Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 


 

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Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 3 Einträgen:
strittiger Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Methode Boyd
 
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Fraassen I 77
Realismus/Wissenschaft/Methodologie/Methode/Boyd: nur der Realismus kann die wissenschaftliche Aktivität des Versuchsaufbaus (Methode, Experiment) erklären. Das wird für die Legitimierung von intertheoretischen Überlegungen gebraucht. Und zwar zur Erklärung der Rolle, die akzeptierte Theorien im Versuchsaufbau spielen.
I 78
BoydVsFraassen/BoydVsAnti-Realismus: 1. Prinzip: (laut Boyd anti-realistisch) wenn zwei Theorien genau dieselbe deduktiven Beobachtungs-Konsequenzen haben, dann ist jeder experimentelle Beleg für oder gegen die eine gleichzeitig einer für oder gegen die andere.
BoydVs: das ist schlichtweg falsch so wie es dasteht, und es lässt sich auch nicht verbessern.
empirische Äquivalenz/FraassenVsBoyd: ich habe eine ganz andere Definition von empirischer Äquivalenz als er.
2. Prinzip: (laut Boyd von allen Philosophen akzeptiert): AG ein wissenschaftliches Prinzip trägt zur Verlässlichkeit einer Methode im folgenden minimalen Sinn bei: seine Anwendung trägt zur likelihood bei, dass die Beobachtungs-Konsequenzen akzeptierter Theorien wahr sein werden. Dann ist es die Aufgabe der Erkenntnistheorie (Epistemologie), die Verlässlichkeit dieses Prinzips zu erklären.
Fraassen: ich glaube auch, dass wir dem zustimmen sollten. Es ist selbst ein Prinzip über Prinzipien.

Boyd/Fraassen: hat ein spezielles Beispiel im Sinn:

(P) eine Theorie muss unter Bedingungen getestet werden, die repräsentativ sind für die, in denen sie im Licht von Begleitinformation sie höchstwahrscheinlich fehlschlagen wird, wenn sie überhaupt fehlschlagen kann.

Fraassen: das ist harmlos so wie es dasteht.
I 79
Problem: „Begleitinformation“: ich nehme an, dass er „Wissen“ hier „leicht“ auffasst, d.h. als Wissen über zugrundliegende kausale Mechanismen, die von vorher akzeptierten Theorien zugrunde gelegt werden. Boyd: Bsp Angenommen,
M: chemischer Mechanismus
A: Antibiotikum
C: Bakterienart
L: Theorie, die zusammen mit Begleitinformation annimmt, dass die Population der Bakterien sich als Funktion ihrer Anfangspopulation, der Dosierung von A und der Zeit entwickelt.
Experiment: Frage: was muss man bei der Konstruktion des Experiments berücksichtigen:
1. Bsp eine Substanz, ähnlich wie A ist bekannt, diese aber löst nicht die Zellwände auf, sondern interagiert mit ein entstandenen Zellwänden nach der Mitose. Dann müssen wir die Implikation der zu testenden Theorie L prüfen, die nicht in dieser alternativen Weise funktioniert.
Dann sollte die Probe in einer so kurzen Zeit betrachtet werden, dass die typische Zelle sich noch nicht geteilt hat, die aber lang genug ist, dass ein großer Teil der Population durch A vernichtet ist (wenn es solche ein Intervall gibt).
2. Bsp man weiß, dass die fraglichen Bakterien zu einer Mutation neigen, die die Zellwände mutieren lässt. Das führt zu der Möglichkeit, dass Theorie L fehlschlägt, wenn die Zeit lang genug ist und die Dosierung von A gering genug, um selektives Überleben resistenter Zellen zu ermöglichen. Daher ist hier dann ein anderes Experiment erforderlich.
Auf diese Weise führen akzeptierte Theorien zu einer Modifikation von Experimenten.

Wissen/Fraassen: müssen wir hier verstehen als "von einer früher akzeptierten Theorie impliziert".


