Philosophie Lexikon der Argumente

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Schönheit: Dass etwas schön sei, drückt die positive Wertung einer Sinneserfahrung aus. Als schön empfunden werden z.B. Natur, Düfte, Klänge und menschliche Hervorbringungen. Dass im Bereich der Kunst Urteile darüber, was als schön anzusehen sei, stärkeren Schwankungen bzw. geschichtlichen Entwicklungen unterworfen sind als im Bereich der Naturwahrnehmung, muss nicht als Beweis für subjektive Beliebigkeit gewertet werden. Vielmehr wandeln sich Urteile mit zunehmendem Wissensbestand. Siehe auch Ästhetik, Kunst, Kunstwerke, Wahrnehmung, Urteile.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Antike Philosophie über Schönheit - Lexikon der Argumente

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Schönheit/Antike Philosophie/Gadamer: Das griechische Wort für das deutsche „schön« heißt kalon. Zwar gibt es dazu keine völligen Entsprechungen im Deutschen, auch nicht, wenn wir das Vermittelnde pulchrum heranzögen. Aber das griechische Denken hat eine gewisse Determination auf die Bedeutungsgeschichte des deutschen Wortes ausgeübt, so dass wesentliche Bedeutungsmomente beiden Worten gemeinsam sind. Mit dem Zusatz „schön“ unterscheiden wir von dem, was wir Technik nennen, d. h. von „mechanischen“ Künsten, die Nützliches herstellen.
Ähnlich ist es mit Wortverbindungen wie: schöne Sittlichkeit, schöne Literatur, schöngeistig us w. In all diesen Verwendungen steht das Wort in einem ähnlichen Gegensatz wie das griechische kalon zum Begriff des chresimon ((s) Nützliches). Alles, was nicht zum Notwendigen des Lebens gehört, sondern das Wie des Lebens, das eu zen betrifft, also all das, was die Griechen unter Paideia verstanden, heißt kalon.
Zweckmäßigkeit: Die schönen Dinge sind solche, deren Wert für sich selbst einleuchtet. Man kann nicht nach dem Zweck fragen, dem sie dienen. Sie sind um ihrer selbst willen vorzüglich (di' hauto haireton) und nicht wie das Nützliche um etwas anderen willen. Schon der Sprachgebrauch lässt so den erhöhten Seinsrang dessen, was kalon genannt wird, erkennen.
Häßliches: Aber auch der gewöhnliche Gegensatz, der den Begriff des Schönen bestimmt, der Gegensatz zum Häßlichen (aischron), weist in dieselbe Richtung. Aischron (häßlich) ist das, was keinen Anblick verträgt.
Schönes: Schön ist das, was sich sehen lassen kann, das Ansehnliche im weitesten Sinne des Wortes. „Ansehnlich“ ist auch im deutschen Sprachgebrauch ein Ausdruck für Größe. Und in der Tat verlangt die Verwendung des Wortes „schön« - im Griechischen wle im Deutschen - stets eine gewisse stattliche Größe.
Sittlichkeit: Indem die Bedeutungsrichtung auf das Ansehnliche in die ganze Sphäre des Geziemenden, der Sitte weist, nähert sich dieselbe zugleich der begriffli-
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chen Artikulation, die durch den Gegensatz zum Nützlichen (chresimon) gegeben war.
Das Gute: Der Begriff des Schönen tritt daher in engste Beziehung zu dem des Guten (agathon), sofern es als ein um seiner selbst willen zu wählendes, als Zweck, sich alles andere als nützliches Mittel unterordnet. Denn was schön ist, wird nicht als Mittel zu etwas anderem angesehen. >Schönheit/Platon.
Maß/Ordnung/Proportion: Die Basis der engen Verknüpfung der Idee des Schönen mit der der teleologischen Seinsordnung ist der pythagoreisch-platonische Maßbegriff.
Plato bestimmt das Schöne durch Maß, Angemessenheit und Proportioniertheit;
Aristoteles nennt als die Momente (eide) des Schönen Ordnung
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(taxis), Wohlproportioniertheit (symmetria) und Bestimmtheit (horismenon) und findet dieselben in der Mathematik in exemplarischer Weise gegeben. >Schönheit/Aristoteles.
Natur/Schönheit/Gadamer: Wie man sieht, ist eine solche Bestimmung des Schönen eine universale ontologische. Natur und Kunst bilden hier keinerlei Gegensatz, Das heißt natürlich, dass gerade auch im Hinblick auf Schönheit der Vorrang der Natur unbestritten ist. Die Kunst mag innerhalb des Gestaltganzen der Naturordnung ausgesparte Möglichkeiten künstlerischer Gestaltung wahrnehmen und auf diese Weise die schöne Natur der Seinsordnung perfektionieren.
Aber das bedeutet keineswegs, dass in erster Linie in der Kunst „Schönheit“ anzutreffen ist. Solange die Ordnung des Seienden als selber göttlich oder als Gottes Schöpfung verstanden wird - und das letztere gilt bis ins 18. Jahrhundert hinein - kann auch der Ausnahmefall der Kunst nur im Horizont dieser Seinsordnung verstanden werden.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Antike Philosophie

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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