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Benkler I 413
Digital Millennium Copyright Act/DMCA/Institutionale Ökologie/Benkler: Kein Rechtsakt stellt den Kampf um die institutionelle Ökologie der digitalen Umgebung deutlicher dar als der hochtrabend benannte Digital Millennium Copyright Act von 1998 (DMCA). Der DMCA war der Höhepunkt von mehr als drei Jahren Lobbyarbeit und vielfältigen Anstrengungen, sowohl im Inland in den Vereinigten Staaten als auch international, bei der Verabschiedung von zwei WIPO-Verträgen im Jahr 1996. Die grundlegende Weltanschauung dahinter, die in einem 1995 von der Clinton-Administration herausgegebenen Whitepaper zum Ausdruck kam, war, dass die Nationale Informationsinfrastruktur (NII) nur dann starten kann, wenn sie "Inhalt" hat, und dass ihr großes Versprechen darin besteht, dass sie das Äquivalent von Tausenden von Unterhaltungskanälen liefern kann. Dies würde jedoch nur geschehen, wenn die NII für die Lieferung digitaler Inhalte gesichert wäre, ohne dass sie leicht kopiert und ohne Genehmigung und ohne Bezahlung verbreitet werden könnten.
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(...) erhebliche Lobbyarbeit für "Durchführungsgesetze", um das US-Recht mit den Anforderungen der neuen WIPO-Verträge in Einklang zu bringen (...), legte den Schwerpunkt der Debatten im Kongress auf die nationale Industriepolitik und die Bedeutung eines starken Schutzes der Exportaktivitäten der US-Inhaltsindustrie. Es reichte aus, das Gleichgewicht zugunsten des Übergangs zum DMCA zu kippen.
Das zentrale Merkmal des DMCA, ein langer und komplizierter Rechtsakt,
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ist seine Anti-Umgehungs- und Anti-Geräte-Bestimmung. Diese Bestimmungen machten es illegal, Technologien mit bestimmten Eigenschaften zu nutzen, zu entwickeln oder zu verkaufen. Urheberrechtsinhaber glaubten, dass es möglich sein würde, eine starke Verschlüsselung in Medienprodukte einzubauen, die über das Internet vertrieben werden. Wenn sie dies erfolgreich tun, könnten die Urheberrechtsinhaber die digitale Verbreitung in Rechnung stellen und die Nutzer könnten keine unbefugten Kopien der Werke anfertigen. Der DMCA sollte dies ermöglichen, indem er Technologien verbietet, die es den Nutzern ermöglichen, die Schutzmaßnahmen, die die Eigentümer von urheberrechtlich geschützten Materialien ergriffen haben, zu umgehen.
Es gibt zwei verschiedene Probleme mit dieser Art der Darstellung, was der DMCA tut. Es gibt viele Nutzungen bestehender Werke, die für alle zugängig sind. Sie werden im Urheberrecht wie das Gehen auf dem Bürgersteig oder in einem öffentlichen Park behandelt, nicht wie das Betreten des Grundstücks eines Nachbarn.
Das zweite Problem mit dem DMCA ist, dass seine Definitionen breit und formbar sind. Einfache Handlungen wie das Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit über die Funktionsweise der Verschlüsselung oder das Veröffentlichen eines Berichts im Internet, der den Benutzern sagt, wo sie Informationen darüber finden können, wie sie einen Kopierschutzmechanismus umgehen können, könnten in die Definition der Bereitstellung einer Umgehungsvorrichtung einbezogen werden.
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Der DMCA soll ein starkes rechtliches Hindernis für bestimmte technologische Innovationspfade auf der logischen Ebene der digitalen Umgebung darstellen. Es ist insbesondere beabsichtigt, das "Ding"- oder die "Gut"-ähnliche Natur von Unterhaltungsprodukten - insbesondere Musik und Filme - zu erhalten. Damit soll und wird der DMCA die technologische Entwicklung hin zur Behandlung von Information und Kultur als Fertigprodukte und nicht als Output von Sozial- und Kommunikationsprozessen gestalten, die die Unterscheidung zwischen Produktion und Konsum verwischen. Es erschwert Einzelpersonen und Nichtmarktteilnehmern den Zugang zu digitalen Materialien, die die Technologie, der Markt und die sozialen Praktiken, die unreguliert geblieben sind, leicht zugänglich gemacht hätten.
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Der DMCA belastet die individuelle Autonomie, die Entstehung der vernetzten Öffentlichkeit und der kritischen Kultur sowie einige der Wege, die die vernetzte Informationswirtschaft für die globale menschliche Entwicklung ermöglicht. Die Verabschiedung eines Gesetzes vom Typ DMCA allein wird die Entwicklung der Nichtmarkt- und Peer Production nicht behindern. Tatsächlich sind viele dieser technologischen und sozioökonomischen Entwicklungen entstanden und gediehen, nachdem der DMCA bereits in Kraft war. Es stellt jedoch eine Entscheidung dar, die institutionelle Ökologie zugunsten der industriellen Produktion und des Vertriebs von kulturellen verpackten Gütern zu kippen, auf Kosten der gemeinschaftsbasierten Beziehungen des Teilens in Bildung, Wissen und Kultur. >Copyright/Benkler.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Benkler I
Yochai Benkler
The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007

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