Boyd I
Richard Boyd
The Philosophy of Science Cambridge 1991

Fr I
B. van Fraassen
The Scientific Image Oxford 1980
Realismus Boyd
 
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Horwich I 492
Wissenschaftlicher Realismus/Richard Boyd/M. Williams: Boyds Verteidigung des wR ist viel komplexer als das, was wir bisher betrachtet haben:
Horw I 493
Verlangt es einen substantiellen (erklärenden) W-Begriff? Boyd: indirekterer Weg als Putnam: die (ungefähre) Wahrheit unserer Theorien erklärt die instrumentelle Verlässlichkeit unserer Methoden.
Methode/Boyd: ist nicht Theorie neutral! Im Gegenteil, weil sie durch unserer Theorien gebildet werden, ist es deren Wahrheit, die den Erfolg der Methoden erklärt.
Boyd/M. Williams: damit stellt er ein bekanntes Argument auf den Kopf: BoydVsPositivismus.
Positivismus/Theorie: These die Beobachtungssprache muss Theorie neutral sein. Ebenso die methodologischen Prinzipien.
IdealismusVsPositivismus: VsTheorie Neutralität. Bsp Kuhn: die wissenschaftliche Gemeinschaft stellt die „Tatsachen“ fest.
Boyd/M. Williams: Boyd macht sehr clever die Theoriegeladenheit unserer methodischen Urteile zur Basis seines Realismus. These Methoden, die so Theorie geladen sind wie unsere, würden nicht funktionieren, wenn die entsprechenden Theorien nicht "in relevanter Weise ungefähr wahr" wären.
Pointe: damit kann man ihm nicht vorwerfen, eine unakzeptable starre Trennung von Theorie und Beobachtung vorzunehmen.
Ad. 1. Vs: das entkräftet den ersten Einwand
Ad. 2. Vs: Boyd: es wäre ein Wunder, wenn unsere theorie geladenen Methoden funktionierten, obwohl die Theorien sich als falsch erwiesen. Für den wissenschaftlichen Realismus gibt es hier nichts zu erklären.
Ad. 3. Vs:
Horw I 494
M. Williams: das geht nicht VsWissenschaftlicher Realismus, sondern VsPutnam: PutnamVsBoyd: Argumente wie die von Boyd etablieren eine kausal erklärende Rolle für den W Begriff.
BoydVsPutnam: das tun sie gar nicht: "wahr" ist nur ein konventioneller Ausdruck, der dem wissenschaftlichen Realismus keine Erklärungskraft hinzufügt.
Wahrheit/Erklärung/Realismus/Boyd/M. Williams: den Erfolg unserer Methoden durch die Wahrheit unserer Theorien zu erklären läuft darauf hinaus zu sagen, dass die Methoden, mit denen wir Teilchen untersuchen funktionieren, weil die Welt aus solchen Teilchen besteht, die mehr oder weniger so sind, wie wir denken.
Fazit: es macht aber keinen Unterschied, ob wir diesen Erfolg (unserer Methoden) durch die Wahrheit der Theorien oder durch die Theorien selbst erklären!
M. Williams pro Deflationismus: also brauchen wir keinen substantiellen Wahrheits Begriff.

Horw I 494
Wahrheit/M.Williams: hat keine substantielle Rolle – keine erklärende Rolle: kein Unterschied, ob wir Erfolg durch Wahrheit der Theorie oder durch die Theorie selbst erklären – (pro Deflationismus)
Wissenschaftlicher Realismus/M. Williams: einige könnten einwenden, dass nach dem wR unsere gegenwärtigen Theorien nicht in dem einen oder anderen Sinn wahr sind, sondern einfach und buchstäblich wahr.
M. Williams: das kann sein, aber selbst die deflationistische Wahrheit ist in gewissem Sinn realistisch, denn sie insistiert nicht darauf, den W Begriff epistemisch zu rekonstruieren.

Horw I 495
Anti Realismus/Boyd: (BoydVsAnti Realismus/BoydVsDummett): zwei Arten: a) empiristische These, dass Theorien instrumentalistisch reinterpretiert werden müssen b) "konstruktivistische" These (Kuhn): dass die Welt aus der theoretischen Tradition der wissenschaftlichen Gemeinschaft konstruiert werden muss
Anti Realismus/Boyd: (BoydVsAnti Realismus/BoydVsDummett): zwei Arten:
a) empiristische These, dass Theorien instrumentalistisch reinterpretiert werden müssen
Horw I 495
b) "konstruktivistische" These (Kuhn): dass die Welt aus der theoretischen Tradition der wissenschaftlichen Gemeinschaft konstruiert werden muss. M. Williams: wenn das bedeutet, dass Objekte nicht einfach "gegeben" sind, dann ist heute praktisch jeder Konstruktivist.
Deflationismus/M. Williams: braucht sich mit keiner Version des Konstruktivismus anzufreunden.
Boyd/M. Williams: sein wissenschaftlicher Realismus stellt gar nicht die Frage, ob eine substantielle Erklärung in Begriffen von „Korrespondenz" nötig ist. Sein Realismus ist eher empirisch“ (in Kants Sinn) als „transzendental“. Er hat nicht mit Wahrheit zu tun, sondern mit empirischen R"lationen zwischen Wahrheiten.


