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Postmoderne über Welt - Lexikon der Argumente

Gaus I 48
Welt/Geschichtsschreibung/Postmoderne/Bennett: Ein Metanarrativ ist eine übergreifende Theorie über die Funktionsweise der Welt, eine Geschichte über den grundlegenden Charakter des natürlich-sozialen Universums. Als solche fungiert sie als Bezugsrahmen für die Beurteilung anderer Theorien von begrenzterem Umfang und Anspruch. Sie kann als religiöse Wahrheit oder als metaphysisches Imaginäres mit einem kontingenten heuristischen Wert oder als eine von vielen Positionen zwischen diesen beiden Polen erfahren werden. Metanarrativen werden in der politischen Theorie verwendet, um die Behauptungen einer Theorie über Autorität, Staat, Staatsbürgerschaft, Freiheit, Rechte usw. zu legitimieren. So verwendet Hobbes z.B. eine Metanarrative von einer Welt natürlicher Körper in ständiger Bewegung und einem fernen, jobianischen Gott, um seine Vorstellungen von Souveränität, Vertrag, politischer Rede und zivilem Frieden zu begründen.
[Einige postmoderne Theoretiker] bestätigen [...] den psychologischen Nutzen und die ethische Kraft eines ontologischen Imaginären. Diese Theoretiker verbinden, wie Hobbes, ihre politischen Behauptungen mit spekulativen Behauptungen über Natur, Materie oder Sein. Aber ihre metaphysischen Ansichten werden als eine "Onto-Story" dargestellt, deren Überzeugungskraft immer in Frage steht und "die niemals vollständig von einer Interpretation der gegenwärtigen historischen Umstände losgelöst werden kann" (White, 2000(1): 10-11).
Nietzsche ist oft die Inspiration hinter den Onto-Stories, die innerhalb der postmodernen Theorie sowohl inhaltlich als auch stilistisch bejaht werden. Er bietet eine Vision davon, wie die Welt ist. Aber er besteht auch darauf, dass es sich, wie bei allen metaphysischen Orientierungen, um eine "Vermutung" handelt, die er nicht beweisen kann (...)(2).
Deleuze: Die Deleuze'sche Geschichte einer Welt proteischer Kräfte teilt Nietzsches Betonung der Dynamik und des Flusses mit offenen Enden, ebenso wie Lyotards 'Eine postmoderne Fabel'. Diese ist ein soganntes "fitale" aus dem Genre Science Fiction und handelt von Menschen, die sich darauf vorbereiten, der Erde zu entkommen, während die Sonne kurz davor ist, auszubrennen.
Lyotard: Wie Nietzsche beschreibt auch Lyotard eine Welt ohne das Versprechen einer endgültigen oder eschatologischen Errungenschaft. Wenn modern zu sein, so Lyotard, bedeutet, sich zu sehr danach zu sehnen, wieder eine "vollständige und ganze Beziehung zum Gesetz des Anderen ... herzustellen, wie dies ... am Anfang war", dann bedeutet postmodern zu sein, zu versuchen, das Denken und Handeln dieses eschatologischen Begehrens zu heilen (1997(3): 96-7).
Gaus I 49
Menschen: Das postmoderne Theoretisieren positioniert den Menschen neu in Bezug auf die nichtmenschlichen Entitäten und Kräfte, mit denen er die Welt teilt. Ihre Metaphysik der Immanenz verdrängt den Menschen aus dem Zentrum des Universums. Stattdessen werden wir als eine besonders komplexe und reflexive Formation betrachtet, die sich von anderen Formen in erheblichem Maße, aber nicht in der Art unterscheidet.


1. White, Stephen K. (2000) Affirmation in Political Theory: The Strengths of Weak Ontology. Princeton, NJ: Princeton University Press.
2. Nietzsche, Friedrich (1987) The Will to Power. New York: Random House.
3. Lyotard, Jean-François (1997) Postmodern Fables, trans. Georges van den Abbeele. Minneapolis: University of Minnesota Press.


Jane Bennett, 2004. „Postmodern Approaches to Political Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Postmoderne

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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