aufgezogen wurden, zeigen weiterhin diese frühere Entwicklung. Diejenigen, die nicht auf traditionelle Weise erzogen werden, zeigen jedoch im Vergleich zu ihren nicht-jamaikanischen Peers keinen Unterschied in Hinblick auf das Alter, in welchem sie diese Fähigkeiten erworben haben. Dies zeigt deutlich, dass dieser Unterschied nicht genetisch bedingt ist, sondern auf Umweltfaktoren wie dem Umgang mit Säuglingen beruht.
Stufen: Säuglinge können auch Meilensteine verpassen. Im afrikanischen Stamm der Mali krabbeln die meisten Säuglinge nie (Bril, 1999)(4). Adolph (2002)(5) beschreibt Säuglinge in den USA, die ebenfalls die Krabbelphase umgehen, indem sie sich entweder durch Rollen bewegen oder nicht versuchen, sich zu bewegen, bis sie aufrecht stehen. Auch hier dürften Umweltfaktoren wie das Elternverhalten von Bedeutung sein: Die Verringerung der Zahl der krabbelnden Säuglinge fiel mit den Empfehlungen des späten 20. Jahrhunderts zusammen, Babys auf den Rücken zu legen, um das Risiko von SIDS (sudden infant death - plötzlicher Kindstod) zu verringern (Davis et al., 1998)(6).



1. Super, C. (1976) Environmental effects on motor developments: the case of ‘African infant precocity’. Developmental Medicine and Child Neurology, 18: 561–7.
2. Cintas H.M. (1989) Cross-cultural variation in infant motor development. Physical and Occupational Therapy in Pediatrics, 8: 1–20.
3. Hopkins, B. (1991) Facilitating early motor development: an intracultural study of West Indian mothers and their infants living in Britain, in Nugent, JK, Lester, BM and Brazelton, TB (eds) The Cultural Context of Infancy, Vol. 2. Norwood, NJ: Ablex.
4. Brill, B. (1999) Dires suries enfants selon les cultures, in Bnl, B, Dansen, PR, Sabatier, C and
Krewer, B. (eds) Propos sur l’enfant et l’adolescent. Quel enfans pour quelles cultures? Paris:
L’Harmattan.
5. Adolph, J.O.E. (2002) Learning to keep balance, in Kali, R (ed.) Advances in Child Development
and Behaviour. San Diego, CA: Academic Press.
6. Davies, B.E., Moon, R.M., Sachs, M.C. and Ottolini, C.Y. (1998) Effects of sleep position on infant motor development. Pediatrics, 102: 1135—40.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Kulturpsychologie

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011

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