Lexikon der Argumente


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Differenzprinzip Rawls I 75
Differenzprinzip/Theorie der Gerechtigkeit als Fairness/Rawls: das Differenzprinzip beseitigt die Unbestimmtheit des Effizienzprinzips (>Effizienz/Rawls, >Pareto-Optimum/Rawls), indem es eine Position bestimmt, von der aus die sozialen und ökonomischen Ungleichheiten der Grundstruktur ((s) einer zu errichtenden Gesellschaft) beurteilt werden können. Setzt man den institutionellen Rahmen Liberaler Gleichheit (siehe Gleichheit/Rawls) und fairer Chancengleichheit voraus, dann sind die Erwartungen der Bessergestellten gerecht dann und nur dann, wenn sie Teil eines Schemas sind, dass die Erwartungen der am stärksten benachteiligten Mitglieder verbessert.
I 76
Das Differenzprinzip besagt, dass eine Gleichverteilung von Gütern zu bevorzugen ist, solange eine andersartige Verteilung nicht beide Seiten (Besser- und Schlechtergestellte) zugleich begünstigt.
I 77
RawlsVsUtilitarismus: Der klassische Utilitarismus ist indifferent in Bezug darauf, wie eine konstante Summe von Nutzen verteilt wird. Er appelliert nur bis zu einer bestimmten Schwelle an Gleichheit.
I 78
Differenzprinzip/Sonderfälle/Rawls: 1. Sonderfall: Wenn die Erwartung der am schlechtesten gestellten Person nicht verbessert werden können, kann keine Veränderung der Einkommenssituation einer bessergestellten Person eine Verbesserung für die schlechter gestellte Person bewirken. 2. Sonderfall: tritt ein, wenn die Erwartungen aller Bessergestellten zumindest zum Wohlstand der Schlechtergestellten beitragen. Das heißt, wenn ihre Erwartungen fallen, fallen auch die der schlechter Gestellten. Dennoch ist das Maximum noch nicht erreicht.
I 79
Ungerechtigkeit/Rawls: wie ungerecht ein (Verteilungs-) Schema ist, hängt davon ab, wie exzessiv die Erwartungen der Bessergestellten sind und inwieweit sie von Verletzungen der anderen Prinzipien der Gerechtigkeit und der fairen Chancengleichheit abhängig sind. Differenzprinzip/Rawls: ist ein Maximierungsprinzip. Wir müssen die Fälle, wo es funktioniert streng von den Fällen unterscheiden, wo dies nicht der Fall ist (s.o. Sonderfälle 1 und 2).
Das Differenzprinzip ist mit dem Effizienzprinzip vereinbar.
Demokratie/Rawls: eine demokratische Verfassung ist nicht konsistent mit dem Effizienzprinzip allein, wenn es so aufgefasst wird, dass nur Veränderungen erlaubt sind, die die Situation aller Menschen verbessert wird. Grund: Gerechtigkeit
I 80
erfordert einige Veränderungen, die in diesem Sinn nicht effizient sind. Differenzprinzip/Gerechtigkeit: da die Verteilung in einem Ausgangszustand niemals exakt zu bestimmen ist, spielt diese auch keine entscheidende Rolle, wenn das Differenzprinzip angewendet wird.
Kettenverbindung/Wohlstand/Gesellschaft/Rawls: wir nehmen eine Kettenverbindung an, d.h. wenn die Erwartung der am schlechtesten Gestellen durch eine Maßnahme angehoben werden, dann wird dies auch für alle Positionen gelten, die zwischen diesen und den am besten Gestellten Personen liegen. Sollte es jedoch Bruchstellen geben, so haben diejenigen, die sich an einer solchen Position befinden, kein Vetorecht gegen die Verbesserungen für die Schlechtergestellten.
I 82
Differenzprinzip/Rawls: ist nicht abhängig von kontingenten tatsächlichen Abweichungen von der Kettenverbindung, die sowieso selten perfekt funktioniert. Problem: wir nehmen Engmaschigkeit (close-kitness) der Kettenverbindung an, aber in vielen Fällen mag eine Verbesserung der Bessergestellten gar keine Auswirkung auf die Situation der Schlechtergestellten haben. Weitere Einträge zu >Differenzprinzip.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Generationengerechtigkeit Rawls I 128
Generationengerechtigkeit/Rawls: es ist die Frage, ob die Personen in einem angenommenen Anfangszustand einer zu errichtenden Gesellschaft Pflichten und Verpflichtungen gegenüber Dritten, insbesondere ihrer direkten Nachkommen haben. Das Prinzip der Gerechtigkeit als Fairness möchte seine Prinzipien aber nicht aus solchen Erwägungen ableiten. Dennoch nehme ich an, dass die Personen zwar nicht ihre eigene Lebensspanne in Kontinuität berücksichtigen, aber dennoch wird sich ihr Goodwill über wenigstens zwei Generationen erstrecken.
I 208
Generationengerechtigkeit/Rawls: da die Mitglieder der Gesellschaft ein Interesse haben, ihren Abkömmlingen gleiche Freiheitsrechte zu sichern, gibt es keinen Konflikt über die Wahl des Prinzips gleicher Freiheiten. Ein Sohn könnte z.B. nicht argumentieren, dass der Vater seine Interessen vernachlässigte, würde er das Prinzip gleicher Freiheiten akzeptieren. Der Vater müsste bei einer Abweichung davon zuungunsten anderer argumentieren, dass diese anderen Vorteile entstünden, wenn sie erwachsen werden.
I 284
Generationengerechtigkeit/Rawls: diese Frage fordert jede ethische Theorie heraus. Sie hängt davon ab, wie die sozialen Mindeststandards definiert werden.
I 286
Soziale Mindeststandards/Rawls: hier gibt es zwei Probleme: a) es kann nicht genug angespart werden oder b) die Besteuerung greift bei einer Anhebung des Minimums zu stark. Dann beginnt die Situation der am schlechtesten Gestellten, sich zu verschlechtern. Die Frage der Sparrate ist oft diskutiert worden: (Siehe A. K. Sen „On Optimizing the Rate of Saving“, Economic Journal, vol 71, 1961; James Tobin, National Economic Policiy, New Haven, 1966, ch. IX; R.M. Solow, Growth Theory, New York, 1970, ch. V; Frank P Ramsey, „A Mathematical Theory of Saving“, Economic Journal, vol. 38, 1928., Nachdruck in Arrow and Scitovsky, Readings in Welfare Economics; T.C. Koomans, „On the Concept of Optimal Economic Growth“, (1965) in Scientific Papers of T. C. Kopmans, Berlin, 1970.)
I 287
Generationengerechtigkeit/Rawls: Die Schlussfolgerung ist, dass die größeren Vorteile künftiger Generationen hinreichend groß sein werden, um die gegenwärtigen Opfer zu kompensieren. Das kann allein deshalb schon wahr sein, weil spätere Generationen bessere Technologie zur Verfügung haben. RawlsVsUtilitarismus: dieser zwingt uns dazu, den Ärmeren größere Opfer aufzuerlegen für die Späteren, denen es vielleicht schon aufgrund anderer Umstände besser gehen wird.
Das gegenseitige Aufrechnen macht aber zwischen Generationen nicht so viel Sinn wie zwischen Zeitgenossen.
Vertragstheorie/Vertragsdoktrin/Rawls: diese betrachtet das Problem aus Sicht der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft. Hier wissen die Beteiligten nicht, zu welcher Generation sie gehören, wenn sie sich für die Gesellschaftsform und ihre Ausgestaltung entscheiden sollen. Nun sollen sie sich fragen, wieviel sie bereit sind, anzusparen, wenn alle anderen dasselbe tun. Dadurch sollen sie ein Prinzip des gerechten Sparens aufstellen, dass für alle gilt.
I 288
Einzig die Angehörigen der allerersten Generation profitieren nicht davon, aber niemand weiß, zu welcher Generation er gehört.
I 289
Das Prinzip des gerechten Sparens zwingt aber nicht dazu, auf ewig weiter zu sparen. Details sind zu späteren Zeitpunkten zu klären. Jede Generation hat ihre eigenen, angemessenen Ziele. Generationen sind einander ebenso wenig unterworfen wie Individuen es sind. Keine Generation hat besondere Ansprüche.
I 290
Sparen/Sparrate/Wohlstand/Rawls: das letzte Stadium muss keines des Überflusses sein. Das Prinzip der Gerechtigkeit fordert nicht frühere Generationen zu sparen, damit spätere mehr haben. Vielmehr geht es beim Sparen um die Ermöglichung einer besseren Ausprägung einer gerechten Gesellschaft und gleicher Freiheiten. Wenn mehr angespart wird, ist es für andere Zwecke. Es wäre ein Missverständnis zu denken, die Verwirklichung einer guten und gerechten Gesellschaft müsse warten bis ein hoher Lebensstandard erreicht ist.
I 291
Generationengerechtigkeit/Alexander Herzen/Rawls: Herzen These: die menschliche Entwicklung ist eine Art chronologischer Unfairness, denn die Späteren profitieren von der Arbeit der Früheren, ohne denselben Preis zu zahlen. (Zitat aus Isaiah Berlin’s Einführung zu Franco Venturi, Roots of Revolution, New York, 1960 p. xx.) Generationengerechtigkeit/Kant: dieser sah es als befremdlich an, dass frühere Generationen ihre Last lediglich zugunsten der späteren tragen und das diese als einzige das Glück haben werden, in einem vollendeten Gebäude wohnen zu dürfen. (Kant „Idea for a Universal History with a Cosmopolitan Purpose“, Zitiert aus Hans Reiss (ed.) Kant, Political Writings, Cambridge, 1970, p. 44.)

