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Sozialwahltheorie über Soziale Bewegungen - Lexikon der Argumente

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Soziale Bewegungen/Sozialwahltheorie/Rationalwahltheorie/West: Die Anerkennung der potentiellen Rationalität kollektiven Handelns spiegelt sich (...) in theoretischen Versuchen zur Erklärung der Aktivität sozialer Bewegungen wider.
Theorie der Ressourcenmobilisierung: Insbesondere in den USA hat das einflussreiche Paradigma der 'Rationalwahltheorie' die Methoden der neoklassischen Ökonomie auf die Erklärung von Sozialverhalten angewandt und die 'Theorie der Ressourcenmobilisierung' (RMT) (...) hervorgebracht (...). Die RMT behandelt soziale Bewegungen als mehr oder weniger erfolgreiche Versuche von Individuen, menschliche und andere Ressourcen zum Wohle kollektiver Ziele zu mobilisieren. Die Verfügbarkeit von Ressourcen, die Fähigkeit von "politischen Unternehmern", diese Ressourcen zu mobilisieren, und die "politische Opportunitätsstruktur" des umgebenden politischen Systems tragen alle zu der charakteristischen Flugbahn von Erfolg und Misserfolg, Wachstum und Niedergang - oder dem "Lebenszyklus" - von Bewegungen bei (Oberschall, 1973(1); Tilly, 1978(2); Zald und McCarthy, 1987(3)).
Die Probleme: (...) Die RMT befasst sich mit den formalen Eigenschaften von sozialen Bewegungen im Allgemeinen und nicht mit den inhaltlichen Merkmalen neuer sozialer Bewegungen im Besonderen. Sie betrachtet allgemeine Voraussetzungen, Probleme und Determinanten kollektiven Handelns. Aber wie andere Rationalwahltheorien hat sie nichts über die besonderen Ziele, Werte oder Ideologie der Akteure neuer sozialer Bewegungen zu sagen (Piven und Cloward, 1992(4)).
1) VsRationale Wahlmöglichkeit/West: Theorien der rationalen Wahl können zwar Theoreme ableiten, die die "rationalen" Entscheidungen vorhersagen, die Handelnde auf der Grundlage bestimmter "Präferenzen" treffen, aber sie sind notorisch nicht in der Lage, Licht auf die Bildung dieser Präferenzen oder ihre mögliche Ersetzung durch andere zu werfen (Hindess, 1988)(5).
2) VsRationale Wahl: Rationale Wahlansätze haben zum Beispiel viel mit dem "Problem der Wahl" zu tun - der scheinbaren Irrationalität, auch nur minimale Anstrengungen zu unternehmen, wenn die Chancen, den Ausgang von Wahlen zu beeinflussen, verschwindend gering sind (Brennan und Lomasky, 1993)(6). Sie müssen also sicherlich Schwierigkeiten haben zu verstehen, warum Menschen erhebliche langfristige Anstrengungen unternehmen und sogar ernsthafte (manchmal tödliche) Risiken um der politischen Ziele willen eingehen.
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In jüngster Zeit hat es in der Tat Überlegungen zu solchen Konzepten gegeben (Johnston und Klandermans, 1995)(7).


1. Oberschall, Anthony (1973) Social Conflict and Social Movements. Englewood Cliffs, NJ: Prentice Hall.
2. Tilly, Charles (1978) From Mobilization to Revolution. Reading, MA: Addison-Wesley.
3. Zald, Mayer N. and John McCarthy (1987) Social Movements in an Organizational Society. New
Brunswick, NJ: Transaction.
4. Piven, F. F. and R. A. Cloward (1992) 'Normalizing collective protest'. In A. Morris and C. M. Mueller, Hrsg., Frontiers in Social Movement Theory. New Haven, CT: Yale University Press.
5. Hindess, Barry (1988) Choice, Rationality and Social Theory. London: Unwin Hyman.
6. Brennan, Geoffrey and Loren Lomasky (1993) Democracy and Decision: The Pum Theory of Electoral Preference. Cambridge: Cambridge University Press.
7. Johnston, Hank and Bert Klandermans, eds (1995) Social Movements and Culture. Minneapolis: University of Minnesota Press.

West, David 2004. „New Social Movements“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Sozialwahltheorie

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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