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Theorien: Theorien sind Aussagensysteme zur Erklärung von Beobachtungen z.B. von Verhalten oder physikalischen, chemischen oder biologischen Prozessen. Beim Aufstellen von Theorien werden ein Gegenstandsbereich, ein Vokabular der zu verwendenden Begriffe und zulässige Methoden der Beobachtung festgelegt. Ziel der Theoriebildung ist außer Erklärungen Prognosefähigkeit und Vergleichbarkeit von Beobachtungen. Siehe auch Systeme, Modelle. Experimente, Beobachtung, Beobachtungssprache, Theoretische Termini, Theoretische Entitäten, Voraussagen, Analogien, Vergleiche, Beweise, Verifikation, Reduktion, Definitionen, Definierbarkeit.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Antike Philosophie über Theorien - Lexikon der Argumente

Gadamer I 458
Theorie/Antike Philosophie/Gadamer: Wie die Sprache sagt, „bildet“ man Theorien. Darin liegt bereits, dass eine Theorie die andere ablöst, und jede von vornherein nur bedingte Geltung verlangt, nämlich soweit nicht die fortschreitende Erfahrung eines Besseren belehrt.
Antike Philosophie: Die antike Theoria ist nicht im gleichen Sinne ein Mittel, sondern der Zweck
selbst, die höchste Weise des Menschseins.(1) Trotzdem bestehen enge Zusammenhänge. Hier wie dort ist das praktisch-pragmatische Interesse überwunden, das alles, was immer begegnet, im Lichte der eigenen Absichten und Zwecke sieht. Aristoteles berichtet uns, dass die theoretische Lebenshaltung erst dort aufkommen konnte, wo alles Notwendige für die Bedürfnisse des Lebens bereits zur Verfügung stand.(2)
Moderne: (...) die Theorien selbst, die hier entworfen werden,[sind] von den Anwendungsmöglichkeiten her bewertet, d, h. die theoretische Erkenntnis selbst wird von der
willentlichen Beherrschung des Seienden her und nicht als Zweck, sondern als Mittel gedacht. Antike: Theoria im antiken Sinne dagegen ist etwas ganz anderes. Da werden nicht nur bestehenden Ordnungen als solche angeschaut, Theoria bedeutet vielmehr darüber hinaus Teilhabe an dem Ordnungsganzen selbst.
I 459
Vorhandenheit/Heidegger: Als [Heidegger] den Begriff der Vorhandenheit als einen defizienten Modus von Sein aufwies und als den Hintergrund der klassischen Metaphysik und ihrer Fortwirkung im Subjektivitätsbegriff der Neuzeit erkannte, war er einem ontologisch richtigen Zusammenhang zwischen der griechischen Theoria und der modernen Wissenschaft gefolgt.
Gadamer: In der griechischen Theoria selbst lag aber gewiss etwas anderes noch. Theoria erfasst nicht so sehr Vorhandenes, als vielmehr die Sache selbst, die noch die Würde des „Dinges“ hat. Dass die Erfahrung des Dinges mit der bloßen Feststellbarkeit des puren Vorhandenseins so wenig zu tun hat wie mit der Erfahrung der sogenannten
I 460
Erfahrungswissenschaften, hat gerade der spätere Heidegger selber betont.(3)


1. Vgl. Meine Arbeit „Lob der Theorie“ in dem gleichnamige, von mir herausgegebenen Band, Frankfurt 1983, S. 26-50; Bd. 10 der Ges. Werke,)
2. Met. A 1.
3. Vgl. über „das Ding“ Vorträge und Aufsätze, S. 164f. Hier wird die summarische Zusammenschau der „Theoria“ mit der „Wissenschaft vom Vorhandenen“ die „Sein und Zeit“ vorgenommen hatte, unter der Fragestellung des späteren Heidegger aufgelöst (vgl. auch ebenda S. 51 f.). (Vgl. auch mein Nachwort zu M. Heideggers Kunstwerk-Aufsatz, Stuttgart 1960 (Reclam), S. 102—125,jetzt in „Heideggers Wege. Studien zum “Spätwerk“, Tübingen 1983, S. 81-92; Bd. 3 der Ges. Werke.)


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Antike Philosophie

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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