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Antike Philosophie über Zwang - Lexikon der Argumente

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Zwang/Antike Philosophie/Keyt/Miller: In der griechischen Welt war das auf Gewalt basierende Verhältnis von Herr zu Sklave das wichtigste (Aristoteles, Pol. 1.3.1253b20-3). Die Furcht vor der Sklaverei, die einer sehr realen Furcht entsprang, war ein herausragendes Merkmal des griechischen Lebens und Denkens. Griechische Städte befanden sich häufig im Krieg, und es war gängige Praxis, die Soldaten zu töten und die Frauen und Kinder einer eroberten Stadt zu versklaven (Thukydides III.62.2, V.32. l, V.116.3 und anderswo).
Regierungsführung: Die Griechen betrachteten jedes Verhältnis von Herrscher zu Beherrschtem, das auf Gewalt beruht, als ein Verhältnis von Herr zu Sklave. Ihr Wort für eine solche Beziehung war "despotisch" (despotiké, wörtlich "eines Herrn"). Einem anderen gewaltsam unterworfen zu sein, bedeutete in ihren Augen nicht besser als ein Sklave zu sein. Diese Idee scheint die treibende Kraft hinter der Entwicklung der griechischen Demokratie, der wichtigsten politischen Innovation der Griechen, zu sein.
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Freiheit: Freiheit und Gleichheit waren (wie sie immer noch sind) die bestimmenden Merkmale der Demokratie (Platon, Rep. VIII.557a2-b6; Aristoteles, Pol. V.9.1310a25-34, VI.1318a3-10). Freiheit wurde im Volksmund definiert als Leben, wie man es sich wünscht (Herodot III.83.3; Thukydides II.37.2; Platon, Rep. VII.557b4-6; Isokrates, Areop. 20; Aristoteles, Pol. V.9.1310a31-2, VI.2.1317blO-12).
Zwang: Nach dieser populären Definition bedeutet, gegen seinen Willen zu etwas gezwungen zu werden, seine Freiheit zu verlieren, und seine Freiheit zu verlieren bedeutet, versklavt zu werden. Von einem Herrscher gezwungen zu werden, etwas zu tun, was man nicht tun will, bedeutet also, wie ein Sklave behandelt zu werden.
Demokratie/Gemeinschaft: Der griechische Demokrat ließ sich folglich nur ungern regieren. Da er jedoch in einer politischen Gemeinschaft leben wollte, versuchte er, den Despotismus zu vermeiden, der der ungleichen Macht von Herrscher und Regierten innewohnt.
Gleichheit: Ohne Gleichheit gibt es seiner Ansicht nach keine Freiheit (Platon, Menex. 238el-239a4). Daher erfand er eine Reihe cleverer Vorkehrungen, um Ungleichheiten der politischen Macht zu beseitigen oder zu minimieren: Selbstherrschaft (jeder freie Mann ist Mitglied der Versammlung), Rotation der Ämter, kurze Amtszeit und die Verwendung des Loses. Ironischerweise wurde die athenische Demokratie unter Perikles von ihren Feinden angeprangert, weil sie versuchte, alle anderen Griechen durch die Errichtung eines Weltreiches zu versklaven (Thukydides I.124.3).


Keyt, David and Miller, Fred D. jr. 2004. „Ancient Greek Political Thought“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Antike Philosophie

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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