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Gerechtigkeit Rawls I 3
Gerechtigkeit/Rawls: ist die erste Tugend sozialer Institutionen, wie Wahrheit dies für Gedankensysteme ist.
So wie eine unwahre Theorie zurückgewiesen oder revidiert werden muss, müssen Gesetze und Institutionen reformiert oder abgeschafft werden, wenn sie ungerecht sind. Jede Person besitzt eine Unverletzlichkeit, die auf Gerechtigkeit gründet, die nicht einmal durch das Wohlergehen einer Gesellschaft als Ganzes außer Kraft gesetzt werden kann. Daher kann ein Verlust der Freiheit einiger nicht durch ein größeres Gut außer Kragt gesetzt werden, das mehreren zuteilwird. (RawlsVsUtilitarismus, RawlsVsSinger, Peter)
I 4
Die Rechte, die durch Gerechtigkeit verbürgt sind, sind kein Gegenstand politischen Aushandelns oder soziale Interessen. So wie das Akzeptieren einer fehlerhaften Theorie nur durch die Abwesenheit einer besseren Theorie gerechtfertigt ist, so ist Ungerechtigkeit nur tolerierbar, wenn das notwendig ist, um größeres Unrecht zu vermeiden. Um zu untersuchen, ob diese allzu starken Behauptungen gerechtfertigt sind, müssen wir eine Theorie der Gerechtigkeit entwickeln.
I 5
Gerechtigkeit/Gesellschaft/Rawls: auch wenn die Menschen uneins sind darüber, welche Prinzipien zu akzeptieren sind, nehmen wir dennoch an, dass sie jeder eine Vorstellung von Gerechtigkeit haben. Das heißt, sie verstehen, dass solche Prinzipien nötig sind, um grundlegende Rechte und Pflichten zu bestimmen und ihre Verteilung zu überwachen. Daher scheint es vernünftig, einen Begriff der Gerechtigkeit verschiedenen Vorstellungen von Gerechtigkeit gegenüberzustellen.
I 6
Gerechtigkeit/Rawls: kann nicht bei Verteilungsgerechtigkeit stehen bleiben. Sie muss zu eine m Merkmal sozialer Institutionen werden.
I 54/55
Gerechtigkeit/Prinzipien/Rawls: die Prinzipien der Gerechtigkeit unterscheiden sich stark, je nachdem sie für Individuen oder für Institutionen gelten sollen.
I 237
Natural justice/Rawls: Die Grundsätze des Naturrechts sollen die Integrität des Rechtsverfahrens sicherstellen. (Siehe L. A. Hart, The Concept of Law, Oxford, 1961, pp. 156, 202.)
I 310
Gerechtigkeit/Idealisierung/RawlsVsLeibniz/RalwsVsRoss, W.D./Rawls: man sollte Gerechtigkeit nicht mit einem „idealen Glück“ gleichsetzen oder definieren zu versuchen. (Vgl: W.D. Ross, The Right and the Good (Oxford, 1930, pp.21, 26-28, 57f; Leibniz, „On the Ultimate Origin of Things“ (1697) ed. P.P. Wiener (New York, 1951), p. 353.) Die Theorie der Gerechtigkeit als Fairness weist solche Vorstellungen zurück. Ein solches Prinzip würde in der Anfangssituation nicht gewählt. Dort könnte man solche Kriterien gar nicht definieren.
I 311
Wozu Menschen berechtigt sind, bemisst sich nicht aus einem intrinsischen Wert. Der moralische Wert hängt nicht von Angebot und Nachfrage ab. Wenn bestimmte Leistungen nicht mehr nachgefragt werden, nimmt der moralische Verdienst nicht gleichermaßen ab.
I 312
Der Begriff des moralischen Werts liefert kein erstes Prinzip der Verteilungsgerechtigkeit. Der Moralische Wert kann definiert werden als ein Sinn für Gerechtigkeit, wenn die Prinzipien der Gerechtigkeit verfügbar sind.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Interesse Habermas III 244
Interesse/Habermas: Nur Werte, die abstrahiert und zu Grundsätzen generalisiert als formale Prinzipien verinnerlicht und prozedural angewendet werden können, können Situationen übergreifen und im Extremfall alle Lebensbereiche systematisch durchdringen. In diesem Zusammenhang ist die Unterscheidung zwischen Interessen und Werten relevant. Interessenlagen wechseln, während generalisierte Werte stets für mehr als nur einen Situationstyp gelten. HabermasVsUtilitarismus: Dieser Unterschied zwischen Werten und Interessen wurde im Neukantianismus herausgearbeitet. Der Utilitarismus trägt ihm nicht Rechnung. Er macht den vergeblichen Versuch, Interessenorientierungen in ethische Grundsätze umzudeuten, Zweckrationalität selber zu einem Wert zu hypostasieren. Auch Max WeberVsUtilitarismus.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Moral Rawls I 190
Moral/Urteil/Gerechtigkeit/Gesellschaft/Rawls: moralische Urteile brauchen Unparteilichkeit. Diese ist aber auch auf anderem Weg zu erreichen, als dass man wechselseitiges Desinteresse an den Zielen der anderen annimmt. Lösung: Gerechtigkeit als Fairness nimmt an, dass eine unparteiische Person eine solche ist, die in Übereinstimmung mit den Prinzipien der Gerechtigkeit urteilt. (Siehe Prinzipien:

I 61
Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: 1. Jede Person muss das gleiche Recht auf weitest gehende grundlegende Freiheit haben, soweit sie mit gleicher Freiheit für andere kompatibel ist.
2. Soziale und ökonomische Ungleichheiten sind so zu arrangieren, dass sie
a) vernünftig erwartbar zu jedermanns Vorteil sind und
b) mit Positionen und Verwaltungsvorgängen verknüpft sind, die von jedermann inne gehabt werden können.)

I 190
Lösung: wir müssen Unparteilichkeit dann nicht aus Sicht eines idealen Beobachters definieren, sondern können dies aus Sicht der Teilnehmer tun. Sie sind es, die sich diese Prinzipien in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft selbst geben müssen. RawlsVsUtilitarismus: dieser verwechselt Unparteilichkeit mit Unpersönlichkeit.
I 311
Moral/Rawls: Wozu Menschen berechtigt sind, bemisst sich nicht aus einem intrinsischen Wert. Der moralische Wert hängt nicht von Angebot und Nachfrage ab. Wenn bestimmte Leistungen nicht mehr nachgefragt werden, nimmt der moralische Verdienst nicht gleichermaßen ab.
I 312
Der Begriff des moralischen Werts liefert kein erstes Prinzip der Verteilungsgerechtigkeit. Der Moralische Wert kann definiert werden als ein Sinn für Gerechtigkeit, wenn die Prinzipien der Gerechtigkeit verfügbar sind.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Naturzustand Dworkin Brocker I 602
Naturzustand/Dworkin: Der Witz der Wahl eines Vertragsmodells sei, dass es jeden möglichen Beteiligten mit einem Vetorecht ausstatte (1): Jeder Einzelne müsse den vorgeschlagenen Grundsätzen der Gerechtigkeit zustimmen können, damit sie für alle gemeinsam gelten. Der Urzustand ist damit von vornherein zugeschnitten auf die distributive Idee individueller Rechte. Er soll eine rein aggregative Gerechtigkeitsvorstellung ausschließen. ((s) aggregativ: „sich aufsummierend“: entspricht der utilitaristischen Auffassung, dass ein maximaler Gesamtnutzen resultieren muss – dagegen: distributiv: auf Individuen bezogen und von Individuen ausgehend: hier wird nichts „summiert“.) Siehe DworkinVsUtilitarismus, Siehe Recht/Dworkin, Bürgerrechte/Dworkin.


1. Ronald Dworkin, Taking Rights Seriously, Cambridge, Mass. 1977 (erw. Ausgabe 1978). Dt.: Ronald Dworkin, Bürgerrechte ernstgenommen, Frankfurt/M. 1990, S. 288.


