Philosophie Lexikon der Argumente

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Farben, Philosophie: Im Zusammenhang mit dem Begriff der Farbe geht es in der Philosophie unter anderem um die Frage, wie individuelle Sinneseindrücke verallgemeinert oder objektiviert werden können. Siehe auch Qualitäten, Qualia, Wahrnehmung, Vertauschte Spektren, Privatsprache.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Terrence W. Deacon über Farben – Lexikon der Argumente

I 116
Farbwörter/Sprachentstehung/Deacon: Die Entwicklung von Farbwörtern in verschiedenen Sprachen und Gesellschaften konvergiert. Prinzipiell kann die Verknüpfung von Farbtönen und Lauten beliebig sein. Tatsächlich sind aber die Abbildungsrelationen in mancher Hinsicht universell.
I 117
Aber das bedeutet nicht, dass sie irgendwie ins Gehirn eingebaut sind.
Farbwörter/Farben/Berlin/Kay/Deacon: In verschiedenen Gesellschaften sind Schwarz (dunkel) und Weiß (hell) die ersten Unterscheidungen, später kommt immer zunächst die Unterscheidung Rot/Grün hinzu. Wenn es in einer Sprache drei oder vier Farbbegriffe gibt, kommt als nächstes Gelb oder Blau hinzu. Wenn es mehr Begriffe gibt, ist das Muster nicht mehr so eindeutig vorherzusagen(1).
Erstaunlicherweise ähneln sich die Farbtöne, die als typisch rot oder typisch grün angesehen werden (best red/best green) überall in der Welt(2).
I 118
Erklärung: es kommt hier eine Leistung des Gehirns bei der Unterscheidung bzw. der Hervorhebung von Unterschieden ins Spiel, die über die Besonderheiten des Sprachgebrauchs von Individuen oder Gesellschaften hinausgeht.
I 119
Sprachentstehung/Farbwörter: die Muster von typischen Irrtümern tragen dazu bei, dass der Sprachgebrauch sich neurophysiologischen Gegebenheiten der Wahrnehmung anpasst. Das ist ein Fall von neurologischer Tendenz als Selektionsdruck in sozialer Evolution.
Angenommen, wir wollten ein neues Wort für einen ganz besonderen Farbton zwischen bekannten Farben einführen. Auf die Dauer wird dieser neue Name zugunsten alter Farbwörter wieder verschwinden. Es werden bestimmte hervorstechende Farbtöne dominieren. Die Tendenz unserer Gehirne, sich an bestimmte Farbtöne besser zu erinnern, entspricht der natürlichen Selektion gewisser Varianten anstelle von anderen Varianten. So wird sich die Referenz von Farbwörtern in Anpassung an das menschliche Nervensystem entwickeln.
I 120
Diese Entwicklung geschieht aber aufgrund nicht-genetischer Kräfte. Ohne diese sozialen Universalien wäre der Gebrauch von Farbwörtern idiosynkratrisch, d.h. auf einzelne Individuen beschränkt. Dennoch ist es klar, dass Farbbegriffe nicht fest im Gehirn verankert sind. Was universell verankert ist, das sind vielmehr gewisse Tendenzen der Gruppierung, die nicht sprachlich sind. Die Aufteilung der Farbbegriffe wie sie ist, ist kein notwendiges Merkmal von Sprache und keine angeborene linguistische Kategorie.


(1) Berlin, B., und Kay, P. (1969). Basic Color Terms: Their Universality and Evolution. Berkeley & Los Angeles: University of California Press.
(2) Rosch, E. (1978). Principles of categorization. In: E. Rosch, & B. B. Lloyd (Hrsg.), Cognition and categorization (pp. 28-49). Hillsdale, NJ: Erlbaum.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Dea I
T. W. Deacon
The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998

Dea II
Terrence W. Deacon
Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013

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