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John Rawls über Risiken – Lexikon der Argumente

I 168
Risiken/Rawls: In der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft, wenn die Mitglieder sich hinter einem Schleier des Nichtwissens in Bezug auf ihre spätere Position befinden, ist es zunächst so, dass jeder sehr wohl Informationen über seine eigenen Fähigkeiten hat. Es ist daher nicht anzunehmen, dass alle die gleichen Chancen in Bezug darauf haben, als wer sie sich später herausstellen. Jedenfalls hat ein Neuankömmling das Wissen über seine Fähigkeiten und stützt seine Risikoeinschätzungen auf dieses Wissen.
Aber im letzten Stadium der Anfangssituation herrscht vollständiges Nichtwissen über kontingente Tatsachen, die Konstruktion der individuellen Erwartungen stützt sich lediglich auf das Prinzip des unzureichenden Grunds (principle of insufficient reason). Dieses Prinzip dient dazu, Wahrscheinlichkeiten unter Fehlen jeglicher Information einzuschätzen.
Def Prinzip des unzureichenden Grundes: unter Bedingungen des Fehlens jeglicher Information sind alle möglichen Resultate gleich wahrscheinlich.
I 169
Anfangssituation/Rawls: dann können wir verschiedene Arten von Information innerhalb eines strikt probabilistischen Rahmens verknüpfen und Schlüsse über Wahrscheinlichkeiten ohne darüber hinausgehendes Wissen ziehen(1). VsPrinzip des unzureichenden Grunds: siehe J. M. Keynes(2).
Lösung/Carnap: ein alternatives System induktiver Logik mit anderen theoretischen Mitteln als denen des klassischen Prinzips(3).
Prinzip des unzureichendes Grundes/Rawls: schließt aus, dass anfänglich Möglichkeiten außer Acht gelassen werden.
Lösung/Rawls in der Anfangssituation haben wir nach der Theorie der Gerechtigkeit als Fairness die Möglichkeit, die zwei Prinzipien der Gerechtigkeit zu akzeptieren, dann können die Unwägbarkeiten umgangen werden: Vgl.

I 61
Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: vorläufige Formulierung:
1. Jede Person muss das gleiche Recht auf weitest gehende grundlegende Freiheit haben, soweit sie mit gleicher Freiheit für andere kompatibel ist.
2. Soziale und ökonomische Ungleichheiten sind so zu arrangieren, dass sie
a) vernünftig erwartbar zu jedermanns Vorteil sind und
b) mit Positionen und Verwaltungsvorgängen verknüpft sind, die von jedermann inne gehabt werden können.
Damit können grundlegende Freiheiten garantiert werden.


(1) Siehe W. Feller, Probability and Profit, S. 27f.
(2) J. M. Keynes, A Treatise on Probability, London, 1921, Kap. IV.
(3) R. Carnap, Logical Foundations of Probability, 2. Ed. Chicago, 1962.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005

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