Bernd Ladwig, „Ronald Dworkin, Bürgerrechte ernstgenommen“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Dworkin I
Ronald Dworkin
Taking Rights Seriously Cambridge, MA 1978

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Politische Ökonomie Rawls I 259
Politische Ökonomie/Rawls: darunter verstehe ich ökonomische Arrangements und politische Gestaltungen sowie die Hintergrundinstitutionen, die damit im Zusammenhang stehen. Wohlfahrtsökonomik/Wohlfahrtsökonomie/welfare economics/K. J. Arrow/Rawls:
Definiert Wohlfahrtsökonomie ähnlich. (Siehe K.J. Arrow and Tibor Scitovsky, Readings in Welfare, Homewood, 1969, p. 1.; A. Bergson, Essays in Normative Economics, Cambridge, MA, 1966, pp 35-39, 60-63, 68f; Amartya Sen, Collective Choice and Social Welfare, San Francisco, 1970, pp.56-59.)
Wohlfahrt/Rawls: diesen Ausdruck gebrauche ich nicht, weil er an den Utilitarismus erinnert. (RawlsVsUtilitarismus).
Die Theorie der Gerechtigkeit als Fairness behandelt soziale Formen als geschlossene Systeme. Ein ökonomisches System wird auch von existierenden Bedürfnissen und Notwendigkeiten geformt. Die jetzige Zusammenarbeit von Menschen bei der Befriedigung dieser Bedürfnisse beeinflusst die Weise, wie die Bedürfnisse in der Zukunft aussehen werden. Diese Dinge sind bekannt und werden von so unterschiedlichen Autoren wie Marx und Marshall geteilt. (Siehe Brian Barry, Political Argument, London, 1965).
I 260
Gesellschaftsordnung/Rawls: Problem: wie wirkt sich diese wechselseitige Beeinflussung von Bedürfnissen, Befriedigung und neuen Bedürfnissen in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft, wo die Menschen hinter einem Schleier des Nichtwissens in Bezug auf ihre spätere Position stehen, auf die mögliche Gestaltung aus? Lösung: es werden nur die allgemeinsten Annahmen über primäre öffentliche Güter (z.B. Freiheiten) gemacht.
I 263
Ökonomie/Uneinigkeit/RawlsVsArrow, K. J/Rawls: anders als K. J. Arrow in (K.J., Arrow, Social Choice and Individual Values 2nd. Ed. New York, 1963, pp.74f, 81-86.) annimmt, ist Uneinigkeit zwischen Parteien kein besonderes Merkmal des Idealismus. Innerhalb der Vertragstheorie ist sie Teil der Anfangssituation einer zu errichten Gesellschaft. Sie formt den Inhalt der Theorie der Gerechtigkeit als Fairness. Diese versucht, Kants Begriff des Reichs der Zwecke mit dem der Autonomie und dem Kategorischen Imperativ zu verbinden. Damit können wir metaphysische Annahmen vermeiden.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Prinzipien Dworkin Brocker I 596
Prinzipien/Dworkin: Regeln sind entweder gültig oder nicht gültig – dagegen können Prinzipien kollidieren, ohne dass darum wenigstens eines von ihnen ungültig sein müsste. Prinzipien/Dworkin: haben bestimmtes Gewicht und geben an, in welche Richtung Argumente weisen. (1)
Moralische Inhalte gelangen in Form von Prinzipien ins Recht. (2) Moralisch gehaltvolle Verfassungsbegriffe wie »Gleichheit« oder »Menschenwürde« sind indes allgemein und wesentlich umstritten. Wir verfügen nicht über einhellig akzeptierte Kriterien ihrer richtigen oder falschen Verwendung.
Brocker I 599/600
DworkinVsHart: während Hart auf der konventionellen Natur des Rechts beharrt (Siehe Recht/Hart) , beruft sich Dworkin auf Prinzipien. Siehe Rechtspositivismus/Dworkin HartVsDworkin: siehe Recht/Hart.
Brocker I 601
Prinzipien/Dworkin: Für Dworkin besteht ein enger Zusammenhang zwischen Prinzipien und Rechten: Aus Prinzipien gehen die gültigen Ansprüche von Individuen hervor (3). Sie begrenzen die Möglichkeit des Staates, im Namen kollektiver Zielsetzungen individuelle Interessen zu verletzen. Während kollektive Zielsetzungen aggregativ sind, sind Rechte distributiv: Sie schützen Einzelmenschen mit Bezug auf grundlegende und zentrale Interessen.
Brocker I 595
Utilitarismus/Prinzipien/DworkinVsUtilitarismus/Dworkin: Prinzipienargumente bringen die moralischen Geltungsansprüche zum Ausdruck, die im Recht eine Rolle spielen. Aus ihnen
Brocker I 596
gehen individuelle Rechte hervor, die kollektive Zielsetzungen im Konfliktfall ausstechen; diese These weist auf Dworkins normative Auseinandersetzung mit dem Utilitarismus voraus. (4)

1. Ronald Dworkin, Taking Rights Seriously, Cambridge, Mass. 1977 (erw. Ausgabe 1978). Dt.: Ronald Dworkin, Bürgerrechte ernstgenommen, Frankfurt/M. 1990, S. 58-64
2. Ebenda S. 304
3. Ebenda S. 146
4. Ebenda S. 56f.

Bernd Ladwig, „Ronald Dworkin, Bürgerrechte ernstgenommen“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Dworkin I
Ronald Dworkin
Taking Rights Seriously Cambridge, MA 1978

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Prinzipien Rawls I 4
Prinzipien/Gesellschaft/Rawls: 1. Jeder akzeptiert und weiß, dass die anderen Mitglieder der Gesellschaft dieselben Prinzipien der Gerechtigkeit akzeptieren.
2. Die grundlegenden sozialen Institutionen erfüllen diese Prinzipien uim allgemeinen und sind bekannt dafür, dass sie dies tun.
I 7
Prinzipien/Rawls: wir sind hier nur an allgemeinen Prinzipien der Gerechtigkeit der Gesellschaft als ganzer, nicht an solchen für spezielle oder private Gemeinschaften oder für nationenübergreifende Institutionen interessiert.
I 10/11
Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: Prinzipien müssen am Anfang festgelegt werden. Unser Ausgangspunkt, die Situation der Gleichheit, der eine Wahl folgen soll, entspricht dem Naturzustand der traditionellen Theorien des Sozialvertrags, ist aber weder eine konkrete historische Situation noch eine primitive Kultur. Es ist eine rein hypothetische Situation, die zu einer bestimmten Verwirklichung von Gerechtigkeit führen soll.
I 41
Prinzipien/MillVsIntuitionismus/Mill/Rawls: Mill argumentierte, dass das Nützlichkeitsprinzip das einige oberste Prinzip sein könne, da es sonst keinen Schiedsrichter zwischen konkurrierenden Kriterien geben könne. (Mill, A System of Logic, bk VI, ch. XII, sec 7, und Utilitarianism, ch. V, paers.26-31). Prinzipien/Sidgwick: das Nützlichkeitsprinzip sei das einzige, das diese Rolle einnehmen kann. (Sidgwick, The Methods of Ethics, bk. IV chs. II und III).
Rawls: das ist, es, was die klassische Doktrin so attraktiv machte: dass sie das Problem der Prioritäten zu lösen versucht und den Intuitionismus vermeidet.
RawlsVsMill/RawlsVsSidgwick/RawlsVsUtilitarismus: wir müssen erkennen, dass es möglicherweise keinen Weg gibt, um die Pluralität der verschiedenen Prinzipien aufzulösen.
I 43
Prinzipien/Rawls: ich schlage vor, selbst bei der „lexikalischen Ordnung (dem stückweise Abarbeiten von Prinzipien nach einer äußerlichen Ordnung) das Prinzip der gleichen Verteilung von Rechten vorrangig vor dem Regeln von wirtschaftlichen oder sozialen Ungleichheiten zu behandeln.
I 61
Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: vorläufige Formulierung: 1. Jede Person muss das gleiche Recht auf weitest gehende grundlegende Freiheit haben, soweit sie mit gleicher Freiheit für andere kompatibel ist.
2. Soziale und ökonomische Ungleichheiten sind so zu arrangieren, dass sie
a) vernünftig erwartbar zu jedermanns Vorteil sind und
b) mit Positionen und Verwaltungsvorgängen verknüpft sind, die von jedermann inne gehabt werden können.
Zeitlich werden die beiden Prinzipien nacheinander angewendet. Das bedeutet, dass ein Aufgeben des ersten Prinzips nicht durch größere soziale oder wirtschaftliche Vorteile aufgewogen werden kann.
I 62
Abweichungen von einer Gleichverteilung von sozialen Rechten oder wirtschaftlichen Vorteilen kann nur dadurch gerechtfertigt werden, dass dies für jedermann von Vorteil ist. ((s) Das ist eine Anlehnung an den Utilitarismus).
I 63
Die zeitliche Reihenfolge der Befolgung schließt auch aus, dass grundlegende Freiheiten gegen wirtschaftliche Vorteile eingetauscht werden können.
I 64
Ebenso bedeutet die zeitliche Reihenfolge der Prinzipien, dass von Personen immer nur in Form von Inhabern sozialer Rollen die Rede sein kann.
I 83
Prinzipien/Rawls: Neuformulierung des Zweiten Prinzips: Soziale und ökonomische Ungleichheit sind so zu arrangieren, dass sie a) den größten Nutzen für die am schlechtesten Gestellten und b) mit Verwaltungseinrichtungen und Positionen darin verknüpft sind, die allen unter Bedingungen einer fairen Chancengleichheit offen sind.
I 89
Ich gehe davon aus, dass die beiden Teile des Prinzips lexikalisch geordnet sind.
I 116
Prinzipien/Rawls: es ist nichts Inkonsistentes daran, dass Gerechtigkeit als Fairness unbedingte Prinzipien ermöglicht. Es genügt zu zeigen, dass die Parteien in der Ausgangssituation (einer zu errichtenden Gesellschaft) Prinzipien zustimmen, die die natürlichen Pflichten definieren, die dann unbedingt gelten. ((s)VsRawls: Widerspruch: Rawls sagt selbst, dass die natürlichen Pflichten Bsp nicht grausam zu sein, nicht Gegenstand von Vereinbarungen sind. (Siehe Rawls I 114).
I 250
Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: Neuformulierung im Lichte der Berücksichtigung kontingenter individueller und historischer Ungleichheiten: Erstes Prinzip: Jede Person muss ein gleiches Recht auf das umfassendste System gleicher Grundrechte haben, dass mit einem gleichen System von Freiheit für alle kompatibel ist.
Prioritätsregel: die Prinzipien der Gerechtigkeit sind in lexikalischer Ordnung aufgebaut und daher kann Freiheit nur zum Wohl der Freiheit eingeschränkt werden. Hier gibt es zwei Fälle: a) eine weniger umfassende Freiheit muss die Freiheit des Gesamtsystem der Freiheit, das von allen geteilt wird, vergrößern, b) eine eingeschränkte Freiheit, muss für diejenigen akzeptierbar sein, die davon betroffen sind.
I 253
Prinzipien/Kategorischer Imperativ/Kant/Rawls: diese Prinzipien sind im Sinn von Kant ebenfalls Kategorische Imperative. Sie setzen keine bestimmten gesellschaftlichen Verhältnisse und keine individuellen Ziele voraus. Es wird nur ein Interesse an primären öffentlichen Gütern (z.B. Freiheit) vorausgesetzt. Die Präferenz für diese wiederum ist von allgemeinsten Annahmen über Rationalität und den Bedingungen des menschlichen Lebens hergeleitet.
I 302
Prinzipien/Rawls: endgültige Fassung für Institutionen/Rawls: die beiden Prinzipien der Gerechtigkeit (s.o.) plus Prioritätsregeln: 1. Prioritätsregel: die Prinzipien der Gerechtigkeit müssen in lexikalischer Reihenfolge abgearbeitet werden, sodass Freiheit nur zugunsten größerer Freiheit eingeschränkt werden darf. Zwei Fälle sind möglich: a) Eine eingeschränkte Freiheit muss das Gesamtsystem der Freiheiten stärken, die allen zugutekommen. b) Eine nicht gleiche Freiheit muss von denen akzeptiert werden können, die weniger Freiheiten genießen.
2. Prioritätsregel: (Gerechtigkeit geht vor Effizienz und Wohlstand): Das zweite Gerechtigkeitsprinzip ist lexikalisch vorrangig vor dem Prinzip der Effizienz und dem der Maximierung von Vorteilen,
I 303
Faire Chancengleichheit ist vorrangig gegenüber dem Differenzprinzip. Zwei Fälle sind möglich: a) Chancenungleichheit muss die Chancen der Benachteiligten vergrößern. b) Eine extreme Sparrate muss die Lasten der Betroffenen mindern. Allgemeine Konzeption: alle primären sozialen Güter (Freiheiten, Rechte, Einkommen, Wohlstand, die Voraussetzungen für Selbstachtung usw.) sind gleich zu verteilen, außer wenn eine ungleiche Verteilung einiger oder aller dieser Güter zum Vorteil der am wenigsten Begünstigen ist.
I 446
Prinzipien/Rawls: während die Prinzipien der Gerechtigkeit die sind, die in der Ausgangsposition gewählt werden, werden die Prinzipien der Rationalen Entscheidung oder der Rationalität gar nicht gewählt. Das führt zu der Unterscheidung zwischen dem Richtigen und dem Guten.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Rechte Utilitarismus Brocker I 601
Rechte/Utilitarismus: für den Utilitarismus ist die Maximierung des Gesamtwohls die zentrale Zielsetzung. Auch Rechte können, etwa in Gestalt von Eigentumsgarantien, dem Gesamtwohl zugute kommen. Dabei kann niemals ausgeschlossen werden, das eine Opferung grundlegender individueller Interessen Einzelner oder von Gruppen, den Gesamtnutzen vergrößern könnte. DworkinVsUtilitarismus: Rechte schützen immer das Individuum mit Bezug auf grundlegende und zentrale Interessen.(1)


