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Psychologische Theorien über Kognitive Dissonanz - Lexikon der Argumente

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Kognitive Dissonanz/Psychologische Theorien: Die Forschung zur Dissonanztheorie in den Jahrzehnten nach den beiden zukunftsträchtigen Studien lieferte eine Reihe wichtiger Schlussfolgerungen, einige davon im Einklang mit der Theorie und andere weniger. In der ursprünglichen Arbeit hatte Festinger (1957)(1) (>Kognitive Dissonanz/Festinger) vermutet, dass der wichtigste Motivationsfaktor, der dazu führte, dass Inkonsistenz zu einer Einstellungsänderung führte, ein aversiver, antriebsähnlicher Zustand war, den er Dissonanz nannte.
Damals hatte er keine Beweise für diese Annahme, aber es war der Schlüsselfaktor, der die Vorhersagen der beiden oben diskutierten klassischen Studien und vieler anderer antrieb. Wir wissen jetzt, dass seine Vermutung richtig war. Wir wissen das, weil:
(a) wir physiologische Veränderungen (z.B. in der Hautleitfähigkeit (SCR) und der Hirnaktivität (EEG)) und die psychologischen Beschwerden messen können, die sich aus der Befürwortung einer Position ergeben, die der eigenen Einstellung widerspricht (Croyle and Cooper, 1983(2); Elliot und Devine, 1994(3); Harmon-Jones, 1999(4); Losch and Cacioppo, 1990(5));
(b) wir die Dissonanz erhöhen können, indem wir die Teilnehmer eine erregende Droge einnehmen lassen und sie mit einem Beruhigungsmittel verringern (Cooper et al., 1978)(6); und
(c) wir können Verhaltensänderungen nach einem haltungsdiskrepanten Verhalten beseitigen, indem wir Menschen dazu bringen, ihr Arousal auf etwas anderes als ihr diskrepantes Verhalten falsch zu übertragen. Wenn die Menschen zum Beispiel glaubten, durch die Nebenwirkungen einer Pille, die sie eingenommen hatten, erregt zu werden, und nicht durch ihr abweichendes Verhalten, dann kam es nicht zu einer Änderung der Einstellung (Zanna und Cooper, 1974)(7).
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VsFestinger: Linder und Kollegen (1967)(8) zeigten, dass Festinger und Carlsmiths (1959)(9) (>Experiment/Festinger) Compliance-Ergebnisse nur dann auftreten, wenn die Menschen glauben, dass sie die Wahl hatten, ihre Gegeneinstellung zum Ausdruck zu bringen. Darüber hinaus zeigten Cooper und Worchel (1970)(10), dass die Abgabe einer Gegenrede keine Dissonanz hervorruft, es sei denn, sie führte zu einem Folgeereignis.
Dissonanz/Cooper/Fazio: Warum sollte eine Dissonanz nur unter bestimmten Bedingungen auftreten? Die ursprüngliche Theorie schwieg über die Auswirkungen von Variablen wie Wahl und Folgen. Die anhaltenden Randbedingungen deuteten auf die Notwendigkeit einer neuen Perspektive auf die Theorie hin, und das ist es, was Russell Fazio und ich 1984 zur Verfügung stellten. In unserem New Look-Modell der Dissonanz (Cooper and Fazio, 1984)(11) argumentierten wir, dass Dissonanz nicht durch kognitive Diskrepanzen per se verursacht wurde. Vielmehr haben wir argumentiert, dass Dissonanz ein Zustand eines unbequemen Arousal ist, der auftritt, wenn eine Person die Verantwortung für die Herbeiführung einer unerwünschten Folge übernimmt.
Andere Wissenschaftler nahmen die einschränkenden Bedingungen der Dissonanz zur Kenntnis und schlugen alternative Ansichten über die Auswirkungen von diskrepantem Verhalten vor (z.B. Beauvois und Joule, 1999(12); Harmon-Jones, 1999(4)). Aronson (1992)(13) argumentierte für die Schlüsselmotivation des Selbst und deutete an, dass Dissonanzen vor allem dann auftreten, wenn das Selbstwertgefühl durch inkonsistente Kognitionen bedroht ist.
Stone and Cooper (2001)(14) modifizierten das frühere New Look Modell und übernahmen ein Self-Standard-Modell. Sie erkannten, dass der New Look darüber geschwiegen hatte, wie eine Person entscheidet, ob eine Handlung eine aversive Konsequenz hervorgerufen hat.



1. Festinger, L. (1957) A Theory of Cognitive Dissonance. Stanford: Stanford University Press.
2. Croyle, R. and Cooper, J. (1983) ‘Dissonance arousal: Physiological evidence’, Journal of Personality and Social Psychology, 45: 782–91.
3. Elliot, A. J., & Devine, P. G. (1994). On the motivational nature of cognitive dissonance: Dissonance as psychological discomfort. Journal of Personality and Social Psychology, 67(3), 382-394
4. Harmon-Jones, E. (1999) ‘Toward an understanding of the motivation underlying dissonance effects: Is the production of aversive consequences necessary?’, in E. Harmon-Jones and J. Mills (eds), Cognitive Dissonance: Progress on a Pivotal Theory in Social Psychology. Washington, DC: American Psychological Association. pp. 71–103.
5. Losch, M.E. and Cacioppo, J.T. (1990) ‘Cognitive dissonance may enhance sympathetic tonus, but attitudes are changed to reduce negative affect rather than arousal’, Journal of Experimental Social Psychology, 26: 289–304.
6. Cooper, J., Zanna, M.P. and Taves, P.A. (1978) ‘Arousal as a necessary condition for attitude change following induced compliance’, Journal of Personality and Social Psychology, 36: 1101–6.
7. Zanna, M.P. and Cooper, J. (1974) ‘Dissonance and the pill: An attribution approach to studying the arousal properties of dissonance’, Journal of Personality and Social Psychology, 29: 703–9.
8. Linder, D.E., Cooper, J. and Jones, E.E. (1967) ‘Decision freedom as a determinant of the role of incentive magnitude in attitude change’, Journal of Personality and Social Psychology, 6: 245–54.
9. Festinger, L. and Carlsmith, J.M. (1959) ‘Cognitive consequences of forced compliance’, Journal of Abnormal and Social Psychology, 58: 203–10.
10. Cooper, J. and Worchel, S. (1970) ‘The role of undesired consequences in the arousal of cognitive dissonance’, Journal of Personality and Social Psychology, 16: 312–20.
11. Cooper, J. and Fazio, R.H. (1984) ‘A new look at dissonance theory’, in L. Berkowitz (ed.), Advances in Experimental Social Psychology, Vol. 17. Orlando, FL: Academic Press. pp. 229–64.
12. Beauvois, J. and Joule, R.V. (1999) ‘A radical point of view on dissonance theory’, in E. Harmon-Jones and J. Mills (eds), Cognitive Dissonance: Progress on a Pivotal Theory in Social Psychology. Washington, DC: American Psychological Association. pp. 43–70.
13 Aronson, E. (1992) ‘The return of the repressed: Dissonance theory makes a comeback’, Psychological Inquiry, 3: 303–11.
14. Stone, J. and Cooper, J. (2001) ‘A self-standards model of cognitive dissonance’, Journal of Experimental Social Psychology, 37: 228–43.


Joel Cooper, “Cognitive Dissonance. Revisiting Festinger’s End of the World study”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Psychologische Theorien

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017

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