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Johann Gustav Droysen über Erkenntnis – Lexikon der Argumente

Gadamer I 219
Erkenntnis/Droysen/Gadamer: Gegen den historischen Apriorismus stimmt [Droysen] mit Ranke überein, dass wir nicht das Ziel, sondern nur die Richtung der Bewegung erkennen können. Der Zweck der Zwecke, auf den die rastlose Arbeit der geschichtlichen Menschheit bezogen ist, ist nicht durch historische Erkenntnis auszumachen (§§ 80-86)(1).
Er ist nur Gegenstand unseres Ahnens und Glaubens. Diesem Bild der Geschichte entspricht nun die Stellung des historischen Erkennens.
DroysenVsRanke: Auch [historisches Erkennen] kann nicht so begriffen werden, wie Ranke [es] begriffen hatte, als eine ästhetische Selbstvergessenheit und Selbstauslöschung in der Art des großen epischen Dichtertums.
Ranke: Der pantheistische Zug in Ranke erlaubte hier den Anspruch einer universalen und zugleich unmittelbaren Teilhabe, einer Mitwisserschaft des Alls.
Droysen: Droysen dagegen denkt die Vermittlungen, in denen sich das Verstehen bewegt. Die sittlichen Mächte sind nicht nur die eigentliche Wirklichkeit der Geschichte, zu der sich der einzelne im Handeln erhebt. Sie sind zugleich das, wozu sich auch der historisch Fragende und Forschende über seine eigene Partikularität erhebt. Der Historiker ist durch seine Zugehörigkeit zu bestimmten sittlichen Sphären, seinem Vaterland, seiner politischen und religiösen Überzeugung, bestimmt und beschränkt. Aber gerade auf dieser unaufhebbaren Einseitigkeit beruht seine Teilhabe. Unter den konkreten Bedingungen seiner eigenen geschichtlichen Existenz - und nicht im Schweben über den Dingen - stellt sich als seine Aufgabe die Gerechtigkeit. »Seine Gerechtigkeit ist, dass er zu verstehen sucht« (§ 91)(1).
Droysens Formel für das historische Erkennen lautet daher „forschend verstehen« (§ 8). Darin liegt sowohl eine unendliche Vermittlung wie eine verstehen« (§ 8). Darin liegt sowohl eine unendliche Vermittlung wie eine letzte Unmittelbarkeit. Der Begriff des Forschens, den Droysen hier in so
bedeutsamer Prägung mit dem des Verstehens verknüpft, soll die Unendlichkeit der Aufgabe markieren, durch die der Historiker von den Vollendungen künstlerischer Schöpfung ebenso grundsätzlich geschieden ist wie von dem vollendeten Einklang, den Sympathie und Liebe zwischen Ich und Du bewirken. >Wissenschaft/Droysen.


1. J.G. Droysen, Grundriß der Historik, 1868


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Droys I
J. G. Droysen
Grundriss der Historik Paderborn 2011

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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