1.Vgl. Ronald Dworkin, Taking Rights Seriously, Cambridge, Mass. 1977 (erw. Ausgabe 1978). Dt.: Ronald Dworkin, Bürgerrechte ernstgenommen, Frankfurt/M. 1990,


Bernd Ladwig, „Ronald Dworkin, Bürgerrechte ernstgenommen“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Rechtspositivismus Dworkin Brocker I 594
Rechtspositivismus/DworkinVsRechtspositivismus/DworkinVsUtilitarismus/Dworkin: [Rechts-]Positivisten und Utilitaristen eint die Gegnerschaft zur Idee natürlicher, dem Staat moralisch vorgegebener Rechte. Positivisten verwerfen sie, weil sie alle normativen Tatsachen des Rechts auf soziale Tatsachen wie Gesetzgebung und richterliche Rechtsfortbildung zurückführen. Utilitaristen verneinen sie, weil ihr letzter Bewertungsmaßstab der soziale (Gesamt-)Nutzen ist. Gegen beide Sichtweisen will Dworkin eine rechtebasierte Theorie verteidigen, auf die darum sein Buchtitel verweist.
Brocker I 596
Rechtspositivismus/DworkinVsPositivismus/DworkinVsHart, L. H. A.: Dworkin lehnt ein Regelsystem wie das von Hart ab: siehe Regeln/Hart, Recht/Hart: stattdessen muss man zwischen Recht und Prinzipien unterscheiden. ((s) Damit ist Dworkin von Kant beeinflusst). Regeln sind entweder gültig oder nicht gültig – dagegen können Prinzipien kollidieren, ohne dass darum wenigstens eines von ihnen ungültig sein müsste. Prinzipien/Dworkin: haben bestimmtes Gewicht und geben an, in welche Richtung Argumente weisen. (1)
Brocker I 599
DworkinVsPositivismus: es ist keine Beschreibung des Rechts möglich, die nicht auch wertende Urteile einschließt. Zur Illustration führt Dworkin die Figur des begabten Richter Herkules ein, der alle wichtigen institutionellen Tatsachen des Rechts und seiner Geschichte kennt, sowie alle Prinzipien und Ziele. Das erlaubt ihm eine zutreffende Bewertung des Rechts in einem Gesamtzusammenhang. Rechtfertigung/Dworkin: These: die Rechtfertigung des Rechts in eine Frage der besten verfügbaren Argumente, sie ist substantieller Natur. Dworkin sieht daher kein Problem darin, dass sein idealer Richter ein vereinzelter Heroe ist, der das Recht scheinbar monologisch auslegt.
VsDworkin: siehe Michelman 1986 (2), 76; Habermas 1994 (3).
Rechtsprechung/Dworkin: Verantwortungsbewusste Richter, so Dworkin, erliegen nicht der Versuchung, Gründe und Gesichtspunkte außerhalb des Rechts zu suchen, nur weil bislang kein Artikel der Verfassung, kein Gesetzestext und kein explizites Urteil über einen schwierigen Fall autoritativ Auskunft geben.
Brocker I 600
RechspositivismusVsDworkin: ein Positivist könnte argumentieren, Dworkin wolle nur die amerikanische Rechtsordnung in einem möglichst positiven Licht erscheinen lassen, sein Ansatz sei aber ungeeignet, allgemeine Einschätzungen von Rechtssystemen zu geben, wie z. B: dem Rechtssystem des heutigen Iran. Dworkins Ansatz sei deswegen ungeeignet, weil er bereits voraussetze, dass eine Rechtsordnung vernunftrechtliche Gehalte wie die Idee individueller Rechte
Brocker I 601
gegen den Staat verkörpert. Das sei aber kein begriffliches Merkmal des Rechts, sondern eine fragile und faktisch nicht allgemein anerkannte Errungenschaft der Rechtsgeschichte.

1. Ronald Dworkin, Taking Rights Seriously, Cambridge, Mass. 1977 (erw. Ausgabe 1978). Dt.: Ronald Dworkin, Bürgerrechte ernstgenommen, Frankfurt/M. 1990, S. 58-64
2. Michelman, Frank I., »The Supreme Court 1985 Term – Foreword. Traces of Self-Government«, in: Harvard Law Review 100/1, 1986, 4-77.
3. Habermas, Jürgen, Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaats, Frankfurt/M. 1994, S. 272-276.


Bernd Ladwig, „Ronald Dworkin, Bürgerrechte ernstgenommen“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Dworkin I
Ronald Dworkin
Taking Rights Seriously Cambridge, MA 1978

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Sinn Spengler Brocker I 126
Sinn/Geschichte/Spengler: Spenglers „Philosophie der Politik“ ist gekennzeichnet durch die konsequente Verneinung einer letzten wirklichen Sinnhaftigkeit historischen – und damit auch politischen – Geschehens: »Das Leben hat kein ›Ziel‹. Die Menschheit hat kein ›Ziel‹. Das Dasein der Welt, in welcher wir auf unserm kleinen Gestirn eine kleine Episode abspinnen, ist etwas viel zu Erhabenes, als dass Erbärmlichkeiten wie ›das Glück der Meisten‹ Ziel und Zweck sein könnten. In der Zwecklosigkeit liegt die Größe des Schauspiels«. (1) (SpenglerVsUtilitarismus).

1. Oswald Spengler, Oswald, Preußentum und Sozialismus, München 1920 S. 80


Hans-Christof Klaus, Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes (1918/1922) in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018.

