Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Ethik Nussbaum Seel III 113
Moral/Ethik/Nussbaum/SeelVsNussbaum: spielt sich als Gouvernante auf: Kinder sollten mehr gute und weniger schlechte Gedanken hegen. - Seel stattdessen pro: reflektierte moralische Praxis.

Seel I
M. Seel
Die Kunst der Entzweiung Frankfurt 1997

Seel II
M. Seel
Ästhetik des Erscheinens München 2000

Seel III
M. Seel
Vom Handwerk der Philosophie München 2001
Fähigkeiten Nussbaum Brocker I 895
Fähigkeiten/Nussbaum: zentrale menschliche Fähigkeiten will Nussbaum im Kontext politischer Ordnung als spezifisch politische Ziele begriffen wissen. Als politische Ziele stehen sie jenseits partikularer metaphysischer Begründungen und können daher als Grundlage basaler Verfassungsprinzipien gelten. Auf diese Weise können Fähigkeiten (»capabilities«) zum Gegenstand eines »übergreifenden Konsenses« werden. …der Staat ist zwar in der Pflicht, jeden Einzelnen zur Ausübung der Grundfähigkeiten zu befähigen, die tatsächliche Realisierung bleibt aber jedem Einzelnen überlassen.
Brocker I 896
Nussbaum legt grundsätzlich den Fokus auf die Frage nach Möglichkeiten/Fähigkeiten statt tatsächlicher Zufriedenheit.(1)
Brocker I 901
Capabilities approach/Capabilities-Ansatz/Nussbaum: (zu Problemen siehe Universalismus/Nussbaum); seine Aufgabe ist eine doppelte: 1. Eine Ermöglichung von Vergleichbarkeit der Lebensqualität verschiedener Personen in verschiedenen Kontexten; 2. Die Begründung einer übergreifenden normativen Basis , die es erlaubt, »core areas of human functioning« zu bestimmen und damit bestimmte Fähigkeiten, die für jede/n BürgerIn in jeder Nation in politischen Zusammenhängen gewährleistet sein müssen.(2) VsNussbaum: Frage: führt Nussbaum hier nicht einen impliziten Bezug auf die »menschliche Natur« ein, der sie in die riskante Richtung eines metaphysischen Realismus drängt?
NussbaumVsVs: Nussbaum setzt keinen neutralen Beobachter voraus, der die Tatsachen des menschlichen Lebens aus einer externen Perspektive beurteilt. Sie plädiert vielmehr für eine interne Rekonstruktion des Wissens um uns selbst: Wir können uns nur aus uns selbst und vor dem Hintergrund geteilter Erfahrungen selbst verstehen und begreifen (vgl. Pauer-Studer 1999, 10 f.).(3)
Brocker I 902
Entscheidend ist, dass das liberale Grundprinzip »each person as an end«, zugespitzt zum »principle of each person’s capability« (4), anerkannt wird. Die Anerkennung dieses Prinzips spiegelt sich darin wider, dass nicht bestimmte Lebensentwürfe festgelegt, sondern Fähigkeiten und Handlungsräume gewährleistet werden sollen, die Personen die freie Wahl der Wahrnehmung dieser Möglichkeiten lässt. Funktionale Fähigkeiten des Menschen: Siehe >Funktionen/Nussbaum.
Brocker I 903
f.). Nussbaum versteht den Capabilities Approach als Theorie der Grundbedingungen, nicht als volle Gerechtigkeitstheorie. Eine vollständige Theorie würde einen klarer markierten Ansatz zur Bestimmung des Schwellenwertes (»threshold level of capabilities«(5) erfordern. Drei Kategorien von Fähigkeiten/Nussbaum: a) basic capabilities, (Gebrauch der Sinnesorgane) b) internal capabilities (Sprachbeherrschung, Sexualität, Religions- und Redefreiheit), c) combined capabilities. (Zusammenspiel mit äußeren Gegebenheiten). (6) Vgl. >Rechte/Nussbaum.



