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Methode: ein Verfahren, auf das sich Teilnehmer an einer Diskussion oder einem Forschungsvorhaben geeinigt haben. Bei Verstößen gegen eine Methode wird vor allem die Vergleichbarkeit der Ergebnisse angezweifelt, da diese nicht mehr aus einer Menge mit einheitlich definierten Eigenschaften der Elemente stammen.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Haslam I 147
Methode/Sherif: Sherif hat wissentlich ein Modell der gruppenübergreifenden Beziehungen angenommen, das auf Interaktionen zwischen Kleingruppen basiert (Sherif, 1951)(1). Gleichzeitig konnte Sherif jedoch durch das Verlassen des Labors und die Entscheidung für intensive Feldexperimente, Hypothesen testen und Schlussfolgerungen ziehen, die weit über den Rahmen fast aller sozialpsychologischen Experimente vor und nach seiner bahnbrechenden Arbeit hinausgingen. >Robbers Camp Studie/Sherif.
Die erste Herausforderung, mit der Sherif und seine Kollegen konfrontiert waren, war die Umsetzung ihrer umfassenden konzeptionellen Vorstellungen von Gruppen und gruppenübergreifenden Beziehungen in spezifische experimentelle Praktiken. Sherif begann die empirische Arbeit mit dem Versuch, die "minimalen wesentlichen Eigenschaften von Gruppen" genau zu definieren (Sherif et al., 1955(2): 371). Man sollte dabei beachten, dass genau die Behauptung, dass Gruppen "Eigenschaften" haben, Sherifs Überzeugung offenbart, dass Gruppen eine materielle Realität aufweisen.
Haslam I 148
Sherif 1969(3): 223:
Interaktionen: a) zwischen Menschen innerhalb von mindestens zwei separaten Gruppen
b) zwischen Gruppen.
Methode/Sherif: drei experimentelle Phasen
1) innere Gruppenbildung
2) gruppenübergreifender Konflikt
3) Reduzierung des gruppenübergreifenden Konflikts. >Robbers Cave Experiment/Sherif.
Jede Studie enthielt leicht unterschiedliche Varianten dieser Phasen, und Experiment 2 beinhaltete nicht die dritte Phase. In jeder Studie waren die Teilnehmer Jungen, die naiv zu den experimentellen Hypothesen standen und tatsächlich auch nicht wussten, dass sie überhaupt an einem Experiment teilnahmen. Stattdessen glaubten sie, dass sie an einem normalen Sommercamp teilnahmen.
Teilnehmer: Bei der Auswahl der Teilnehmer arbeiteten Sherif und seine Kollegen aktiv daran, die "Homogenität der Probanden in Bezug auf soziokulturelle und persönliche Hintergründe" zu gewährleisten (Sherif et al., 1961(4): 59). (...) dies bedeutete, dass, wenn sie sich letztendlich bösartig zueinander verhalten sollten, dies nicht auf inhärente Mängel in ihrem Charakter oder Hintergrund zurückzuführen war.
Haslam I 155
1. VsSherif: Eine häufige Kritik an Sherifs Arbeit - sowohl von Biographen als auch von kritischen Sozialpsychologen (z.B. Brannigan, 2006(5); Grandberg und Sarup, 1992(6)) - ist, dass für ihn und seine Kollegen Hypothesentests typischerweise ziemlich spät im Forschungsprozess kamen. Das heißt, nach dem Eintauchen in ein bestimmtes Problem würden die Forscher Erkenntnisse über die Art des Problems entwickeln, die sie dann empirisch zu bestätigen versuchen würden. Infolgedessen wurden Sherif und seine Kollegen dafür kritisiert, dass sie versuchten, Experimente zu entwickeln, die ihre Hypothesen bestätigen (und nicht testen) (z.B. siehe Sherif, 1948(7): 357). Aus erkenntnistheoretischen Gründen wird diese Art von Ansatz tendenziell eine hohe externe Validität haben, er ist jedoch nicht gut geeignet für die Entdeckung neuer Erkenntnisse (Cherry, 1995(8)).
Haslam I 156
2. VsSherif: In Bezug auf die Theorie haben mehrere Autoren (z.B. Brewer and Brown, 1998(9); Turner, 1975(10)) ebenfalls betont, dass Sherif und seine Kollegen es versäumt haben, zwischen Wettbewerb auf der Grundlage von realem, materiellem Wettbewerb und symbolischem Wettbewerb (z.B. auf der Grundlage von Werten, Prestige, Sozialstatus) zu unterscheiden.
3. VsSherif: Eine der größten Stärken von Sherifs Forschung - die Umsetzung als Feldforschung (im Gegensatz zum Labor) - ist auch eine der größten Schwächen. Da es in den Feldexperimenten so viele Variablen gab, die miteinander interagierten (z.B. gegenseitige Frustration, Mobbing innerhalb von Gruppen, gruppenübergreifende-Zuordnung, Antizipation des Wettbewerbs, Folgen von Sieg oder Niederlage). So ist es fast unmöglich, genau zu erkennen, was es mit einer bestimmten Situation auf sich hatte, die zu den beobachteten Effekten führte (Dion, 1979(11); Rabbie, 1982(12); Platow and Hunter, 2001(13)).



