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Hans-Georg Gadamer über Abstand – Lexikon der Argumente

I 302
Zeitenabstand/Abstand/Hermeneutik/Gadamer: (...) der Zeitenabstand ist (...) nicht etwas, was überwunden werden muss. Das war vielmehr die naive Voraussetzung des Historismus, dass man sich in den Geist der Zeit versetzen, dass man in deren Begriffen und Vorstellungen denken solle und nicht in seinen eigenen und auf diese Weise zur historischen Objektivität vordringen könne.
GadamerVsHistorismus: In Wahrheit kommt es darauf an, den Abstand der Zeit als eine positive und produktive Möglichkeit des Verstehens zu erkennen.
Heidegger/Gadamer: (...) erst von der ontologischen Wendung aus, die Heidegger dem Verstehen als einem „Existenzial“ verlieh, und der temporalen Interpretation, die er der Seinsweise des >Daseins widmete, konnte der Zeitenabstand in seiner hermeneutischen Produktivität gedacht werden.
I 303
Der zeitliche Abstand hat offenbar noch einen anderen Sinn als den der Abtötung des eigenen Interesses am Gegenstand. Er lässt den wahren Sinn, der in einer Sache liegt, erst voll herauskommen. Die Ausschöpfung des wahren Sinnes aber, der in einem Text oder in einer künstlerischen Schöpfung gelegen ist, kommt nicht irgendwo zum Abschluss, sondern ist
in Wahrheit ein unendlicher Prozess.
I 304
Vorurteil/Hermeneutik: Oft vermag der Zeitenabstand die eigentlich kritische Frage der Hermeneutik lösbar zu machen, nämlich die wahren Vorurteile, unter denen wir verstehen, von den falschen, unter denen wir missverstehen, zu scheiden. >Vorurteil/Gadamer.
Das hermeneutisch geschulte Bewusstsein wird daher historisches Bewusstsein
einschließen. >Verstehen/Gadamer.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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