Philosophie Lexikon der Argumente

Home Screenshot Tabelle Begriffe

 
Fortschritt: Fortschritt ist alltagssprachlich ein Ausdruck für die positive Bewertung einer Zustandsänderung im Hinblick auf ein implizit oder explizit angenommenes Ziel. In den Wissenschaften spricht man neutraler z.B. von einem fortschreitenden Krankheitsverlauf. Damit ist eine Aneinanderreihung von mehr oder weniger typischen Stadien in einem Zeitverlauf gemeint. Der Ausdruck Fortschritt wird nicht angewendet, wenn ein Verlauf gänzlich untypisch ist. Siehe auch Geschichte, Aufklärung, Prozess, Wissenschaft.

_____________
Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Augustinus über Fortschritt - Lexikon der Argumente

Höffe I 110
Fortschritt/Mensch/Augustinus/Höffe: In [Augustinus‘] Heilsgeschichte kommt es auf eine Erziehung des Menschengeschlechts an, die analog zur Erziehung des einzelnen Menschen erfolgt. Als ein Prozess des Fortschritts schwingt sie «sich allmählich vom Sichtbaren [Weltlichen] zum Unsichtbaren [Spirituellen] empor»(1).
Des Näheren interpretiert Augustinus den Geschichtsablauf nach dem Muster von Altersstufen, deren Sechszahl an die sechs Schöpfungstage, in ihrem Ablauf aber auch an die in den Bekenntnissen beschriebene persönliche Entwicklung erinnert:
(1) Nachdem man zunächst «widerstandslos dem Fleisch unterworfen» ist, kommt
(2) zwar Vernunft, die aber den Kampf gegen die lasterhaften Neigungen noch nicht aufnimmt.
(3) Empfängt man «die Sakramente des Mittlers», so geht man «aus der Macht der Finsternis ins Reich Christi ein».
(4) Sobald man das (christliche) Gebot erfährt, ist ein Kampf gegen die Leidenschaften aufzunehmen, den
(5) nur derjenige gewinnt, der eine «im Glauben an Christus» gründende «wahre Freude an der Gerechtigkeit» erreicht.
(6) Von einem Sieg über die Leidenschaften darf man jedoch erst dann sprechen, «wenn sie durch die Liebe zu Gott überwunden werden»(2).
(7) Auf diese sechs Werktage folgt die letzte und höchste Stufe. Sie entspricht dem siebten Schöpfungstag, bildet den Schluss des umfangreichen Gottesstaates und besteht in der «ewigen Seligkeit des Gottesstaates und dem immerwährenden Sabbat»(3).
Höffe I 117
Fortschritt/Kant/Hegel: Ein formaler Kern von Augustinus’ Geschichtsdenken, der teleologische, auf ein positives Ziel zulaufende Charakter, der Gedanke des Fortschritts, lebt aber vielerorts weiter, teils wie bei Kant und Hegel als Fortschritt von Recht und Freiheit, teils wie in einer bis heute praktizierten Aufklärung als Fortschritt von Wissenschaft, Medizin und Technik.


1. Augustinus, Der Gottesstaat X, 14
2. Ebenda, XXI, 16
3. Ebenda, XXII, 30


_____________
Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Augustinus

Höffe I
Otfried Höffe
Geschichte des politischen Denkens München 2016

Send Link
> Gegenargumente gegen Augustinus
> Gegenargumente zu Fortschritt

Autoren A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Y   Z  


Begriffe A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   Z