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Gerard Saucier über Persönlichkeit – Lexikon der Argumente

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Persönlichkeit/Definition/Saucier: Persönlichkeit kann auf eine der beiden stark kontrastierenden Arten definiert werden, entweder als (a) eine Reihe von Attributen, die eine Person charakterisieren, oder als (b) das zugrunde liegende System, das solche Attribute erzeugt. Funder (1997(1), S. 1- 2) lieferte eine Definition, die sowohl (a) als auch (b) berücksichtigt: Persönlichkeit ist: "die charakteristischen Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster eines Individuums, zusammen mit den psychologischen Mechanismen - versteckt oder nicht - hinter diesen Mustern". >Persönlichkeit/Funder, >Persönlichkeit/Allport, >Attribute/Saucier.
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Ein Ansatz zur Definition der Persönlichkeit konzentriert sich auf Attribute. In diesem Ansatz ist Persönlichkeit eine bestimmte Reihe von Prädikationen, d.h. Aussagen über ein Subjekt oder eine Entität. Personenbeschreibung ist eine Prädikation, bei der die Einheit eine Person ist. Sowohl Merkmalsbeschreibungen als auch Situationsbeschreibungen sind Prädikate.
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Als Attribute verstanden, ist Persönlichkeit eine Reihe von Prädikaten, die aus Personen bestehen. Dynamische situative Aspekte, die vorübergehend sind und nur im Moment existieren, würden ausgeschlossen, es sei denn, sie verweilen und werden wiederkehrend oder chronisch. Nur Prädikate mit Zeitnähe - relative Stabilität im Zeitablauf - können als Persönlichkeit betrachtet werden. Zwölf Kategorien von Personen-Deskriptoren sind umstritten:
(1) Situationsprädikate, die für eine bestimmte Person immer wieder anwendbar sind, d.h. eine hohe Aktualität haben, z.B. "immer reinigen", "ständig mit Freunden".
(2) Indikatoren für die geografische oder ethnische Herkunft. Deutet das "estnisch"-Sein oder "mexikanisch-amerikanisch"-Sein oder "aus Paris"-Sein auf Persönlichkeit hin?
(3) Kategorien sozialer und beruflicher Rollen.
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Es ist bemerkenswert, dass Karrierezinsen noch stabiler sind als Persönlichkeitsmessungen (Low, Yoon, Roberts und Rounds 2005)(2).
(4) Physikalische Eigenschaften.
(5) Attribute, die den sozialen Status bezeichnen.
(6) Attribute, die die Wirkung angeben, die man auf andere hat (z.B. soziale Effekte). Tatsächlich betonen einige Definitionen von Persönlichkeit, dass sie aus "internen" Faktoren besteht (Child 1968(3); Hampson 1988(4)), zumindest solche, die nicht streng beobachtbar sind.
(7) Attribute, die globale Bewertungen beinhalten. Eine Studie der evaluierenden Persönlichkeitsdeskriptoren isolierte mehrere, klare Inhaltsdimensionen unter ihnen (Benet-Martínez und Waller 2002)(5), die dazu neigen, den Einwand zu widerlegen, dass es reine Bewertungsbegriffe ohne persönlichkeitsbezogene Inhalte gibt.
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(8) Attribute, die Exzentrizität, Abweichung, Normalität oder Übereinstimmung mit der Konvention anzeigen.
(9) Attribute, die auf die Psychopathologie hinweisen. Aufgrund der erheblichen Korrelationen zwischen den Variablen in den beiden Bereichen (Krueger und Tackett 2003)(6) kann man in der Tat sagen, dass "das Feld der Persönlichkeit an die abnormale Psychologie stößt" (Buss 1995(7), S. 3).
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Die Sprache der psychopathologischen Attribute ist in erster Linie eine Fachsprache (vgl. Block 1995)(8), aber diese Fachsprache filtert sich in eine Laiensprache heraus, so dass Begriffe, die ursprünglich beruflicher/technischer Natur waren (z.B. depressiv, ängstlich, neurotisch, obsessiv und zwanghaft), frei in das Alltagsvokabular aufgenommen werden können.
(10) Verallgemeinerte Einstellungen, Werte und Glaubensvorstellungen.
(11) Attribute "Temporärer Zustand".
(12) Attribute, die Fähigkeiten anzeigen.
Corr I 393
Wir können Persönlichkeit sehen, wie sie durch Attribute (Außenperspektive) oder als Persönlichkeitssystem (Innenperspektive) beschrieben wird > Außen/Innen/Saucier, > Persönlichkeitssystem/Saucier.


1. Funder, D. C. 1997. The personality puzzle. New York: Norton
2. Low, K. S. D., Yoon, M., Roberts, B. W. and Rounds, J. 2005. Stability of vocational interests from early adolescence to middle adulthood: a quantitative review of longitudinal studies, Psychological Bulletin 131: 713–37
3. Child, I. L. 1968. Personality in culture, in E. F. Borgatta and W. W. Lambert (eds.), Handbook of personality theory and research. Chicago: Rand McNally
4. Hampson, S. E. 1988. The construction of personality: an introduction, 2nd edn. London: Routledge
5. Benet-Martínez, V. and Waller, N. G. 2002. From adorable to worthless: implicit and self-report structure of highly evaluative personality descriptors, European Journal of Personality 16: 1–41
6. Krueger, R. F. and Tackett, J. L. 2003. Personality and psychopathology: working toward the bigger picture, Journal of Personality Disorders 17: 109–28
7. Buss, A. H. 1995. Personality: temperament, social behaviour, and the self. Boston: Allyn and Bacon
8. Block, J. 1995. A contrarian view of the five-factor approach to personality description, Psychological Bulletin 117: 187–215


Gerard Saucier, „Semantic and linguistic aspects of personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Saucier, Gerald

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018

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