Philosophie Lexikon der Argumente

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Wissen: Wissen ist ein bewusstes Verhältnis zu Sätzen bzw. Aussagen oder Propositionen, das diesen auf gerechtfertigte Weise Wahrheit oder Falschheit zuspricht. Was gewusst wird, ist wahr. Umgekehrt gilt nicht, dass alles was wahr ist, auch gewusst wird. Siehe auch Wissen wie, Wissen dass, propositionales Wissen, Realismus, Fähigkeiten, Kompetenz, Wahrheit, Tatsachen, Sachverhalte, Sprache, Gewissheit, Überzeugungen, Allwissenheit, Logisches Wissen, Verlässlichkeit.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Aristoteles über Wissen - Lexikon der Argumente

Bubner I 118
Wissen/Aristoteles: das außerhalb wissenschaftlicher Beweise verfügbare Wissen stellt die Verbindung der Wissenschaftstheorie mit der allgemeinen Ontologie her.
I 119
Wissen/AristotelesVsPlaton (Menon): kein Wissen entsteht aus nichts.
Bei Syllogismus und Epagogé (heute umstritten, ob als Induktion aufzufassen) gibt es Vorwissen.
I 120
Epagogé/Aristoteles/Bubner: entsteht aus der rhetorischen Übung des Beibringens von Beispielen. Hinführung. Nicht strenge Induktion im heutigen Sinn des Verhältnisses von Allaussagen und Einzelfällen.
Bei Aristoteles: kein vergleichbares Subsumtionsverhältnis.
Vorwissen/Aristoteles: woher stammt es? Das konkrete Einzelne ist uns aus der Sinneserfahrung immer schon vertraut. Aber das Allgemeine?
Allgemeinheit/Wissen/AristotelesVsPlaton: VsAnamnesis: auch Wissen über das Allgemeine stammt aus sinnlicher Erfahrung und eben Epagogé.
I 149
Wissen/Metaphysik/Aristoteles/Bubner: um wirklich und endgültig zu wissen, bedarf es der Sicherheit, dass das Wissen ganz zu sich gekommen, indem auch das noch erkannt wird, woraus sich alles schon existente Wissen erklärt. Solche Sicherheit lässt sich nicht von außen bestimmen, sie muss im Wissen selber gefunden werden.

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Gadamer I 317
Wissen/Aristoteles/Gadamer: Die menschliche Gesittung ist von der Natur dadurch wesentlich unterschieden, dass sich in ihr nicht einfach Fähigkeiten oder Kräfte auswirken, sondern dass der Mensch erst durch das, was er tut und wie er sich verhält, zu
Gadamer I 318
einem solchen wird, der so geworden, d. h. aber: so seiend, sich in bestimmter Weise verhält. [Wie kann] es von dem sittlichen Sein des Menschen ein theoretisches Wissen geben (...) und welche Rolle [spielt] Wissen (d. h. „Logos“) für das sittliche Sein des Menschen (...)?
Allgemeines/Besonderes: Wenn das Gute für den Menschen jeweils in der Konkretion der praktischen Situation begegnet, in der er sich befindet, so muss das sittliche Wissen eben dies leisten, der konkreten Situation gleichsam anzusehen, was sie von ihm verlangt. Anders ausgedrückt, der Handelnde muss die konkrete Situation im Lichte dessen sehen, was von
ihm im allgemeinen verlangt wird. Das heißt aber negativ, dass ein Wissen im allgemeinen, das sich nicht der konkreten Situation zu applizieren weiß, sinnlos bleibt, ja die konkreten Forderungen, die von der Situation ausgehen, zu verdunkeln droht. Dieser Sachverhalt, der das Wesen der sittlichen
Besinnung ausspricht, macht eine philosophische Ethik nicht nur zu einem methodisch schwierigen Problem, sondern gibt dem Problem der Methode zugleich eine moralische Relevanz. >Ethik/Aristoteles.
Gadamer I 319
Aristoteles bleibt insofern Sokratiker, dass er das Wissen als ein Wesensmoment des sittlichen Seins festhält (...).
Gadamer: Das sittliche Wissen, wie es Aristoteles beschreibt, ist offenkundig kein gegenständliches Wissen. Der Wissende steht nicht einem Sachverhalt gegenüber, den er nur feststellt, sondern er ist von dem, was er erkennt, unmittelbar betroffen.
Wissenschaft/Wissen/Gadamer: Dass das nicht das Wissen der Wissenschaft ist, ist klar. Insofern ist die Abgrenzung, die Aristoteles zwischen dem sittlichen Wissen der „Phronesis“und dem theoretischen Wissen der „Episteme“ vornimmt, einfach, insbesondere wenn man bedenkt, dass für die Griechen Wissenschaft, durch das Vorbild der Mathematik repräsentiert, ein Wissen vom Unveränderlichen ist, ein Wissen, das auf Beweis beruht und das daher jeder lernen kann. Dagegen: Siehe >Techne/Aristoteles.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Bu I
R. Bubner
Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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