1. Martha C. Nussbaum, Women and Human Development. The Capabilities Approach, Cambridge 2000, p, 12.
2. Ebenda p.71
3. H. Pauer-Studer 1999, »Einleitung«, in: Martha C. Nussbaum, Gerechtigkeit oder das gute Leben, Frankfurt/M. 1999, 7-23., p.10f 4. Nussbaum ebenda p.74
5. Ebenda p. 12
6. Ebenda p.84

Sandra Seubert, „Martha C. Nussbaum, Women and Human Development (2000)“, in:Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Freiheit Nussbaum Brocker I 891
Freiheit/NussbaumVsSen/Nussbaum: Nussbaum geht es - mehr als Amartya Sen - um die Festlegung eines Kerns bestimmter »Befähigungen« (»capabilities«) als unverzichtbare Grundvermögen. Anders formuliert: Zu »substantiell« (»substantial«) verhält sich »prozedural« (»procedural«) als Gegenbegriff.(1) SenVsVs/SenVsNussbaum/Dierksmeier: Doch war es ja gerade der Clou der Sen’schen »wesentlichen Freiheit« (»substantive freedom«), dass bei ihr das prozedurale und partizipatorische Moment keinesfalls an den Rand gedrängt, sondern vielmehr ins Zentrum gerückt wird. Vgl. >Freiheit/Sen, >Fähigkeiten/Sen.


1. Martha C. Nussbaum, Not for Profit. Why Democracy Needs the Humanities, Princeton 2010, S. 18


Claus Dierksmeier, „Amartya Sen, Ökonomie für den Menschen (1999)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Gut/Das Gute Nussbaum Brocker I 895
Gut/das Gute/Nussbaum: „starke vage Konzeption des Guten“: VsNussbaum: die Kritik an ihr bezieht sich im Wesentlichen auf ihre Aristoteles-Interpretation und die Frage des Essentialismus ihrer Konzeption des Guten (Sturma 2000)(1). 2. VsNussbaum: des Weiteren geht es um eine implizite Spannung zwischen einer vagen Theorie des Guten, die einen weiten Entscheidungsspielraum für die tatsächliche Ausübung der Grundfähigkeiten garantiert wissen will, und einer bestimmten, inhaltsreicheren Konzeption, die sich am tatsächlichen Funktionieren (»true human functioning«) orientiert. (2)(3)(4)



1. Dieter Sturma, »Universalismus und Neoaristotelismus. Amartya Sen und Martha C. Nussbaum über Ethik und soziale Gerechtigkeit«, in: Wolfgang Kersting (Hg.), Politische Philosophie des Sozialstaats, Weilerswist 2000, 257-292.
2. Anne Phillips »Feminism and Liberalism Revisited. Has Martha Nussbaum Got it Right?«, in: Constellations 8/2, 2001, 249-266.
3 . Nikita Dhawan »Zwischen Empire und Empower. Dekolonisierung und Demokratisierung«, in: Femina Politica 2, 2009, 52-63
4. Ian Carter, »Is the Capability Approach Paternalist?«, in: Economics and Philosophy 30/1, 2014, 75-98.



