Psychologie Lexikon der Argumente

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Erklärung: Das Aufstellen einer Aussage über ein zuvor durch eine davon abweichende Aussage beschriebenes Ereignis, Zustand, Veränderung, oder Handlung. Die Erklärung wird oft Umstände, Vorgeschichte, logische Prämissen, Ursachen und Kausalität einzubeziehen versuchen. Siehe auch Beschreibung, Aussagen, Theorien, Verstehen, Buchstäbliche Wahrheit, Beste Erklärung, Kausalität, Ursachen, Verursachung, Vollständigkeit.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
I 321
Erklärung/Warum-Fragen/Gould: Der Evolutionsbiologie geht es immer um die Frage "warum?". (>Zwecke).
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II 61
Erklärung/Tradition/Gould: Ist es nicht äußerst unwahrscheinlich, dass der Haplodiploidismus, Voraussetzung für die Evolution hymenoterer Gesellschaften sich wahrscheinlich zuerst als Adaption an einen fast gänzlich gegensätzlichen Lebensstil entwickelt hat?
GouldVsTradition: Aber das ist gar nicht ungewöhnlich, sondern ein Grundprinzip, das die Evolutionsbiologie von einem gewöhnlichen Stereotyp über die Wissenschaft im Allgemeinen unterscheidet.
Häufiger Fehler: dass die augenblickliche Nützlichkeit einer Eigenschaft die Rückfolgerung auf die Gründe ihres Ursprungs zuließe.
Ursprung und gegenwärtige Nützlichkeit sind jedoch zwei ganz verschiedene Themen.
Komplexe Eigenschaften bersten vor Möglichkeiten: ihre denkbaren Verwendungen sind nicht auf ihre ursprünglichen Funktionen beschränkt. Bsp die Gleichgewichtsflossen der Fische wurden zu antreibenden Gliedern. >Zweckentfremdung.
II 150
Erklärung/Kausalität/Zweck/Gould: Die Frage "Wozu dient es?" lenkt häufig von der irdischeren aber oft lehrreicheren Frage: "Wie ist es gebaut?" ab.
II 152
Wir neigen dazu, jede Struktur so zu betrachten, als sei sie für einen bestimmten Zweck geschaffen.
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II 166
Erklärung/Kausalität/Kausalerklärung/Wissenschart/Methode/Gould: Ein heiß diskutiertes Thema ist das Vorkommen transponierbarer Elemente der DNA, sogenannter springender Gene. Diese Folgen können sich wiederholen und dann selbständig an andere Stellen des bakteriellen Chromosoms begeben.
II 167
Konventionelle Argumente für die Existenz mittelwertig sich wiederholende DNS folgen herkömmlichen darwinistischen Gesichtspunkten.
Vorrangige Eigenschaften von Organismen: an die 25% des genetischen Materials können nicht zweitrangig sein – sie müssen bestehen, um den Organismen im Kampf um Überleben einen Vorteil zu sichern.
Wir müssten also erklären, welchen Vorteil für den sie tragenden Körper die mittelwertig sich wiederholende DNS bringen.
Falsche Antwort: Wenn man einmal annimmt, alle funktionierende Gene könnten nur in einer Kopie bestehen, wäre jegliche Möglichkeit einer Veränderung abgeblockt. Das muss also der Grund sein! Die Verdoppelung liefert überhaupt das Material für die Evolution.
II 168
GouldVs: das ist Kausalität in der falschen Richtung: sie kann sich nicht rückwärts in der Zeit bewegen, die resultierende Flexibilität kann nicht der Grund dafür sein, dass eine Verdoppelung der Gene überhaupt erst einsetzt. Zukünftige Nützlichkeit kann nur die günstige Auswirkung anderer direkter Gründe eines sofortigen Vorteils sein.
Bsp Federn eignen sich vorzüglich zum Fliegen, aber die Vorfahren der Vögel müssen sie aus anderen Gründen entwickelt haben wahrscheinlich zur Temperaturregelung da ein paar Federn an den Armen eines Reptils dieses nicht zum Fliegen bringen.
II 169
Def Adaptionen/Gould: beschränken sich ausschließlich auf jene Strukturen, die sich wegen ihrer augenblicklichen Brauchbarkeit entwickelt haben.
Def Exaptationen/Gould: Strukturen, die sich aus anderen Gründen oder völlig ohne Grund entwickelt haben, aber trotzdem brauchbar sind, nennen wir >Exaptationen.
Wenn die sich wiederholende DNS transponierbar ist, wieso benötigen wir dann für sie überhaupt eine adaptive Erklärung?
II 170
Sie kann sich einfach aus eigenem Antrieb von Chromosom zu Chromosom verteilen, wobei sie von sich selbst Kopien anfertigt, während "festsitzende" Gene das nicht können.
Lösung/Gould: Diese zusätzlichen Kopien dürfen dann nicht weiterbestehen, weil sie nützlich sind, sondern weil der Körper sie überhaupt nicht bemerkt!


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989

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