Boyd I
Richard Boyd
The Philosophy of Science Cambridge 1991

Hor I
P. Horwich (Ed.)
Theories of Truth Aldershot 1994
Wissenschaft Fraassen
 
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I 34
Wissenschaft/Fraassen: These: ihr geht es nicht um Erklärung als solche, sondern um neue Aussagen über beobachtbare Regularitäten.
I 39
Wissenschaft/R. Boyd: These: die Terme einer reifen Wissenschaft referieren typischerweise. - Wir brauchen den Realismus, damit der Erfolg der Wissenschaft nicht wie ein Wunder aussieht. FraassenVsBoyd: Wissenschaft muss nicht ihren eigenen Erfolg erklären.
I 86
Einheit/Wissenschaft/Duhem: DuhemVsEngländer/DuhemVsEnglische Wissenschaftler: diese seien "breit aber seicht", indem sie mit einem stückweisen Ansatz zufrieden seien. (Apparatebau) - (Duhem pro Einheitlichkeit).
I 196
Wissenschaftstheorie/Fraassen: hat nichts mit Logik oder Sprachphilosophie zu tun. - und umgekehrt: Fraassen These: Sprachprobleme haben nichts mit dem Inhalt der Wissenschaften und der Struktur der Welt zu tun!

Fr I
B. van Fraassen
The Scientific Image Oxford 1980

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 3 Kontroversen:
strittiger Begriff/
Autor/Ismus
Autor Vs Autor
Eintrag
Literatur
VsBoyd Boyd Vs Antirealismus
 
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Fraassen I 77
Realismus/Wissenschaft/Methodologie/Methode/Boyd: nur der Realismus kann die wissenschaftliche Aktivität des Versuchsaufbaus (Methode, Experiment) erklären. Das wird für die Legitimierung von intertheoretischen Überlegungen gebraucht. Und zwar zur Erklärung der Rolle, die akzeptierte Theorien im Versuchsaufbau spielen.
I 78
BoydVsFraassen/BoydVsAnti-Realismus: 1. Prinzip: (laut Boyd anti-realistisch) wenn zwei Theorien genau dieselbe deduktiven Beobachtungs-Konsequenzen haben, dann ist jeder experimentelle Beleg für oder gegen die eine gleichzeitig einer für oder gegen die andere.
BoydVs: das ist schlichtweg falsch so wie es dasteht, und es läßt sich auch nicht verbessern.
empirische Äquivalenz/FraassenVsBoyd: ich habe eine ganz andere Definition von empirischer Äquivalenz als er.
2. Prinzip: (laut Boyd von allen Philosophen akzeptiert): Angenommen, ein wissenschaftliches Prinzip trägt zur Verläßlichkeit einer Methode im folgenden minimalen Sinn bei: seine Anwendung trägt zur likelihood bei, dass die Beobachtungs-Konsequenzen akzeptierter Theorien wahr sein werden. Dann ist es die Aufgabe der Erkenntnistheorie (Epistemologie), die Verlässlichkeit dieses Prinzips zu erklären.
Fraassen: ich glaube auch, dass wir dem zustimmen sollten. Es ist selbst ein Prinzip über Prinzipien.
Boyd/Fraassen: hat ein spezielles Beispiel im Sinn:
(P) eine Theorie muss unter Bedingungen getestet werden, die repräsentativ sind für die, in denen sie im Licht von Begleitinformation sie höchstwahrscheinlich fehlschlagen wird, wenn sie überhaupt fehlschlagen kann.
Fraassen: das ist harmlos so wie es dasteht.
I 79
Problem: „Begleitinformation“: ich nehme an, dass er „Wissen“ hier „leicht“ auffaßt, d.h. als Wissen über zugrundliegende kausale Mechanismen, die von vorher akzeptierten Theorien zugrunde gelegt werden. Boyd: Bsp Angenommen,
M: chemischer Mechanismus
A: Antibiotikum
C: Bakterienart
L: Theorie, die zusammen mit Begleitinformation annimmt, dass die Population der Bakterien sich als Funktion ihrer Anfangspopulation, der Dosierung von A und der Zeit entwickelt.
Experiment: Frage: was muss man bei der Konstruktion des Experiments berücksichtigen:
1. Bsp eine Substanz, ähnlich wie A ist bekannt, diese aber löst nicht die Zellwände auf, sondern interagiert mit ein entstandenen Zellwänden nach der Mitose. Dann müssen wir die Implikation der zu testenden Theorie L prüfen, die nicht in dieser alternativen Weise funktioniert.
Dann sollte die Probe in einer so kurzen Zeit betrachtet werden, dass die typische Zelle sich noch nicht geteilt hat, die aber lang genug ist, dass ein großer Teil der Population durch A vernichtet ist (wenn es solche ein Intervall gibt).
2. Bsp man weiß, dass die fraglichen Bakterien zu einer Mutation neigen, die die Zellwände mutieren läßt. Das führt zu der Möglichkeit, dass Theorie L fehlschlägt, wenn die Zeit lang genug ist und die Dosierung von A gering genug, um selektives Überleben resistenter Zellen zu ermöglichen. Daher ist hier dann ein anderes Experiment erforderlich.
Auf diese Weise führen akzeptierte Theorien zu einer Modifikation von Experimenten.

