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Geschichte: Geschichte ist die von Menschen erfasste und dargestellte Menge vergangener Ereignisse. Mit der prinzipiellen Begrenztheit an Verarbeitungs- und Darstellungsressourcen hängt zusammen, dass Relevanz eine zentrale Rolle bei der Darstellung spielt. Geschichte unterscheidet sich auch darin von der Vergangenheit – die die Gesamtheit der früheren Ereignisse umfasst – dass sie immer wieder neu geschrieben wird, indem die Beziehungen zwischen Ereignissen und ihre Relevanz neu bewertet werden. Siehe auch Vergangenheit, Erinnerung, Zukunft, Gesellschaft, Fortschritt.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Augustinus über Geschichte - Lexikon der Argumente

Höffe I 109
Geschichte/Heilsgeschichte/Augustinus/Höffe: Der Gedanke einer einheitlichen, zunächst auf Christus, schließlich auf das Jüngste Gericht zulaufenden Geschichte, einer Weltgeschichte als Heilsgeschichte, hat zahlreiche Wurzeln. Ihre kreative Verbindung, eine herausragende Leistung der Synthese, findet nun bei Augustinus den ersten, lange nachwirkenden Höhepunkt.
Alttestamentarische Wurzeln: (...) der Gedanke einer einheitlichen Geschichte von dem an seinem auserwählten Volk und mit ihm handelnden Gott. Hinzu kommen die im Alten Testament begonnene und im Neuen Testament fortgesetzte Tradition der Apokalypse und die Erfahrung, dass die Wiederkunft Christi ausbleibt. Weiterhin gibt es neuplatonische Gedanken.
Zeitalter/Weltalter: Auf den Apostel Paulus schließlich geht eine Einteilung der Weltgeschichte in drei Zeitalter zurück, in das Zeitalter vor dem Gesetz, das unter dem Gesetz und am Ende das unter der göttlichen Gnade.
Höffe I 110
Gläubige/Ungläubige: Nach der im Gottesstaat entfalteten Synthese ist die Geschichte ein veritables Drama, angetrieben von der Spannung zwischen dem weltlichen Reich der Ungläubigen und dem göttlichen Reich der Gläubigen.
Schicksal: Die sich aus diesem Kampf entwickelnde Geschichte wird weder von einem Schicksal (fatum) noch einer (neu)platonischen Weltseele beherrscht.
Vorsehung: Entscheidend sind die Vorsehung Gottes und der in (engen) Grenzen freie Wille des Menschen (1), dessen Missbrauch freilich zu «einer Kette von Elend und Leid» führt(2). >Fortschritt/Augustinus.
Höffe I 117
Augustinus’ Geschichtstheorie führt bei dem einflussreichen Geschichtsschreiber und auch politisch aktiven Bischof Otto von Freising (1112–1158) zur Deutung der Weltgeschichte als einem Ringen zwischen den beiden Reichen, dem Welt- und dem Gottesreich.
Fortschritt/Kant/Hegel: Ein formaler Kern von Augustinus’ Geschichtsdenken, der teleologische, auf ein positives Ziel zulaufende Charakter, der Gedanke des Fortschritts, lebt aber vielerorts weiter, teils wie bei Kant und Hegel als Fortschritt von Recht und Freiheit, teils wie in einer bis heute praktizierten Aufklärung als Fortschritt von Wissenschaft, Medizin und Technik.


1. Augustinus, Der Gottesstaat V, 8 ff.
2. Ebenda, XIII, 14


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Augustinus

Höffe I
Otfried Höffe
Geschichte des politischen Denkens München 2016

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