Spengler I
Oswald Spengler
Politische Schriften München 1932

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Teleologie Dworkin Brocker I 603
Ziele/Teleologie/Rechtsprechung/Gesetzgebung/Dworkin: Dworkin These: in der Rechtsprechung dürfen Ziele durchaus eine Rolle spielen, z.B. affirmative action (Quotenregelungen in den USA für Benachteiligte, insbesondere Afroamerikaner): Solche bis heute umstrittenen Maßnahmen der sollten von substantiell diskriminierenden, etwa rassistischen Regelungen unterschieden werden. Schließlich lägen ihnen keine Vorurteile gegen weiße Bewerber und keine Vorlieben für deren Benachteiligung zugrunde. Auch verletzten sie keine konstitutionellen Rechte: Niemand habe einen gültigen Anspruch auf eine Gesetzgebung, die etwa den Intelligenteren oder in Prüfungen Erfolgreicheren einen Hochschulzugang garantierte (1). Argumente der Zielsetzung durften darum schon immer eine Rolle spielen, wenn es um die Auswahlkriterien für Bildungsgänge oder berufliche Stellungen ging. Die Begründung für solche Maßnahmen müssten nicht einmal utilitaristisch sein (DworkinVsUtilitarismus). Man könnte ((s) stattdessen) auf das Ideal einer gerechteren Gesellschaft verweisen, die allen faire Chancen gibt und die Bedeutung des Faktors Hautfarbe langsam aber sicher verblassen lässt.


1. Ronald Dworkin, Taking Rights Seriously, Cambridge, Mass. 1977 (erw. Ausgabe 1978). Dt.: Ronald Dworkin, Bürgerrechte ernstgenommen, Frankfurt/M. 1990, S. 370f


Bernd Ladwig, „Ronald Dworkin, Bürgerrechte ernstgenommen“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Dworkin I
Ronald Dworkin
Taking Rights Seriously Cambridge, MA 1978

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Utilitarismus Dworkin Brocker I 601
Utilitarismus/Rechte/Dworkin:. für den Utilitarismus ist die Maximierung des Gesamtwohls die zentrale Zielsetzung. Auch Rechte können, etwa in Gestalt von Eigentumsgarantien, dem Gesamtwohl zugute kommen. Dabei kann niemals ausgeschlossen werden, dass eine Opferung grundlegender individueller Interessen Einzelner oder von Gruppen, den Gesamtnutzen vergrößern könnte. DworkinVsUtilitarismus: Rechte schützen immer das Individuum mit Bezug auf grundlegende und zentrale Interessen. Dworkin will nicht sagen, dass alle Rechte absolut gelten wie wohl das Folterverbot. Der grundlegende Punkt ist wiederum ein logischer: Rechte spielen nur dann eine eigene normative Rolle, wenn sie kollektive Ziele in Konfliktfällen ausstechen. Andernfalls könnte man sich für jede beliebige Rechtfertigung auch direkt auf die Zielsetzung beziehen (1).
Brocker I 604
DworkinVsUtilitarismus: zentraler Einwand: der Utilitarismus könne auch externe Vorlieben wie die Diskriminierung Schwarzer „unparteiisch“ berücksichtigen. (2) Problem: Der rein aggregative ((s) aufsummierende) Gedanke der bestmöglichen Befriedigung aller möglichen Vorlieben aller möglichen Menschen kennt eben keine Unterscheidung zwischen relevanten und irrelevanten, akzeptablen und inakzeptablen Präferenzen.
PerfektionismusVsDworkin: es gibt viele Arten externer Vorlieben, die von Dworkins Kritik ausgenommen werden sollten: Bsp externe Vorlieben wie die Parteinahme für Angehörige benachteiligter Gruppen, zu denen man selbst nicht gehört. (3)
Brocker I 605
LadwigVsDworkin: Dworkin hat, als er die in Bürgerrechte ernstgenommen versammelten Aufsätze schrieb, noch geglaubt, er könne eine ethisch vollkommen neutrale Theorie von Rechten und Gerechtigkeit entwerfen (so auch noch Dworkin 1985 (4)). Dies mag seine merkwürdige Annahme erklären, für die Kritik am Utilitarismus genüge die logische Unterscheidung zwischen persönlichen und externen Vorlieben, ohne Rücksicht auf deren Inhalte. DworkinVsDworkin: In späteren Schriften (Dworkin 1990b (5); 2011 (6)) bekennt sich Dworkin hingegen zu einer ethischen Grundlage seines Liberalismus. Die organisierende Idee hinter seinen immer weiter ausgreifenden Versuchen, Einheit in der Welt der Werte zu erkennen, ist nunmehr die Würde.


1. Ronald Dworkin, Taking Rights Seriously, Cambridge, Mass. 1977 (erw. Ausgabe 1978). Dt.: Ronald Dworkin, Bürgerrechte ernstgenommen, Frankfurt/M. 1990, S. 161f.
2. Ebenda S. 382-385
3. Vgl. Coleman, Jules L., »The Rights and Wrongs of Taking Rights Seriously«, in: Faculty Scholarship Series, Paper 4204, 1978, s. 916f.
4. Ronald Dworkin, , A Matter of Principle, Oxford 1985.
5. Ronald Dworkin. »Foundations of Liberal Equality«, in: The Tanner Lectures on Human Values, XI, Salt Lake City 1990 (b), 1-191.
6. Ronald Dworkin, Sovereign Virtue. The Theory and Practice of Equality, Cambridge, Mass./London 2002.


Bernd Ladwig, „Ronald Dworkin, Bürgerrechte ernstgenommen“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Dworkin I
Ronald Dworkin
Taking Rights Seriously Cambridge, MA 1978

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Utilitarismus Habermas III 244
Utilitarismus/HabermasVsUtilitarismus/Habermas: Der Unterschied zwischen Werten und Interessen wurde im Neukantianismus herausgearbeitet. Der Utilitarismus trägt ihm nicht Rechnung. Er macht den vergeblichen Versuch, Interessenorientierungen in ethische Grundsätze umzudeuten und Zweckrationalität selber zu einem Wert zu hypostasieren. Auch Max WeberVsUtilitarismus. Erklärung: Nur Werte, die abstrahiert und zu Grundsätzen generalisiert als formale Prinzipien verinnerlicht und prozedural angewendet werden können, können Situationen übergreifen und im Extremfall alle Lebensbereiche systematisch durchdringen.


Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Utilitarismus Kant Volker Gerhard ZEIT 27.11.03
Moral/Kant/KantVsUtilitarismus: Kant hält es für aussichtslos, unsere moralischen Urteile auf Mutmaßungen über den möglichen Nutzen zu gründen. - Jeder, der ernsthaft handelt, will den Erfolg - also kann er die Verantwortung für Fehlschläge nicht ablehnen - deshalb gibt es für Kant keinen Gegensatz zwischen der von ihm neu begründeten Gesinnungsethik und der später vom Utilitarismus beanspruchten Verantwortungsethik.
I. Kant
I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994
Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls)
Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03
Utilitarismus Parsons Habermas IV 305
Utilitarismus/Parsons/ParsonsVsUtilitarismus/Habermas: in „The Structure of Social Action“ zeigt Parsons am Begriff des zweckrationalen Handelns, dass der Utilitarismus die Entscheidungsfreiheit des Handlungssubjekts nicht begründen kann.
Habermas IV 311
Das utilitaristische Dilemma: 1. Der Aktor steht genau einer objektiven Welt existierender Sachverhalte gegenüber und verfügt über eine mehr oder weniger genaue empirische Kenntnis dieser Situation.
Habermas IV 312
2. Erfolg/Parsons: bemisst sich in diesem Fall ausschließlich daran, ob das Ziel erreicht wurde. Normen: beschränken sich hier auf die Regulierung der Beziehungen zwischen Zwecken, Mittel und Bedingungen. Die Wahl der Zwecke wird also unbestimmt gelassen. („randomness of ends“). (1)
3. Zweckrationalität: sieht keinen Mechanismus vor, über den die Handlungen verschiedener Aktoren koordiniert werden könnten. Das nennt Parsons den „atomistischen“ Handlungsbegriff. Stabilität kann sich nur bei zufällig ineinandergreifenden Interessenlagen ergeben.
Dilemma: wie kann sich Entscheidungsfreiheit als Kern der Handlungsfreiheit aus dem utilitaristischen Handlungsbegriff entwickeln lassen?
Habermas IV 313
a) Zwecke können unabhängig von Mitteln und Bedingungen variieren, diese Bedingung ist zwar notwendig, aber nicht hinreichend. Solange neben Entscheidungsmaximen keine Werte zugelassen sind, gibt es Raum für zwei entgegengesetzte Interpretationen, die beide mit der Entscheidungsfreiheit unvereinbar sind, sowohl im positivistischen als auch im rationalistischen Sinn. b) Zwecksetzung als Funktion der Kenntnisse: Hier ist die Handlung ein Prozess der rationalen Anpassung an die Bedingungen. Die aktive Rolle des Handelnden wird auf das Verständnis der Situation reduziert.
Problem: weder die rationalistische noch die positivistische Deutung des utilitaristischen Handlungsmodells
Habermas IV 314
Kann erklären, warum der Handelnde in einem nicht nur kognitiven Sinn Fehler machen kann. (Siehe Autonomie/Parsons).
Habermas IV 321
Utilitarismus/Parsons/Habermas: Parsons hält am Kern des utilitaristischen Handlungsbegriffs fest. Vielleicht glaubt er, den Voluntarismus nur dadurch retten zu können, das er Entscheidungsfreiheit als kontingente Wahlfreiheit, in der Sprache des deutschen Idealismus: als Willkür konzipiert.
Habermas IV 371
Utilitarismus/Parsons/ParsonsVsUtilitarismus/Habermas: aus der Kritik des Utilitarismus gewann Parsons zunächst die Vorstellung einer durch Werte und Maximen geregelten Zweckselektion. Lösung: kulturelle Werte sollten auf dem Wege von Institutionalisierung und Internalisierung auf Handlungssituationen bezogen und mit Sanktionen verknüpft werden; dadurch sollten sie in der Realität der Lebensformen und Lebensgeschichten die Beständigkeit substantieller Sittlichkeit gewinnen.