Boyd I
Richard Boyd
The Philosophy of Science Cambridge 1991

Fr I
B. van Fraassen
The Scientific Image Oxford 1980
VsBoyd Putnam Vs Boyd, R.
 
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Horwich I 492
wissenschaftlicher Realismus/Richard Boyd/M. Williams: Boyds Verteidigung des wR ist viel komplexer als das, was wir bisher betrachtet haben:
I 493
Verlangt es einen substantiellen (erklärenden) W Begriff? Boyd: indirekterer Weg als Putnam: die (ungefähre) Wahrheit unserer Theorien erklärt die instrumentelle Verläßlichkeit unserer Methoden.
Methode/Boyd: ist nicht Theorie neutral! Im Gegenteil, weil sie durch unserer Theorien gebildet werden, ist es deren Wahrheit, die den Erfolg der Methoden erklärt.
Boyd/M. Williams: damit stellt er ein bekanntes Argument auf den Kopf: BoydVsPositivismus.
Positivismus/Theorie: These die Beobachtungssprache muss Theorie neutral sein. Ebenso die methodologischen Prinzipien.
IdealismusVsPositivismus: VsTheorie Neutralität. Bsp Kuhn: die wissenschaftliche Gemeinschaft stellt die „Tatsachen“ fest.
Boyd/M. Williams: Boyd macht sehr clever die Theoriegeladenheit unserer methodischen Urteile zur Basis seines Realismus. These: Methoden, die so Theorie geladen sind wie unsere, würden nicht funktionieren, wenn die entsprechenden Theorien nicht „in relevanter Weise ungefähr wahr“ wären.
Pointe: damit kann man ihm nicht vorwerfen, eine unakzeptable starre Trennung von Theorie und Beobachtung vorzunehmen.
Ad. 1. Vs: das entkräftet den ersten Einwand
Ad. 2. Vs: Boyd: es wäre ein Wunder, wenn unsere theorie geladenen Methoden funktionierten, obwohl die Theorien sich als falsch erwiesen. Für den wissenschaftlichen Realismus gibt es hier nichts zu erklären.
Ad. 3. Vs:
I 494
M. Williams: das geht nicht Vswissenschaftlicdher Realismus, sondern VsPutnam: PutnamVsBoyd: Argumente wie die von Boyd etablieren eine kausal erklärende Rolle für den W Begriff.
BoydVsPutnam: das tun sie gar nicht: „wahr“ ist nur ein konventioneller Ausdruck, der dem wissenschaftlichen Realismus keine Erklärungskraft hinzufügt.
Wahrheit/Erklärung/Realismus/Boyd/M. Williams: den Erfolg unserer Methoden durch die Wahrheit unserer Theorien zu erklären läuft darauf hinaus zu sagen, dass die Methoden, mit denen wir Teilchen untersuchen funktionieren, weil die Welt aus solchen Teilchen besteht, die mehr oder weniger so sind, wie wir denken.
Fazit: es macht aber keinen Unterschied, ob wir diesen Erfolg (unserer Methoden) durch die Wahrheit der Theorien oder durch die Theorien selbst erklären!
M. Williams pro Deflationismus: also brauchen wir keinen substantiellen W Begriff.
