Psychologie Lexikon der Argumente

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Erlebnis: im Bewusstsein eines Subjekts verarbeitetes Ereignis. Keine bloße Vorstellung. Siehe auch Ereignisse, Vorstellungen, Bewusstsein.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor Begriff Zusammenfassung/Zitate Quellen

Edmund Husserl über Erlebnisse – Lexikon der Argumente

Gadamer I 71
Erlebnis/Husserl/Gadamer: Leben ist für Dilthey Produktivität schlechthin. Indem sich Leben in Sinngebilden objektiviert, ist alles Verstehen von Sinn »ein Zurückübersetzen der Objektivationen des Lebens in die geistige Lebendigkeit, aus der sie hervorgegangen sind«. So bildet der Begriff des Erlebnisses die erkenntnistheoretische Grundlage für alle Erkenntnis von Objektivem.
Husserl/Gadamer: Ähnlich universal ist die erkenntnistheoretische Funktion, die der Begriff
des Erlebnisses in der Husserlschen Phänomenologie hat. In der 5. logischen
Gadamer I 72
Untersuchung (2. Kapitel) wird ausdrücklich der phänomenologische Erlebnisbegriff von dem populären unterschieden. Die Erlebniseinheit wird nicht als ein Teilstück des realen Erlebnisstromes eines Ich verstanden, sondern als eine intentionale Beziehung. Die Sinneinheit ist auch hier eine teleologische. Es gibt nur Erlebnisse, sofern etwas in ihnen erlebt und gemeint ist. Zwar erkennt Husserl auch nichtintentionale Erlebnisse an, aber diese gehen als stoffliche Momente in die Sinneinheit intentionaler Erlebnisse ein. Insofern wird bei Husserl der Begriff des Erlebnisses zum umfassenden Titel für alle Akte des Bewusstseins, dessen Wesensverfassung die Intentionalität ist.(1) >Erlebnis/Natorp.

Gadamer I 249
Erlebnis/Husserl/Gadamer: (...) die Einzelheit des Erlebnisses - so sehr es als ein intentionales Korrelat einer konstituierten Sinngeltung seine methodische Bedeutung behält – [ist] kein letztes phänomenologisches Datum (...). Jedes solche intentionale Erlebnis impliziert vielmehr stets einen zweiseitigen Leerhorizont von solchem, das in ihm nicht eigentlich gemeint ist, aber auf das sich jederzeit ein aktuelles Meinen wesensmäßig richten kann, und letzten Endes ist es evident, dass die Einheit des Erlebnisstroms das Ganze aller solcher thematisierbarer Erlebnisse umschließt.
Gadamer I 250
Daher liegt die Konstitution der Zeitlichkeit des Bewusstseins aller Konstitutionsproblematik tragend zugrunde. Der Erlebnisstrom hat den Charakter eines universalen Horizontbewusstseins, aus dem nur Einzelheiten wirklich - als Erlebnisse - gegeben sind. >Horizont/Husserl, >Bewusstseinsstrom/Husserl.



1. Vgl. E. Husserl, Logische Untersuchungen Il, 365 Anm.; Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie, I, 65.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
E. Husserl
I Peter Prechtl Husserl zur Einführung, Hamburg 1991 (Junius)
II "Husserl" in: Eva Picardi et al., Interpretationen - Hauptwerke der Philosophie: 20. Jahrhundert, Stuttgart 1992

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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