1.Talcott Parsons, The Structure of Social Action, NY, 1949, S. 49.

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Utilitarismus Rawls I 20
Utilitarismus/Sidgwick/Rawls: ich nehme hier die strikt klassische Doktrin des Utilitarismus, wie sie am besten durch Henry Sidgwick, The Methods of Ethics, London, 1907 dargestellt wurde, um diesen Utilitarismus als Gegenposition zu meiner Vertragstheorie anzuführen.
RawlsVsUtilitarismus.
I 24
Utilitarismus/Rawls: der Utilitarismus nimmt an, dass das Prinzip der Unverletzlichkeit, das für uns auf Gerechtigkeit basiert,
I 25
…nur ein Common Sense-Gebot sei, und nur untergeordnete Bedeutung als sekundäre Regel hat, genauso wie der Begriff des Naturrechts, soweit es einen Nutzen für den größten Teil der Gesellschaft hat. Prinzipien der soziale Wahl und der Gerechtigkeit/Rawls: nehmen wir in unserer Vertragstheorie als Gegenstand einer anfänglichen Übereinkunft an, während der Utilitarismus dehnt sie einfach auf die Idealisierung der Gesellschaft als eine ideale Gesamtperson aus.
I 26
RawlsVsUtilitarismus: das hieße, die Pluralität und Besonderheit von Individuen nicht ernst zu nehmen. RawlsVsUtilitarismus: unsere Vertragstheorie ist auch nicht teleologisch, wie es der Utilitarismus ist. Zwar betrachten wir – wie jede ernsthafte ethische Theorie - auch Konsequenzen.
I 27
Aber die Theorie der Gerechtigkeit als Fairness betrachtet niemals die Maximierung von Nutzen. RawlsVsUtilitarismus: Gerechtigkeit als Fairness akzeptiert von vornherein das Prinzip gleicher Freiheit, ohne Kenntnis ihrer Zwecke, während der Utilitarismus berücksichtigen will, ob die Diskriminierung einzelner eventuell den Gesamtnutzen erhöht.
Gerechtigkeit als Fairness: nimmt Neigungen nicht als gegeben an, um sie dann zu erfüllen, sondern diese werden von Anfang an von den Prinzipien der Gerechtigkeit beschränkt.
I 28
Dass das Recht Vorrang hat vor dem Guten ist ein zentrales Prinzip. Es soll dafür sorgen, dass Institutionen stabil bleiben. Utilitarismus/Rawls: beruht stark auf natürlichen Eigenschaften und Zufälligkeiten des menschlichen Lebens, während die Theorie der Gerechtigkeit als Fairness sich nach den ersten Prinzipien der ethischen Theorie richtet.
I 184
Utilitarismus/Rawls: sein wichtigstes Prinzip ist das Durchschnittsprinzip. Dies wird aber z.B. von Sidgwick abgelehnt (Sidgwick, Methods of Ethics, pp. 415f).
I 187
Utilitarismus/Individuen/Rawls: der klassische Utilitarismus ignoriert in gewissem Sinn die Unterscheidung individueller Personen das Prinzip der rationale Wahl eines Menschen ist zugleich das Prinzip der rationalen Wahl für jedermann. Pointe: damit wird diese ideale Person identisch mit dem idealen mitfühlenden Beobachter!
I 188
Der klassische Utilitarismus gipfelt dann in der - unpersönlichen - Zusammenführung aller Begehren in einem einzigen System von Wünschen. (Siehe C. I. Lewis, The Analysis of Knowledge and Valuation, 1946; J. C. SmartVsLewis: An Outline of a System of Utilitarian Ethics, p. 26.).

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Utilitarismus Sen Brocker I 885
Utilitarismus/SenVsUtilitarismus/Sen: Gegen utilitaristische Freiheitstheorien, die den Wert der Freiheit ganz und gar über ihren Nutzen bestimmen, stellt er heraus: Obschon Freiheit sich nicht selbst genügt, gefällt sie doch an und für sich. Freiheit ist zwar einerseits auf Ziele und den durch ihre Verwirklichung zu erlangenden Nutzen bezogen – geht aber andererseits nicht darin auf. Die Achtung von Freiheit als Selbstzweck ist zu unterscheiden von ihrem Wert als Mittel zu bestimmten, nur durch sie erreichbaren Gütern. Die intrinsische und die instrumentelle Wertschätzung von Freiheit sind zweierlei. >Freiheit/Sen.

Claus Dierksmeier, „Amartya Sen, Ökonomie für den Menschen (1999)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

EconSen I
Amartya Sen
Collective Choice and Social Welfare: Expanded Edition London 2017

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Vertragstheorie Rawls I 167
Vertragstheorie/Rawls: Rawls unterscheidet den Ansatz des Utilitarismus von dem der Vertragstheorie. Bsp Wenn man die Sichtweise von Verträgen zugrunde legt, ist das Argument des Sklavenhalters korrekt: es wäre ein Fehler, wollten die Sklaven entgegnen (…) dass es keine aktuale Wahlmöglichkeit gibt und keine gleiche Chancenverteilung. Die Vertragsdoktrin ist rein hypothetisch: wenn eine Version von Gerechtigkeit in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft gewählt würde, wären ihre Prinzipien die, die angewendet würden. Es ist kein Argument, dass ein solches Verständnis nicht intendiert war oder jemals intendiert werden würde. Wir können nicht beides haben: eine hypothetische Interpretation ohne konkrete Information über das Ergebnis
I 168
und später durch eine Neueinschätzung des Risikos Prinzipien verwerfen, die wir nicht mehr haben wollen. (Vertragsdoktrin/Rawls/(s): was Rawls die Vertragsdoktrin nennt, ist also eine starrere Verpflichtung auf zukünftig durchgehaltene Strukturen als es sein eigener Ansatz mit sich bringt. Dennoch RawlsVsUtilitarismus.)


Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005
Werte Lewis Graeser I 190
Wert/Bewertung/Lewis: Werte sollte man als Fühlen, Glauben, Verlangen betrachten. - Letztlich als ein Verlangen von Verlangen. HarmanVsLewis: Intrinsisches Verlangen höherer Stufe ist irreführend. "Verlangen" hat die Bedeutung von Intention und ist wie jede Intention, schon selbstreferentiell. >Ethik/Harman.

Lewis I 191
FrankfurtVsHarman: in Gefahr, die Unterscheidung zwischen Zweck(en) und Mitteln zu verwischen, und damit sich zu der Annahme zu verpflichten, dass Ziele gewissermaßen mit Mitteln ausgestattet seien und uns so begegneten.
Schwarz I 185
Wert/Ethik/Lewis/Schwarz: die Werte stecken nicht in den bewerteten Ereignissen, sondern in uns. In unseren Wünschen. - Problem: weil man etwas wünscht, ist es noch nicht gut - Lösung: Wünsche 2. Stufe: Wunsch, nicht zu wünschen zu rauchen. - Beste Theorie: ist dispositional. Problem: latenter Relativismus.
Schwarz I 187
LewisVsUtilitarismus: vernachlässigt die Perspektive.

Lewis I
David K. Lewis
Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989

Lewis I (a)
David K. Lewis
An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (b)
David K. Lewis
Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (c)
David K. Lewis
Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis II
David K. Lewis
"Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Lewis IV
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983

Lewis V
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986

Lewis VI
David K. Lewis
Konventionen Berlin 1975

LewisCl
Clarence Irving Lewis
Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970

LewisCl I
Clarence Irving Lewis
Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991

Grae I
A. Graeser
Positionen der Gegenwartsphilosophie. München 2002

Schw I
W. Schwarz
David Lewis Bielefeld 2005

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 8 Kontroversen:
Begriff/
Autor/Ismus
Autor Vs Autor
Eintrag
Literatur
VsUtilitarismusVsUtilitarismus Mackie Vs Intuitionismus Stegmüller IV 175
MackieVsIntuitionismus (der Ethik): beruht nicht auf falscher Analyse, sondern ist eine falsche (nicht etwa sinnlose) Theorie. (Wie der Objektivismus).
IV 176
3. Das Rätsel des Zukommens: welche Art der Verbindung besteht zwischen der natürlichen Tatsache, dass Mord eine grausame Handlung darstellt und der moralischen Tatsache, dass sie moralisch falsch ist? Objektivismus/Ethik/Stegmüller: die moralische Falschheit "kommt hinzu" oder sei supervenient. Manchmal auch "nichtkausales weil": die Handlung sei moralisch falsch, weil sie ein Zufügen von Schmerzen sei.
VsObjektivismus: der Sinn dieser Relation müsste erklärt werden.
IV 177
Subjektivismus/Ethik/Stegmüller: für ihn existiert dieses Problem nicht. Er beruft sich darauf, dass solche Handlungen gesellschaftliche verurteilt sind.
IV 213
Ethik/Moral/Mackie/Stegmüller: fünf Thesen 1. Anti Objektivismus: es gibt keine objektiven Werte und keine metaphysische Begründung. Kein Sittengesetz, kein an sich Gutes für den Menschen, keine kategorischen Imperative. (MackieVsKant).
Mackie: "Argument der Absonderlichkeit": "Getanwerdensollen" usw. (als Entität), "Rätsel des Zukommens". (s.o.).
2. VsIntuitionismus: wenn der Objektivismus falsch ist, beruht auch der Intuitionismus: (besondere Fähigkeit zum Erkennen, moralisches "Wissen") auf einem Irrtum.
IV 214
3. VsUtilitarismus: kann wichtige Fragen der Moralphilosophie nicht beantworten und verlangt einen Wandel des Menschen 4. VsUniversalisierung: alle deskriptiven Deutungen sind nur von metaethischem Interesse. Bei der normativen Deutung ist das Begründungsproblem ungelöst. Die dritte Stufe U3 ist deckungsgleich mit dem illusionären Utilitarismus.
IV 215
5. Verwechslung von Ethik und Metaethik: in der normativen Deutung liegen moralische Aussagen 2. Ordnung vor, die wiederum einer moralischen Begründung bedürfen. "Metaethischer Fehlschluss": Übergang von Meinungen zur Wahrheitsfeststellung.

