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Gruppenverhalten: Der Begriff des Gruppenverhaltens ist mehrdeutig in Bezug darauf, ob das Verhalten von Individuen in einer Gruppe oder das Verhalten von Gruppen gegenüber anderen Gruppen betrachtet wird. Hilfsbegriffe dazu sind Intra-Gruppenverhalten (Verhalten von Individuen) und Inter-Gruppenverhalten (Verhalten von Gruppen). Als dritter Aspekt tritt das mögliche Herausbilden neuer Gruppen hinzu. In der LIteratur wird - ausgehend von der Terminologie Muzafer Sherif’s - mit Intergruppenverhalten oft sowohl das Verhalten von Individuen innerhalb einer Gruppe als auch das Verhalten von Gruppen gegenüber anderen Gruppen bezeichnet. Siehe auch Kollektive, Gemeinschaften, Konflikte.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Psychologische Theorien über Gruppenverhalten - Lexikon der Argumente

Haslam I 154
Gruppenverhalten/Jungen-Camp-Studien/Robbers Cave Experiment/Sherif/Psychologische Theorien: Die Studien (Sherif und Sherif, 1969(1) >Robbers Cave Experiment/Sherif, >Soziale Gruppen/Sherif) zeigten, dass Eindrücke, Einstellungen und Verhaltensweisen zwischen den Gruppen sowohl (a) Folgen von Intergruppenbeziehungen (im Gegensatz zu Ursachen) als auch (b) psychologisch sinnvoll für die Gruppenmitglieder sind. Insbesondere wurde in den Studien gezeigt, dass sich die gruppenübergreifenden Eindrücke (d.h. Stereotypen) sowohl inhaltlich als auch wertig stark unterscheiden, um Veränderungen in den Wettbewerbs- und Kooperationsbeziehungen zwischen den beiden Gruppen widerzuspiegeln.
Haslam I 155
Ergebnisse: [Die Studien] bieten einen klaren Weg, um einen breiteren sozialen Wandel zu verfolgen: Um negative Stereotypen abzubauen und positive Einstellungen zwischen den Gruppen zu fördern, muss man die realen Beziehungen zwischen realen Gruppen, aus denen sie entstehen, verändern. In diesem Zusammenhang kann der Versuch, die Harmonie zwischen den Gruppen zu fördern, indem man einfach Mitglieder der beiden Gruppen zusammenbringt, um zu zeigen, dass "sie alle nur normale, anständige Menschen sind", als gefährlich naiv angesehen werden. >Soziale Gruppen/Psychologische Theorien.
Haslam I 159
Antagonismus innerhalb von Gruppen: (Sherif und Sherif 1969(1): 284): "Wenn sich zwei Gruppen unwiderruflich zu widersprüchlichen Zielen bekennen, macht es wenig Sinn, Bedingungen zu diskutieren, die der Konfliktreduzierung förderlich sind. Sie werden weiterhin die Schuld für den Zustand der Dinge aufeinander schieben. .... Kurz gesagt, es gibt sehr reale Konflikte von lebenswichtigem Interesse, die das Entstehen übergeordneter Ziele ausschließen."





1. Sherif, M. and Sherif, C.W. (1969) Social Psychology. New York: Harper & Row.


Michael W. Platow and John A. Hunter, „ Intergroup Relations and Conflicts. Revisiting Sherif’s Boys’ Camp studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications

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Haslam I 173
Gruppenverhalten/Mimale Gruppen/Abhängigkeit/VsTajfel/Psychologische Theorien: Gaertner und Insko (2000)(1) baten die Teilnehmer, Belohnungen zu vergeben, variierten aber, ob der andere Zuteiler ein Gruppenmitglied der eigenen Gruppe oder ein Mitglied der anderen Gruppe (OutGroup) war und ob die Teilnehmer persönlich Belohnungen erhalten würden oder nicht. Die Teilnehmer bevorzugten ihre eigene Gruppe (InGroup) gegenüber der OutGroup, aber nur, wenn sie für ihre eigenen Ergebnisse auf ein InGroup-Mitglied angewiesen waren. Eine weitere Studie von Wolfgang Stroebe und Kollegen (2005)(2) manipulierte orthogonal die Abhängigkeit der Teilnehmer von der InGroup (ja, nein) und der OutGroup (ja, nein) als Belohnung. Wie in der Studie von Gaertner und Insko zeigte sich, dass InGroup-Förderstrategien deutlich am stärksten waren, wenn es eine Abhängigkeit von der InGroup und nicht von der OutGroup gab. Siehe auch >Gruppenverhalten/Tajfel, >Minimale Gruppe/Tajfel, >Soziale Identitätstheorie/Tajfel, >Egoismus/Tajfel.
Haslam I 174
Reziprozität: Die Menschen neigen dazu, auf die Abhängigkeitsstruktur zu reagieren und sich dann mit Bevorzugung derjenigen zu revanchieren, von denen sie abhängig sind, aber dieser Effekt ist für die Abhängigkeit von der InGroup (also "begrenzt") wesentlich stärker (Yamagishi und Kiyonari, 2000)(3).
Diese Idee wird auch durch immer wiederkehrende Beweise gestützt, dass die Menschen tatsächlich erwarten, dass die Gruppe ihre Kollegen mehr belohnt (Gaertner und Insko, 2000(1); Jetten et al., 1996(4); Stroebe et al., 2005(3)). >Reziprozität/Psychologische Theorien, >Minimale Gruppen/Psychologische Theorien.



1. Gaertner, L. and Insko, C.A. (2000) ‘Intergroup discrimination in the minimal group paradigm: Categorization, reciprocation or fear?’, Journal of Personality and Social Psychology, 79: 77–94.
2. Stroebe, K.E., Lodewijkx, H.F.M. and Spears, R. (2005) ‘Do unto others as they do unto you: Reciprocity and social identification as determinants of in-group favoritism’, Personality and Social Psychology Bulletin, 31: 831–46.
3. Yamagishi, T. and Kiyonari, T. (2000) ‘The group as container of generalized reciprocity’, Social Psychology Quarterly, 62: 116–32.
4. Jetten, J., Spears, R. and Manstead, A.S.R. (1996) ‘Intergroup norms and intergroup discrimination: Distinctive self-categorization and social identity effects’, Journal of Personality and Social Psychology, 71: 1222–33.


Russell Spears and Sabine Otten,“Discrimination. Revisiting Tajfel’s minimal group studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Psychologische Theorien

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017

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