- - -
Putnam I 80
Konvergenz/Putnam: an der Konvergenz von wissenschaftlichem Wissen ist etwas dran! Wissenschaft/Theorie/Richard Boyd: These: aus der üblichen positivistischen Wissenschaftstheorie folgt lediglich, dass spätere Theorien viele Beobachtungssätze von früheren implizieren, nicht aber, dass spätere Theorien die annähernde Wahrheit der früheren implizieren müssen! (1976).
Wissenschaft/Boyd: (1) Termini einer reifen Wissenschaft referieren typischerweise
(2) Die Gesetze einer Theorie, die zu einer reifen Wissenschaft gehört, sind typischerweise annähernd wahr. (Boyd benötigt noch mehr Prämissen).
I 81
Boyd/Putnam: das wichtigste an diesen Feststellungen ist, dass die Begriffe der "Wahrheit" und der "Referenz" eine kausal erklärende Rolle in der Epistemologie spielen. Wenn man sie bei Boyd durch operationalistische Begriffe ersetzt, z.B. "ist einfach und führt zu wahren Voraussagen", bleibt die Erklärung nicht gewahrt.
Wahrheit/Theorie/Putnam: ich will nicht nur Theorien haben, die "annähernd wahr" sind, sondern solche, die die Chance haben, wahr zu sein.
Dann müssen die späteren Theorien die Gesetze der früheren als Grenzfall enthalten
PutnamVsBoyd: nach ihm weiß ich nur, dass T2 die meisten meiner Beobachtungssätze implizieren sollte, die T1 impliziert. Daraus folgt überhaupt nicht, dass sie die Wahrheit der Gesetze von T1 implizieren müsse!
I 82
Dann gibt es auch keinen Grund, warum T2 die Eigenschaft haben sollte, dass wir vom Standpunkt von T2 aus den Termini von T1 Referenzobjekte zuordnen könnten. Bsp Dennoch ist es eine Tatsache, dass wir vom Standpunkt der RT dem Begriff "Gravitation" aus der Newtonschen Theorie ein Referenzobjekt zuordnen können, anderen aber nicht: z.B. Phlogiston oder Äther.
Mit Begriffen wie "ist einfach" oder "führt zu wahren Voraussagen" ist kein Analogon zu der Forderung der Referenz gegeben.
I 85/86
Wahrheit/Boyd: was ist mit Wahrheit, wenn keiner der Ausdrücke oder Prädikate referiert? Dann wird der Begriff "Wahrheitswert" für Sätze, die theoretische Termini enthalten, uninteressant. Wahrheit wird also auch zusammenbrechen. PutnamVsBoyd: das ist vielleicht nicht ganz das, was passieren würde, doch dafür brauchen wir einen Umweg über folgende Überlegungen:
I 86
Intuitionismus/Logik/Junktoren/Putnam: die Bedeutung der klassischen Junktoren wir im Intuitionismus uminterpretiert: Aussagen:
p wird behauptet p wir als beweisbar behauptet

"~p" es ist beweisbar, dass ein Beweis von p die Beweisbarkeit von 1 = 0 implizieren würde. "~p" besagt die Absurdität der Beweisbarkeit von p ( und nicht die klassische "Falschheit" von p).