Sandra Seubert, „Martha C. Nussbaum, Women and Human Development (2000)“, in:Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Leben Nussbaum Mause I 200f
Leben/Sen/Nussbaum: was ein erfülltes Leben ist, wird vom „capability-Ansatz“ (Befähigungsansatz) von Martha Nussbaum und Amartya Sen untersucht. Siehe Leben/Nussbaum, Leben/Sen. NussbaumVsVerteilungsgerechtigkeit/SenVsVerteilungsgerechtigkeit: Mit seinem Fokus auf die praktische Lebensführung übt der Befähigungsansatz Kritik an den klassischen Gerechtigkeitstheorien, die nach der Verteilung von Rechten, Pflichten, Freiheiten, von finanziellen und materiellen Gütern fragen, dabei aber nicht problematisieren, ob und inwieweit Personen von diesen Rechten und finanziellen und materiellen Güter überhaupt Gebrauch machen können. Die Frage ist, ob Personen durch Bildung oder soziale Kompetenzen in der Lage ist, Güter und rechte überhaupt zu nutzen.
Ein gutes Leben wird nicht maßgeblich über finanzielle oder materielle Aspekte definiert. Es geht um gute und bedeutungsvolle Arbeit, Gesundheit, belastbare soziale Beziehungen oder Bildung. (1)
VsSen/VsNussbaum: der Ansatz von Nussbaum und Sen muss sich mit dem Vorwurf des Essentialismus und des Paternalismus auseinandersetzen. Die Verschiebung des Fokus auf ein gutes und erfülltes Leben birgt die Gefahr, in normative Präskription umzukippen.
Problem: die Vorstellung eines guten Lebens ist geprägt von einem bestimmten kulturabhängigen Modell, soll aber gleichzeitig überkulturell verbindlich gemacht werden. (2)(3)
SenVsVs/NussbaumVsVs: Vertreter des capability-Ansatzes halten dem entgegen, dass nicht die Funktionsweisen als solche das zu fördernde Gut sind, sondern die instrumentellen und konstitutiven Freiheiten, die die Wahlfreiheit hinsichtlich der Lebensform vergrößern. (4)


1. Martha Nussbaum, Gerechtigkeit oder Das gute Leben. Frankfurt a. M. 1999, S 200ff.
2. Christiane Scherer, Das menschliche und das gute menschliche Leben. Martha Nussbaum über Essentialismus und menschliche Fähigkeiten. Deutsche Zeitschrift für Philosophie 41, (5) 1993, S. 905-920.
3. Wolfgang Kersting, Gerechtigkeitstheorien. In Studienbuch Politikwissenschaft, Hrsg. Manfred G. Schmidt, Frieder Wolf und Stefan Wurster, Wiesbaden 2013 S. 131-159.
4. Otto, Hans-Uwe, und Holger Ziegler, Der Capabilities-Ansatz als neue Orientierung in der Erziehungswissenschaft. In Capabilities – Handlungsbefähigung und Verwirklichungschancen in der Erziehungswissenschaft, Hrsg. Hans-Uwe Otto und Holger Ziegler, Wiesbaden 2010, S. 9-13.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Leben Sen Mause I 200f
Leben/Sen/Nussbaum: was ein erfülltes Leben ist, wird vom „capability-Ansatz“ (Befähigungsansatz) von Martha Nussbaum und Amartya Sen untersucht. Siehe Leben/Nussbaum. NussbaumVsVerteilungsgerechtigkeit/SenVsVerteilungsgerechtigkeit: Mit seinem Fokus auf die praktische Lebensführung übt der Befähigungsansatz Kritik an den klassischen Gerechtigkeitstheorien, die nach der Verteilung von Rechten, Pflichten, Freiheiten, von finanziellen und materiellen Gütern fragen, dabei aber nicht problematisieren, ob und inwieweit Personen von diesen Rechten und finanziellen und materiellen Güter überhaupt Gebrauch machen können. Die Frage ist, ob Personen durch Bildung oder soziale Kompetenzen in der Lage ist, Güter und rechte überhaupt zu nutzen.
Ein gutes Leben wird nicht maßgeblich über finanzielle oder materielle Aspekte definiert. Es geht um gute und bedeutungsvolle Arbeit, Gesundheit, belastbare soziale Beziehungen oder Bildung. (1)
VsSen/VsNussbaum: der Ansatz von Nussbaum und Sen muss sich mit dem Vorwurf des Essentialismus und des Paternalismus auseinandersetzen. Die Verschiebung des Fokus auf ein gutes und erfülltes Leben birgt die Gefahr, in normative Präskription umzukippen.
Problem: die Vorstellung eines guten Lebens ist geprägt von einem bestimmten kulturabhängigen Modell, soll aber gleichzeitig überkulturell verbindlich gemacht werden. (2)(3)
SenVsVs/NussbaumVsVs: Vertreter des capability-Ansatzes halten dem entgegen, dass nicht die Funktionsweisen als solche das zu fördernde Gut sind, sondern die instrumentellen und konstitutiven Freiheiten, die die Wahlfreiheit hinsichtlich der Lebensform vergrößern. (4)


