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Hans-Georg Gadamer über H��ren – Lexikon der Argumente

I 466
Hören/Gadamer: Wenn wir den Begriff der Zugehörigkeit, auf den es hier[für die Hermeneutik] ankommt, richtig bestimmen wollen, müssen wir (...) die eigentümliche Dialektik beachten, die im Hören gelegen ist. Nicht nur, dass, wer hört, sozusagen angeredet wird. Vielmehr liegt darin auch dies, dass, wer angeredet wird, hören muss, ob er will Oder nicht. Dieser Unterschied von Sehen und Hören ist für uns deshalb wichtig, weil der Vorrang des Hörens dem hermeneutischen Phänomen zugrunde liegt, wie schon Aristoteles erkannt hat.(1)
Gadamer: Während alle anderen Sinne an der Universalität der sprachlichen Welterfahrung keinen unmittelbaren Anteil haben, sondern nur ihre spezifischen Felder erschließen, ist das Hören ein Weg zum Ganzen, weil es auf den Logos zu hören vermag.
I 467
Überlieferung/Tradition:[Es] ist von jeher schon, vor allem Schriftgebrauch, das wahre
Wesen des Hörens, dass der Hörende auf die Sage, den Mythos, die Wahrheit der Alten zu hören vermag, Die literarische Übermittlung der Überlieferung, wie wir sie kennen, bedeutet demgegenüber nichts Neues, sondern verändert nur die Form und erschwert die Aufgabe des wirklichen Hörens.
Zugehörigkeit: die Wahrheit der Überlieferung ist die Gegenwart, die den Sinnen unmittelbar offenliegt.


1. Arist. De sensu 473 a, 3 und dazu Met. 980 b 23—25. Der Vorrang des Hörens vor dem Sehen ist ein durch die Universalität des Logos vermittelter, der dem spezifischen Vorrang des Sehens vor allen anderen Sinnen, den Aristoteles (Met. A 1 und öfters) betont, nicht widerspricht. (Vgl. „Sehen, Hören, Lesen“ FS Sühnel, Heidelberg 1984.)


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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