"p u q" es gibt einen Beweis für p und es gibt einen Beweis für q

"p > q" es gibt eine Methode, die auf jeden Beweis von p angewendet, einen Beweis von q erzeugt (und einen Beweis, dass die Methode dies leistet).
I 87
Besonderer Unterschied zur klassischen Logik: "P v ~p" klassisch: bedeutet die Entscheidbarkeit jeder Aussage.
Intuitionistisch: ist hier überhaupt kein Theorem.
Wir wollen jetzt die klassischen Junktoren intuitionistisch reinterpretieren:
~ (klassisch) ist identisch mit ~(intuitionistisch)
u (kl.) wird mit u (Int) identifiziert
p v q (kl) wird mit ~(~p u~q) (int) identifiziert
p > q (Kl) wird mit ~(p u~q) (int) identifiziert
Dies ist also eine Übersetzung des einen Kalküls in den anderen, aber nicht in dem Sinne, dass die klassischen Bedeutungen der Junktoren mit Hilfe der intuitionistischen Begriffe dargestellt würden, wohl aber in dem Sinn, dass die klassischen Theoreme erzeugt werden. ((s) Nicht Übersetzung, sondern Erzeugung.)
Die Bedeutungen der Junktoren ist nach wie vor nichtklassisch (nach der Reinterpretation)) weil diese Bedeutungen mit Hilfe von Beweisbarkeit und nicht von Wahrheit und Falschheit erklärt werden.
Bsp Klassisch besagt p v ~p: jede Aussage ist wahr oder falsch.
Intuitionistisch formuliert.: ~(~p u ~~p) heißt: es ist absurd, dass eine Aussage und ihre Negation beide absurd sind. (Nichts von wahr oder falsch!).

Pu I
H. Putnam
Von einem Realistischen Standpunkt Frankfurt 1993

Pu II
H. Putnam
Repräsentation und Realität Frankfurt 1999

Pu III
H. Putnam
Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997

Pu IV
H. Putnam
Pragmatismus Eine offene Frage Frankfurt 1995

Pu V
H. Putnam
Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990

Hor I
P. Horwich (Ed.)
Theories of Truth Aldershot 1994
VsBoyd Rorty Vs Boyd, R.
 
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Richard Rorty
I 310
Def Konvergenz/Boyd/Putnam/Rorty: Verläßlichkeit eines Prinzips wie des folgenden: man sollte im Lichte des verfügbaren theoretischen Wissens untersuchen, unter welchen Umständen die kausalen Behauptungen der Theorie plausiblerweise fehlgehen können, entweder weil andere kausale Mechanismen plausibel erscheinen, oder weil Arten schon jetzt bekannter kausaler Mechanismen mit der Theorie in Konflikt geraten, und zwar auf Weisen, die die Theorie nicht voraussieht. Rorty: dagegen wird wohl niemand etwas haben, solange Boyd nicht behauptet, wir könnten nur auf der Grundlage eines »realistischen Verständnisses der relevanten Nebentheorien« erklären warum dieses Prinzip zu brauchbaren Ergebnissen führt:
I 311
Boyd: Angenommen, wir raten jeweils immer, welche Theorien mit besonderer Wahrscheinlichkeit experimentell scheitern. Und nehmen wir weiter an, unsere Vermutungen treffen genau dort zu, wo der Realist dies erwarten würde. Welche andere Erklärung als die des Realismus ist dann noch möglich? Es handelt sich sicher nicht um den bloßen Effekt konventionell oder beliebig übernommener wissenschaftlicher Traditionen. Wenn die Welt nicht nach unseren Konventionen geformt ist, was kein Empirist annehmen würde, dann kann die Verlässlichkeit dieses Prinzips keinesfalls bloß eine Sache von Konventionen sein. RortyVsBoyd: er verwechselt hier zweierlei sinnvolle »Zuverlässigkeit eines Verfahrens«:
a) den Sinn, indem ein Verfahren in Beziehung auf einen unabhängigen Test zuverlässig ist (Thermometer) mit
b) dem Sinn, indem ein Verfahren deshalb verlässlich ist, weil man sich eine Alternative zu ihm überhaupt nicht vorstellen kann. Die Überprüfung neuer Theorien mittels alter ist keine fakultatives Verfahren. Wie anders könnten wir sie überprüfen?
Theorie/Rorty: aber eine neue Theorie ist schlicht nichts anderes als eine relativ geringfügige Änderung eines umfassenden Netzes von Überzeugungen.

Ro I
R. Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Ro II
R. Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Ro III
R. Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Ro IV
R. Rorty
Eine Kultur ohne Zentrum Stuttgart 1993

Ro V
R. Rorty
Solidarität oder Objektivität? Stuttgart 1998

Ro VI
R. Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000