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Hans-Georg Gadamer über Kategorisierung – Lexikon der Argumente

I 433
Kategorisierung/Gadamer: das logische Schema der Induktion und Abstraktion [ist] insofern sehr irreführend, als im sprachlichen Bewusstsein keine ausdrückliche Reflexion auf das zwischen Verschiedenem Gemeinsame statthat und der Gebrauch von Worten in ihrer allgemeinen Bedeutung das durch sie Benannte und Bezeichnete nicht als unter das Allgemeine subsumierten Fall versteht. Die Allgemeinheit der Gattung und die klassifikatorische Begriffsbildung liegen dem sprachlichen Bewusstsein durchaus fern.
Wenn jemand die Übertragung eines Ausdrucks vom Einen auf das Andere vollzieht, blickt er zwar auf etwas Gemeinsames hin, aber das muss keineswegs eine Gattungsallgemeinheit sein. Er folgt vielmehr seiner sich ausbreitenden Erfahrung, die Ähnlichkeiten - sei es solche der Sacherscheinung, sei es solche ihrer Bedeutsamkeit für uns - gewahrt. Darin besteht die Genialität des sprachlichen Bewusstseins, dass es solchen Ähnlichkeiten Ausdruck zu geben weiß. Wir nennen das seine grundsätzliche Metaphorik, und es kommt darauf an zu erkennen, dass es das Vorurteil einer sprachfremden logischen Theorie ist, wenn der übertragene Gebrauch eines Wortes zum uneigentlichen Gebrauch herabgedrückt wird.(1)
Verallgemeinerung: wird. (...) das Denken [kann sich einem] Vorrat, den ihm die Sprache angelegt
hat, zu seiner eigenen Belehrung zuwenden.(2) Ausdrücklich hat das Plato mit seiner „Flucht in die Logoi“ getan.(3)
Gadamer: Aber auch die klassifikatorische Logik knüpft an die logische Vorausleistung an, die die Sprache für sie vollbracht hat. >Kategorien/Aristoteles.


1. Das hat L. Klages vor allem cesehen. Vgl. dazu K. Löwith, Das Individuum in der Rolle des Mitmenschen, 1928, S. 33ff. (und meine Rezension in Logos 18 (1929), S. 436—440; Bd. 4 der Ges. Werke.)
2. Dieses Bild stellt sich unwillkürlich ein und bestätigt insofern Heideggers Aufweisung der Bedeutungsnähe zwischen legein = sagen und legein = zusammenlesen (zuerst in „Heraklits Lehre vom Logos“ Festschrift für H. Jantzen).
3. Plato, Phaid. 99 e.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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> Gegenargumente gegen Gadamer

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