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Hans-Georg Gadamer über Sch��pfungsmythos – Lexikon der Argumente

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Schöfpung/Sprache/Christentum/Gadamer: Einmal geschieht (...) die Schöpfung durch das Wort Gottes. So haben schon die frühen Väter, um den ungriechischen Gedanken der Schöpfung denkbar zu machen, von dem Wunder der Sprache Gebrauch gemacht. Vor allem aber wird die eigentliche Heilstat, die Entsendung des Sohnes, das Myste-
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rium der Inkarnation, im Johannes-Prolog selber vom Wort her beschrieben. Die Exegese interpretiert das Lautwerden des Wortes ebenso als Wunder wie das Fleischwerden Gottes. Das Werden, um das es Sich in Beidem handelt, ist kein Werden, in dem aus etwas etwas anderes wird. Weder handelt es sich um eine Abscheidung des einen vom anderen (kat' apokopen), noch um eine Minderung des inneren Wortes durch sein Hervorgehen in die Äußerlichkeit, noch überhaupt um ein Anderswerden, so dass das innere Wort verbraucht würde.(1)
Schon in den frühesten Anlehnungen an das griechische Denken ist vielmehr die neue Richtung auf die geheimnisvolle Einheit von Vater und Sohn, von Geist und Wort, zu erkennen. Und wenn die direkte Bezugnahme auf die Äußerung, das Lautwerden des Wortes, am Ende in der christlichen Dogmatik - in der Verwerfung des Subordinationismus - mitverworfen wird, so wird es doch gerade auf Grund dieser Entscheidung nötig, das Mysterium der Sprache und ihren Zusammenhang mit
dem Denken philosophisch neu zu durchleuchten.
Sprache/Christentum/Gadamer: Das größere Wunder der Sprache liegt nicht darin, dass das Wort Fleisch wird und im äußeren Sein heraustritt, sondern dass das, was so heraustritt und sich in der Äußerung äußert, immer schon Wort ist. Dass das Wort bei Gott ist, und zwar von Ewigkeit her, das ist die in der Abwehr des Subordinationismus siegreiche Lehre der Kirche, die auch das Problem der Sprache ganz in das Innere des Denkens einkehren lässt. >Sprache/Christentum, >Wort/Augustinus.
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Schöpfungsmythos/Gadamer: Das Mysterium der Trinität, das durch die Analogie mit dem inneren Wort aufgehellt werden soll, muss vom menschlichen Denken her am Ende doch unverständlich bleiben, Wenn im göttlichen Wort das Ganze des göttlichen Geistes ausgesprochen ist, dann bedeutet das prozessuale Moment an diesem Wort etwas, wofür uns im Grunde jede Analogie im Stich lässt. Sofern der göttliche Geist, indem er sich selbst erkennt, zugleich alles Seiende erkennt, ist das Wort Gottes das Wort des alles in einem Anschauen (intuitus) schauenden und schaffenden Geistes. Der Hervorgang verschwindet in der Aktualität der göttlichen Allweisheit. Auch die Schöpfung sei kein wirklicher Prozess, sondern lege nur das Ordnungsgefüge des Weltganzen im zeitlichen Schema aus.(2)


1. Assumendo non consumendo, Aug. de Trin. 15, 11.
2. Es ist unverkennbar, dass die patristische und scholastische Genesisauslegung in gewissem Umfang die Diskussion um die rechte Auffassung des“Timaios“ wiederholt, die zwischen Platos Schülern geführt worden ist. (Vgl. meine Studie über „ldee und Wirklichkeit in Platos „Timaios““. (Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Philos.-histor. Klasse, 2. Abh. Heidelberg 1974; jetzt in Bd. 6 der Ges. Werke, S. 242-270.)


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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> Gegenargumente gegen Gadamer

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