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John S. Dryzek über Demokratietheorie – Lexikon der Argumente

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Demokratietheorie/Dryzek: Entwicklung von Theorien: 1989 konnte Robert Dahl plausibel eine große Erklärung und Verteidigung der Demokratie organisieren, indem er die Idee einer Art Folie der Vormundschaft benutzte, dass irgendeine Elite sowohl weiß, was das Beste für die Gesellschaft ist, als auch über die entsprechenden Fachkenntnisse verfügt, um dieses Programm umzusetzen. Im Jahr 2004 wäre das den Aufwand nicht mehr wert. Ernsthafte Befürworter der Vormundschaft sind nicht mehr zu finden. Zum Beispiel im Bereich des umweltpolitischen Denkens, in der Ökologisch-autoritäre Modelle der 1970er Jahre recht populär waren (für eine extreme Aussage siehe Heilbroner, 1974)(1).
In den 1990er Jahren war die grüne Demokratie das wichtigste florierende Unternehmen im ökopolitischen Denken (siehe zum Beispiel die von Mathews 1996 gesammelten Aufsätze)(2),
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während die Befürworter der ökologischen Vormundschaft fast verschwunden sind. Andere "tote Enten" sind die Volksdemokratie, die Arbeitsplatzdemokratie, die Gemeindedemokratie (im Sinne einer Mobilisierung der gesamten Gemeinschaft), Kollektive, die juristische Demokratie von Theodore Lowi (1969)(3) und vielleicht der demokratische Sozialismus. Dennoch gibt es nur wenige tote demokratische Enten, und sie werden zahlenmäßig immer von neuen demokratischen Entenküken übertroffen. So wird mit der Zeit die Demokratietheorie nicht weniger als die Demokratie selbst immer differenzierter und komplexer.
Deliberative Demokratie: Obwohl es viele verschiedene Formen der Demokratie gibt, ist die vorherrschende Strömung in der Demokratietheorie heute eine deliberative Demokratie. Tatsächlich ist es richtig zu sagen, dass die Theorie der Demokratie um 1990 eine deliberative Wende nahm. Daher können verschiedene Darstellungen der Demokratie hinsichtlich des Inhalts, der Stärke und der Bedeutung ihrer Beziehung zur deliberativen Wende beurteilt werden - sei es in Bezug auf Unterstützung, Opposition, Gefangennahme oder Qualifikation.
Mit der deliberativen Wende wurde der Kern der demokratischen Legitimität stattdessen das Recht oder die Fähigkeit der einer öffentlichen Entscheidung unterworfenen Personen, an echten Beratungen teilzunehmen (siehe Manin, 1987(4); Cohen, 1989(5); der Begriff "deliberative Demokratie" wurde erstmals von Bessette, 1980(6), verwendet). >Deliberative Demokratie/Dryzek, >Demokratie/Dryzek.


1. Heilbroner, Robert L. (1974) An Inquiry Into the Human Prospect. New York: Norton.
2. Mathews, Freya, (Hrsg.) (1996) Ecologv and Democracy. London: Cass.
3 Lowi, Theodore J. (1969) The End of Liberalism. New York: Norton.
4. Manin, Bernard (1987) 'On legitimacy and political deliberation'. Political Theory, 15: 338—68.
5. Cohen, Joshua (1989) 'Deliberation and democratic legitimacy'. In Alan Hamlin and Philip Pettit, eds, The Good Polity: Normative Analysis of the State. Oxford: Blackwell.
6. Bessette, Joseph M. (1980) 'Deliberative democracy: the majoritarian principle in republican government'. In Robert A. Goldwin and William A. Shambra, eds, How Democratic is the Constitution? Washington, DC: American Enterprise Institute.

Dryzek, John S. 2004. „Democratic Political Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Dryzek, John S.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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