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Moral: Eine mehr oder weniger kodierte Menge von Regeln, Handlungsmaximen, Pflichten und Verboten innerhalb einer Gesellschaft oder Gruppe. Die meisten dieser Regeln sind bei den Mitgliedern der Gesellschaft oder Gruppe unbewusst verinnerlicht. Ihre Rechtfertigung und die mögliche Bewertung von Handlungen werden in der Ethik und Metaethik reflektiert. Siehe auch Werte, Normen, Rechte, Ethik.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Entwicklungspsychologie über Moral - Lexikon der Argumente

Upton I 124
Moral/Entwicklungspsychologie/Upton: Während Piaget zwischen heteronomer und autonomer Moral (>Moral/Piaget) unterscheidet, spricht Kohlberg (1958)(1) von drei Entwicklungsebenen des moralischen Denkens: präkonventionelle, konventionelle und postkonventionelle Moral. >Moral/Kohlberg.
Postkonventionelle Moral/Kohlberg: Kohlberg (1958(1) schlug vor, dass die meisten Jugendlichen die Ebene II [konventionelle Moral] erreichen und die meisten von uns auch im Erwachsenenalter auf dieser Ebene der Argumentation bleiben. Nur wenige Individuen erreichen die postkonventionelle Ebene des Denkens; tatsächlich fand Kohlberg die Stufe 6 so selten, dass sie inzwischen aus der Theorie entfernt wurde.
VsKohlberg: Die Evidenz unterstützt die Ansicht, dass Kinder und Jugendliche die von Kohlberg vorgeschlagenen Ebenen durchlaufen, auch wenn sie möglicherweise nicht das Niveau der postkonventionellen Argumentation erreichen (Flavell et al., 1993(2); Walker, 1989(3)). Interkulturelle Studien liefern auch einige Belege für die Universalität der ersten vier Stufen Kohlbergs (Snarey et al., 1985)(4). Allerdings ist diese Theorie nicht ohne ihre Kritiker, und Kohlbergs Modell wurde sowohl wegen kultureller als auch geschlechtsspezifischer Verzerrungen angeklagt.
KulturpsychologieVsKohlberg: Es wurde angenommen, dass Kohlbergs Theorie kulturell verzerrt ist, weil sie Ideale wie individuelle Rechte und soziale Gerechtigkeit betont, die hauptsächlich in westlichen Kulturen zu finden sind (Shweder, 1994)(5).
Miller und Bersoff (1992)(6) zeigten, dass die Amerikaner mehr Wert auf eine Gerechtigkeitsorientierung (Stufe 4) legten als Inder. Im Gegensatz dazu legten die Inder ein größeres Gewicht auf zwischenmenschliche Verantwortlichkeiten, wie die Einhaltung der eigenen Verpflichtungen gegenüber anderen und die Berücksichtigung der Bedürfnisse anderer Menschen (Stufe 3). In gleicher Weise wurde festgestellt, dass Frauen eher die Stufe 3 als die Stufe 4 verwenden.
GeschlechterstudienVsKohlberg: Laut Gilligan (1982(7), 1996(8)) spiegelt die Reihenfolge der Stufen daher eine geschlechtsspezifische Verzerrung wider. Die Platzierung abstrakter Gerechtigkeitsprinzipien (Stufe 4) über Beziehungen und die Sorge um andere (Stufe 3) basiert auf einer männlichen Norm und spiegelt die Tatsache wider, dass die meisten von Kohlbergs Forschungen männliche Teilnehmer nutzten. Gilligan argumentiert daher, dass diese Orientierungen zwar unterschiedlich sind, dass aber die eine nicht unbedingt besser ist als die andere.
Es gibt jedoch einige Diskussionen über das Ausmaß der Beweise zur Unterstützung von Gilligans Behauptungen über geschlechtsspezifische Unterschiede in der moralischen Argumentation; eine Meta-Analyse der Beweise durch Jaffee and Hyde (2000)(9) ergab, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in der Argumentation klein waren und in der Regel besser durch die Art des Dilemmas erklärt werden als durch das Geschlecht. Die Beweise scheinen nun darauf hinzudeuten, dass sorgebedingtes Denken sowohl von Männern als auch von Frauen verwendet wird, um zwischenmenschliche Dilemmata zu bewerten, während Gerechtigkeitsüberlegungen auf gesellschaftliche Dilemmata angewendet werden.



1. Kohlberg, L (1958) The development of modes of moral thinking and choice in the years 10 to
16. Unpublished doctoral thesis, University of Chicago.
2. Flavell, JH, Miller, PH and Miller, SA (1993) Cognitive Development(3rd edn). Englewood Cliffs,
NJ: Prentice Hall.
3. Walker, U (1989) A longitudinal study of moral reasoning. Child Development, 60: 157-66.
4. Snarey, JR, Reimer, J and Kohlberg, L (1985) The development of social-moral reasoning among kibbutz adolescents: a longitudinal cross-cultural study. Developmental Psychology, 20:3-17.
5. Shweder, RA and Levine, RA (eds)(1994) Culture Theory: Essays on mind, self and emotion.
Cambridge: Cambridge University Press.
6. Miller, JG and Bersoff, DM (1992) Culture and moral judgment: how are conflicts between justice and interpersonal responsibilities resolved? Journal of Personality and Social Psychol0ogy, 62(4): 541-54.
7. Gilligan, C (1982) In a D4fferent Voice: Psychological theory and women’s development. Cambridge, MA: Harvard University Press.
8. Gilligan. C (1996) The centrality of relationships in psychological development: a puzzle, some evidence and a theory, in Noam, GG and Fischer, KW (eds) Development and Vulnerability in Close Relationships. Hillsdale, NJ: Lawrence Erlbaum.
9. Jaffee, S and Hyde,JS (2000) Gender differences in moral orientation: a meta-analysis. Psychological Bulletin, 126: 703-2 6.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Entwicklungspsychologie

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011

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