Philosophie Lexikon der Argumente

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Wahrheit, Philosophie: Verschiedenste Ansätze nehmen für sich in Anspruch, Wahrheit entweder zu definieren, zu erklären oder ihre prinzipielle Undefinierbarkeit zu behaupten. A. Sprachlich orientierte Theorien setzen entweder eine Übereinstimmung von Aussagen mit Ausschnitten der Welt oder eine Stimmigkeit mit anderen Aussagen voraus. Siehe auch Wahrheitstheorie, Wahrheitsdefinition, Bedeutungstheorie, Korrespondenztheorie, Kohärenztheorie, Tatsachen, Sachverhalte, Paradoxien, Semantik, Deflationismus, Disquotationalismus, Kriterien, Beweise. B. Handlungsorientierte Wahrheitstheorien nehmen eine zukünftige Verwirklichung von Zuständen zum Maßstab, die mit einem angestrebten Ideal in Einklang gebracht werden sollen. Siehe auch Wirklichkeit, Richtigkeit, Pragmatismus, Idealisierung, Ideen. C. Wahrheitsorientierte Theorien der Kunst sprechen Kunstwerken unter Umständen Qualitäten zu, die die zukünftige Verwirklichung von als ideal angenommenen gesellschaftlichen Zuständen zum Vorschein bringen. Siehe auch emphatische Wahrheit, Fiktionen, Kunst, Kunstwerke.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Stephen Leeds über Wahrheit – Lexikon der Argumente

I 369
Wahrheit/Wahrheitstheorie/WT/natürliche Sprache/Leeds: angenommen, eine natürliche Sprache ohne Funktionssymbole und Kennzeichnungen.
Einzige singuläre Termini sind Namen.
Ref in L/RiL: Abbildung von Namen auf Denotationen und Prädikaten auf Extensionen.
Wahrheit in L/WiL: Funktion, die jedem Satz den Wahrheitswert zuschreibt. - Tarski/Leeds: zeigte, dass Ril kanonisch WiL determiniert. - D.h. wenn die RiL gegeben ist, gibt es eine Methode, die W-Def hinzuschreiben. - Jedes W-Schema wird also von einem Referenz-Schema bestimmt.
Problem: bloß zu wissen, dass WiL eins der W-Schemata ist, ist nicht hinreichend für eine Definition von WiL.
Lösung: wenn wir Referenz in L definieren können, dann auch Wahrheit.
I 370
Referenz/Ref-Def/Tarski/Leeds: implizit vorhanden: R-Satz: "Cäsar" referiert auf Cäsar - ((s) Das geht nur, wenn Kennzeichnungen ausgeschlossen sind) - Das wäre eine Standard-Interpretation (SI) für eine natürliche Sprache. - SI-Theorie: These: Jede Sprache hat eine SI.
I 380
Wahrheit/Leeds: Problem: dann ist "Wahrheit" bloß ein künstlicher Begriff für die Möglichkeit, Verallgemeinerungen zu machen. - Pointe: dann ist Wahrheit theoretisch verzichtbar. - Leeds: nicht unmöglich, eine Sprache mit unendlichen Konjunktionen und Disjunktionen zu lernen. - Nützlichkeit: des W-Begriffs: kann ganz ohne Referenz (Bezug auf die Welt!) erklärt werden. - Dann keine Wahrheitstheorie, sondern Theorie des W-Begriffs. - und zwar aus formalen Gegebenheiten der Sprache, nicht aus der Relation Sprache-Welt. - Wahrheit ohne Referenz: Bsp semantischer Aufstieg: "Einige von Freuds Thesen sind wahr, andere falsch".
I 381
Die Tatsache, dass wir die Wahrheit sagen sollten ist ein Datum für die Theorie des W-Begriffs.
I 386
Verallgemeinerung von unendlicher Konjunktion ohne W-Begriff: Bsp die Leute ermahnen, nur Sätze zu sagen, die sie akzeptieren.
W-Def/Leeds: dagegen ist die Tatsache, dass Bsp "Alle Menschen sind sterblich" wahr ist, ist eine Konsequenz der W-Def. (Zusammen mit der Tatsache, dass alle Menschen sterblich sind.)


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Leeds I
Stephen Leeds
"Theories of Reference and Truth", Erkenntnis, 13 (1978) pp. 111-29
In
Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994

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