1.Sherif, M. (1951) ‘A preliminary experimental study of inter-group relations’, in J.H. Rohrer and M. Sherif (eds), Social Psychology at the Crossroads. New York: Harper & Row. pp. 388–424.
2. Sherif, M., White, B.J. and Harvey, O.J. (1955) ‘Status in experimentally produced groups’, American Journal of Sociology, 60: 370–9.
3. Sherif, M. and Sherif, C.W. (1969) Social Psychology. New York: Harper & Row.
4. Sherif, M., Harvey, O.J., White, B.J., Hood, W.R. and Sherif, C.W. (1961) Intergroup Conflict and Cooperation: The Robbers Cave Experiment. Norman, OK: Institute of Group Relations, University of Oklahoma.
5. Brannigan, A. (2006) Introduction to the Aldine Translation Edition of M. Sherif: Social Interaction: Processes and Products. Piscataway, NJ: Transaction Publishers.
6. Grandberg, D. and Sarup, G. (1992) ‘Muzafer Sherif: Portrait of a passionate intellectual’, in D. Grandberg and G. Sarup (eds), Social Judgment and Intergroup Relations: Essays in Honor of Muzafer Sherif. New York. Springer-Verlag. pp. 3–54.
7. Sherif, M. (1948) An Outline of Social Psychology. New York: Harper.
8-Cherry, F. (1995) The ‘Stubborn Particulars’ of Social Psychology: Essays on the Research Process. London: Routledge.
9. Brewer, M.B. and Brown, R.J. (1998) ‘Intergroup relations’, in D.T. Gilbert, S.T. Fiske and G. Lindzey (eds), The Handbook of Social Psychology, 4th edn. New York: McGraw-Hill. pp. 554–94.
10.Turner, J.C. (1975) ‘Social comparison and social identity: Some prospects for intergroup behaviour’, European Journal of Social Psychology, 5: 1–34.
11Dion, K.L. (1979) ‘Intergroup conflict and intragroup cohesiveness’, in S. Worchel and W.G. Austin (eds), The Social Psychology of Intergroup Relations. Monterey, CA: Brooks/Cole. pp. 33–47.
12. Rabbie, J.M. (1982) ‘The effects of intergroup competition on intragroup and intergroup relationships’, in V.J. Derlega and J. Grzelak (eds), Cooperation and Helping Behaviour: Theories and Research. New York: Academic Press. pp. 123–49.
13. Platow, M.J. and Hunter, J.A. (2001) ‘Realistic intergroup conflict: Prejudice, power, and protest’, in M. Augoustinos and K.J. Reynolds (eds), Understanding the Psychology of Prejudice and Racism. London: Sage. pp. 195–212.



Michael W. Platow and John A. Hunter, „ Intergroup Relations and Conflicts. Revisiting Sherif’s Boys’ Camp studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Sherif, Muzafer

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017

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