1. Martha Nussbaum, Gerechtigkeit oder Das gute Leben. Frankfurt a. M. 1999, S 200ff.
2. Christiane Scherer, Das menschliche und das gute menschliche Leben. Martha Nussbaum über Essentialismus und menschliche Fähigkeiten. Deutsche Zeitschrift für Philosophie 41, (5) 1993, S. 905-920.
3. Wolfgang Kersting, Gerechtigkeitstheorien. In Studienbuch Politikwissenschaft, Hrsg. Manfred G. Schmidt, Frieder Wolf und Stefan Wurster, Wiesbaden 2013 S. 131-159.
4. Otto, Hans-Uwe, und Holger Ziegler, Der Capabilities-Ansatz als neue Orientierung in der Erziehungswissenschaft. In Capabilities – Handlungsbefähigung und Verwirklichungschancen in der Erziehungswissenschaft, Hrsg. Hans-Uwe Otto und Holger Ziegler, Wiesbaden 2010, S. 9-13.

EconSen I
Amartya Sen
Collective Choice and Social Welfare: Expanded Edition London 2017

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Paternalismus Nussbaum Brocker I 909
Paternalismus/VsNussbaum/Nussbaum: Aus feministischer Perspektive, aber auch im Kontext von Entwicklungszusammenarbeit wird ein paternalistisches, autoritäres Potential ihrer Theorie kritisiert (Phillips 2001(1); Dhawan 2009(2); Carter 2014(3)). Dabei geht es vor allem um eine implizite Spannung zwischen einer vagen Theorie des Guten, die einen weiten Entscheidungsspielraum für die tatsächliche Ausübung der Grundfähigkeiten garantiert wissen will, und einer bestimmten, inhaltsreicheren Konzeption, die sich am tatsächlichen Funktionieren (»true human functioning«) orientiert.


1. Anne Phillips »Feminism and Liberalism Revisited. Has Martha Nussbaum Got it Right?«, in: Constellations 8/2, 2001, 249-266.
2. Nikita Dhawan »Zwischen Empire und Empower. Dekolonisierung und Demokratisierung«, in: Femina Politica 2, 2009, 52-63
3. Ian Carter, »Is the Capability Approach Paternalist?«, in: Economics and Philosophy 30/1, 2014, 75-98.



Sandra Seubert, „Martha C. Nussbaum, Women and Human Development (2000)“, in:Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018

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Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Moral Nussbaum, M. Seel III 112/113
Nussbaum, Martha: (Chicago) NussbaumVsWilliams: falsches Bild moralischer Theorie, Unterschätzung ihres Nutzens. Sie entwickelt allgemeine Hinsichten der moralischen Beurteilung, die eine sensible Anwendung moralischer Regeln zu leiten vermögen: "Die Durchschnittspraxis auf ein höheres Niveau zu heben".
These: Unser Alltagsleben steckt bereits voller Theorien über das Gute. Ihre Qualität ist aber häufig dubios. Einige handeln von der Minderwertigkeit von Frauen und Schwarzen.
III 113
Moral/Ethik/Nussbaum/SeelVsNussbaum: sie macht einem die Zustimmung schwer, weil sie ihrer eigenen liberalen Moraltheorie widerspricht. - Sie spielt sich als Gouvernante auf: Kinder sollte mehr gute und weniger schlechte Gedanken hegen. - Seel: stattdessen geht es um reflektierte moralische Praxis.
III 114
Viele konkrete Antworten müssen der moralischen Praxis - und ihrer Reflexion - überlassen bleiben, wie die Aristotelikerin Nussbaum eigentlich wissen sollte. Ihre Rolle als Erzieherin der Menschheit ist moralischer Kitsch.

Seel I
M. Seel
Die Kunst der Entzweiung Frankfurt 1997

Seel II
M. Seel
Ästhetik des Erscheinens München 2000

Seel III
M. Seel
Vom Handwerk der Philosophie München 2001