Macki I
J. L. Mackie
Ethics: Inventing Right and Wrong 1977
VsUtilitarismusVsUtilitarismus Mackie Vs Mill, J. St. Stegmüller IV 209
VsUtilitarismus/Mill: (selbst U.) gesteht zu, dass utilitaristische Theorien oft an der Vagheit und Verschiedenheit der Auffassungen von Gerechtigkeit scheitern. Mill: dennoch stehen dem Nützlichkeitsprinzip dieselben Sanktionen zur Verfügung wie allen anderen moralischen Normen.
MackieVsMIll: das ist empirisch falsch: Verletzungen des Allgemeinwohls erregen unser Empfinden weit stärker als Verletzungen spezieller Regeln der Gerechtigkeit.

Regel Utilitarismus: indirekter als der U.: zwei Stufen: (Austin):
IV 210
1. Maßstab unserer Regeln soll die Nützlichkeit sein 2. Maßstab unserer Handlungen seien die Regeln.
Stellt die Regeln weit stärker in den Vordergrund und greift auf Nützlichkeit nur zur Rechtfertigung der Regeln zurück.
Diese Regeln brauchen nicht explizit zu sein.
VsRegel Utilitarismus: alle Probleme des Utilitarismus kehren auf einer höheren Abstraktionsstufe wieder.
IV 211
Nützlichkeitsprinzip/Mill: Übergang vom individualistischen zum universalistischen Hedonismus. Wenn Glück für jeden Einzelnen ein Gut ist, dann ist das allgemeine Glück ein Gut für die Gesamtheit aller Menschen. Nützlichkeitsprinzip/MackieVsMill: der angebliche Beweis schmuggelt unzulässige Prämissen ein.
Die Gesamtheit der Menschen wird fälschlich als psychisches Subjekt behandelt Die Menschheit steht niemals vor einer Wahl. (IV 225)
IV 212
Fehlschluss: von "jeder" auf "alle". Außerdem wird hier beim Übergang vom Individuum zur Gesellschaft anstelle des Subjektivismus ein "Wertobjektivismus" eingeschmuggelt.

IV 263
Moral/Ethik/Mill: These: glaubte an allmähliche Veränderung der menschlichen Natur in Richtung auf eine "allgemeine Menschenliebe". J. F. StephenVsMill: das ist "transzendentaler Utilitarismus": ein von "unparteiischer Nächstenliebe" beseelte Person könnte sich stalinistisch verhalten. Alles kann zur Rechtfertigung jeglicher Gewaltanwendung herangezogen werden.
Mackie dito.
IV 264
Moral/Ethik/Mackie: muss sich an anthropologischen Rahmenbedingungen ausrichten: unterschiedliche Ideale bedürfen allgemeiner (gemeinsamer) Prinzipien.
IV 265
Die Zurückweisung objektiver Werte schließt die Ablehnung in sich bestehender Rechte ein. Folge: spezielle Rechte lassen sich nicht a priori aus allgemeinen Gründen herleiten.
IV 269
MackieVsMill: sein utilitaristisches Begründungskonzept steht auf wackligen Füßen: das "Prinzip des Nichteingreifens" ließe sich besser anders begründen:
IV 270
durch die Auffassung vom Guten für den Menschen. Gut/MackieVsMill: 1. nicht alle können ihr eigenes Wohl immer richtig einschätzen.
2. Mills Prinzip ist zu schwach. Bsp Gedankenfreiheit, Redefreiheit. Beide lassen sich durch Mills Prinzip allein nicht begründen!
Mackie: statt dessen brauche wir ein "Prinzip des legitimen Eingreifens".

Macki I
J. L. Mackie
Ethics: Inventing Right and Wrong 1977
VsUtilitarismusVsUtilitarismus Mackie Vs Rawls, J. Stegmüller IV 206
Nächstenliebe/Rawls: ("Gerechtigkeit als Fairness"): Rawls fingiert, dass sich Wesen nicht von Sympathie, sondern nur von Selbstliebe leiten lassen, "rationale Egoisten".
IV 207
Rawls/Stegmüller: der "Schleier des Nichtwissens" geht auf J. Harsanyi zurück. VsUtilitarismus: die subjektiven Präferenzen sind zunächst gar nicht bekannt.
MackieVsRawls: dennoch kommt etwas ähnliches wie beim Utilitarismus heraus: jeder rationale Egoist nimmt wahrscheinlich zu recht an, dass er eher zur größeren Gruppe der Glücklichen als zur kleineren der Unglücklichen zählen wird und plant entsprechend Nachteile für "die anderen" ein.
Statt dessen: suche nach einem Kompromiss, der für jeden Beteiligten annehmbar ist.
Gesellschaft/MackieVsRawls: dieser Kompromiss ist nun aber mit U3, der dritten Stufe der Universalisierung identisch.
IV 208
RawlsVsMackie/Stegmüller: Rawls würde das nicht akzeptieren, denn sein Modell ist keine unmittelbare Handlungsanleitung. Def Moral im engeren Sinn/Mackie/Stegmüller: Beschränkung der Eigeninteressen der Handelnden

Macki I
J. L. Mackie
Ethics: Inventing Right and Wrong 1977
VsUtilitarismusVsUtilitarismus Lewis Vs Utilitarismus Schwarz I 187
LewisVsUtilitarismus/Schwarz: Hauptfehler: Vernachlässigung der Perspektive. Wenn immer nur die Gesamtmenge an Leid zu reduzieren wäre, sollten wir alles daran setzen, an möglichst viel Geld zu kommen – sei es, indem wir unsere Freunde bestehlen – um es den Ärmsten der Welt zu geben. Das entspricht aber nicht unseren Werturteilen. (1984a, 206, 1978,34, 1986e, 125 128, 1996c). Ethik/Lewis/Schwarz: Lewis scheint zu glauben, dass die Vielschichtigkeit und Komplexität unserer Werte nicht von einer einheitlichen Theorie erfasst werden kann. (1984a, 206). Vgl. >Perspektive.

Lewis I
David K. Lewis
Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989

Lewis I (a)
David K. Lewis
An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (b)
David K. Lewis
Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (c)
David K. Lewis
Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis II
David K. Lewis
"Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Lewis IV
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983

Lewis V
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986

Lewis VI
David K. Lewis
Konventionen Berlin 1975

LewisCl
Clarence Irving Lewis
Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970

LewisCl I
Clarence Irving Lewis
Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991

Schw I
W. Schwarz
David Lewis Bielefeld 2005
VsUtilitarismusVsUtilitarismus Nagel Vs Utilitarismus III 109
Ethik/Nagel: Streit zwischen konsequentialistischen Auffassungen (u.a. Utilitarismus: These: welche Konsequenzen in der Welt eine Handlung letztendlich hat ist wichtig, nicht wie sie für den Handelnden ist) und auf der anderen Seite der Frage: "was zu tun sei". VsUtilitarismus/Nagel: die Kritik am Außenstandpunkt (was ist für den Weltzustand am besten) will dem Individuum einen gewissen Spielraum geben, sein eigenes Leben zu führen (Nagels interner Standpunkt, aus dem allein wir unser Leben führen können). Allgemeinwohl als einzige Rechtfertigung für das Handeln lässt eigene Wünsche unberücksichtigt.
III 110
((s) Konsequentialismus/(s): ethische Position, die allein die Folgen (für den "Weltzustand", nicht für den Handelnden) berücksichtigt.) NagelVs: es geht um die Erlaubnis, das eigene Leben zu führen!
III 110/!11
NagelVsUtilitarismus/Objektivität: wir haben es nicht nur mit einem Konflikt zwischen überpersönlichen und individuellen Werten zu tun, sondern: Jemand, der die konsequentialistischen Gebote nicht akzeptiert, weil sie Dominanz über seinen eigenen internen Standpunkt beanspruchen, wird diesen Einwand natürlicherweise auch auf andere übertragen.
So kommt man eher zu einer alternativen Ethik, als zur Ablehnung von Ethik überhaupt!

NagE I
E. Nagel
The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979

Nagel I
Th. Nagel
Das letzte Wort Stuttgart 1999

Nagel II
Thomas Nagel
Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990

Nagel III
Thomas Nagel
Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991

NagelEr I
Ernest Nagel
Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982
VsUtilitarismusVsUtilitarismus Verschiedene Vs Utilitarismus Stegmüller IV 200
Utilitarismus/Stegmüller: berücksichtigt ausschließlich die Folgen der Handlungen. (>Nagel: "Konsequentialismus") – "Das ist für mich gut" wird schon vorausgesetzt – beurteilt werden die Folgen – einzige moralische Grundnorm: Nützlichkeitsprinzip.
IV 202/203
MackieVsUtilitarismus: 1. Begriffliche Grundlagen: Abgrenzung zu Tieren, künftigen Generationen usw. Problem der quantitativen Messung von Schmerz usw.
IV 204
2. Verteilungsproblematik: auch RawlsVsUtilitarismus: falsche Summierung. Falsche Analogisierung der Gesellschaft mit einem "großen Menschen" . - führt letztlich zur Mißachtung des Einzelnen.
IV 207
Rawls/Stegmüller: der "Schleier des Nichtwissens" geht auf J. Harsanyi zurück. VsUtilitarismus: die subjektiven Präferenzen sind zunächst gar nicht bekannt.
IV 209
VsUtilitarismus/Mill: (selbst Utilitarist) gesteht zu, dass utilitaristische Theorien oft an der Vagheit und Verschiedenheit der Auffassungen von Gerechtigkeit scheitern. Mill: dennoch stehen dem Nützlichkeitsprinzip dieselben Sanktionen zur Verfügung wie allen anderen moralischen Normen.




VsUtilitarismusVsUtilitarismus Mackie Vs Utilitarismus Stegmüller IV 311
Absicht/Mackie: "geradlinige Regel": danach ist man für alle eigenen absichtlichen Handlungen verantwortlich.
IV 312
Bsp fahre ich trotz mangelnder Übung fort, kann man mir den Vorwurf machen, die Folgen in Kauf genommen zu haben. Strafe/Lob/Tadel/VsUtilitarismus/Mackie: Vs utilitaristische Begründung: hier ist die einzige Rechtfertigung der Strafe die Abschreckung. Da man aber nur von absichtlichen Handlungen abgeschreckt werden kann, dürften auch nur solche mit Sanktionen verknüpft werden. Das ist ein Denkfehler:
IV 313
Bsp es ist doch durchaus möglich, dass ein potentieller Mörder wirkungsvoller abgeschreckt wird, wenn man alle, Menschen, die einen anderen (auch unabsichtlich) töten, in gleicher Weise bestraft, als wenn man nur die bestraft, die es absichtlich taten. Absicht/Moral/Mackie/Stegmüller: man kann schon sagen, dass ein Moralsystem durchaus einen Einfluss auf die Absichten eines Handelnden ausübt!
So ist das Bewusstsein der eigenen moralischen Falschheit ein wenig wie die Strafe selbst. "Geradlinige Regel": danach ist man für alle eigenen absichtlichen Handlungen verantwortlich.
So wird verständlich, das wir dieses moralische Prinzip auch auf unser rechtliches Strafen anwenden wollen.
IV 314
Strafe/Mackie: ist dann angemessen, wenn sie auch in moralischen Kategorien als gerechtfertigt erscheint. Bsp bei Fahrlässigkeit brauchen sich moralische und rechtliche Betrachtungen nicht zu decken.
Bsp bei gleicher Handlung können in einem Fall weniger schädliche Folgen auftreten. Aus moralischer Sicht erscheint es unfair, dass die Strafe hier leichter ausfällt.
Bsp der Verkauf von verseuchten Lebensmitteln aufgrund eines Zufalls trotz Sorgfalt wird genauso hart bestraft wie bei Vorsatz: hier ist das Nützlichkeitsargument des Wohls der Gemeinschaft zu berücksichtigen.
IV 315
Abweichungen lassen sich durch drei Schemata erklären: a) Spontanes, impulsives Handeln, Wut
b) Zeitweilige Verwirrung, Störungen der Identität der Person.
c) "Unwiderstehlicher psychischer Zwang".

Macki I
J. L. Mackie
Ethics: Inventing Right and Wrong 1977
VsUtilitarismusVsUtilitarismus Newen Vs Utilitarismus New I 144
Def Klassischer Utilitarismus/Newen: These: es geht um das größte Glück der größten Zahl. Logische Form: die Hauptinstitutionen der Gesellschaft sollen so beschaffen sein, dass sie die größte Summe des Glücks für die Gesamtheit der Mitglieder hervorbringt.
Zwei Rahmenbedingungen:
1. Substitutionsprinzip: die Interessenbefriedigung eines Individuums kann durch die eines anderen Individuums ersetzt werden.
2. Äquivalenzprinzip: verzichtet auf die Differenz von Handeln und Unterlassen.
I 145
Der Utilitarismus ist eine rationale Theorie. Nutzen/Berechnung/Newen: Angenommen, der Nutzen für jede Person lässt sich quantifizieren. Dann lässt sich für jedes
Individuum i = 1,2,…n ein
Nutzenwert: Ni ("Glücksfaktor") angeben.
allgemeiner Nutzen/allgemeines Wohl: W: Summe des Nutzens aller Individuen_:
W = N1 + N2 + … + Nn.
VsUtilitarismus: es lässt sich nicht angeben, was das Glück einer Person ausmacht.
UtilitarismusVsVs: Modifikation: Präferenzutilitarismus.
Def Präferenzutilitarismus/Newen: es wird nicht mehr das "Glück" des Einzelnen bewertet, sondern seine Vorlieben werden berücksichtigt.
I 146
VsUtilitarismus/VsPräferenzutilitarismus/Newen: beide ignorieren die Intuition, dass eine Gesellschaft gerechter ist, in der es allen ungefähr gleich gut geht, als eine, in der es einigen sehr viel schlechter geht. Bsp eine Gesellschaft gilt dann als gerechter, wenn eine Person um 5 Punkte besser gestellt wird, obwohl zugleich zwei Personen um jeweils 2 Punkte schlechter gestellt werden.
Bsp

W1 (29) = N1(7), + N2 (7) + N3(15) Durchschnittsnutzen 29 : 3 = 9,66
W2 (30) = N1(5), + N2 (5) + N3(20) Durchschnittsnutzen 30 : 3 = 10
W3 (31) = N1(4), + N2 (4) + N3(19) + N4(4)Durchschnittsnutzen 31 : 3 = 7,75 Bevölkerungswachstum

Utilitarismus: für ihn wäre der Gesamtnutzen gesteigert, W2 also gerechter als W1.
Vs: intuitiv ist diese Welt fr uns nicht gerechter, weil mehr Menschen schlechter gestellt sind. (Rawls dito).
UtilitarismusVsVs: weitere Modifikation: statt Gesamtnutzen: Durchschnittsnutzen.
I 147
RawlsVsUtilitarismus: macht ein unbeschränktes Bevölkerungswachstum wünschbar, weil damit eine Steigerung des Gesamtnutzens erreicht wird, ohne dass es jemandem besser gehen müsste. Sogar neue Personen auf niedrigstem Niveau steigern den Gesamtnutzen (s.o. W4). Durchschnittsnutzen/VsDurchschnittsnutzen/Newen: hilft auch nicht zu erklären, warum W1 gerechter ist als W2, denn der DN steigt inW2.
Problem: auch de Durchschnittsnutzen ist letztlich unabhängig von der individuellen Verteilung des Nutzens auf die Menschen.
I 148
VsUtilitarismus/Newen: Bsp nach dem Utilitarismus wäre es für einen gesunden Patienten geboten, sein Herz und seine Leber zu spenden, um damit zwei kranken Patienten das Leben zu retten und so den Nutzen von einem Menschen auf zwei Menschen zu verlagern. UtilitarismusVsVs: Lösung: Regelutilitarismus (s.u.)
Def Handlungsutilitarismus/Newen: jede einzelne Handlung ist nach ihren Folgen zu beurteilen.
Def Regelutilitarismus/Newen: hier geht es um Typen von Handlungen, der RU kann eine Regel als moralisch überlegen beurteilen, weil sie meistens positive Folgen hat, auch wenn es Ausnahmen gibt.
I 149
RawlsVsUtilitarismus/Utilitarismus/Newen: der Utilitarismus bindet Moral an ein moral-unabhängiges Kriterium. Glück/Rawls: es ist völlig offen, was jemand als sein Glück definiert. D.h. es wird Bsp auch mitgezählt, wenn es jemand glücklich macht, andere zu diskriminieren.
Rawls: aber Diskriminierung ist an sich selbst Unrecht. Sie verstößt gegen einen Grundsatz, dem man selbst im Urzustand zustimmen würde. (Theorie der Gerechtigkeit, ThdG, S 49).

New II
Albert Newen
Analytische Philosophie zur Einführung Hamburg 2005

Newen I
Albert Newen
Markus Schrenk
Einführung in die Sprachphilosophie Darmstadt 2008

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in Auseinandersetzungen folgender wissenschaftlicher Lager:
Begriff/
Autor/Ismus
Pro/Versus
Eintrag
Literatur
Utilitarismus VsUtilitarismus Versus Dennett I 700
Utilitarismus: Begründer: Bentham. DennettVsBentham: "gefräßiger Reduktionist". Ein Skinner seiner Zeit. DennettVsUtilitarismus.

Dennett I
D. Dennett
Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997

Dennett II
D. Dennett
Spielarten des Geistes Gütersloh 1999

Dennett III
Daniel Dennett
"COG: Steps towards consciousness in robots"
In
Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996

Dennett IV
Daniel Dennett
"Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden Thesen von Autoren angrenzender Fachgebiete:
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
VsUtilitarismus Rawls, J. Rorty passim.
RawlsVsUtilitarismus.