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Theorien: Theorien sind Aussagensysteme zur Erklärung von Beobachtungen z.B. von Verhalten oder physikalischen, chemischen oder biologischen Prozessen. Beim Aufstellen von Theorien werden ein Gegenstandsbereich, ein Vokabular der zu verwendenden Begriffe und zulässige Methoden der Beobachtung festgelegt. Ziel der Theoriebildung ist außer Erklärungen Prognosefähigkeit und Vergleichbarkeit von Beobachtungen. Siehe auch Systeme, Modelle. Experimente, Beobachtung, Beobachtungssprache, Theoretische Termini, Theoretische Entitäten, Voraussagen, Analogien, Vergleiche, Beweise, Verifikation, Reduktion, Definitionen, Definierbarkeit.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor Begriff Zusammenfassung/Zitate Quellen

Julian Lamont über Theorien – Lexikon der Argumente

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Theorien/Grundsätze/Begründung/Lamont: (...) Theorien [zur Verteilungsgerechtigkeit] sind vor allem nach dem Inhalt ihrer Annäherung an die moralischen Anforderungen von Wohlfahrt (oder Glück) und Verantwortung charakterisiert worden. Es ist wichtig, hier auf einige der Komplikationen dieser Charakterisierungen hinzuweisen und
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auch auf andere Arten der Konzeptualisierung der Literatur über Verteilungsgerechtigkeit. Die meisten Theoretiker sind genau beschrieben durch eine Reihe von nicht äquivalenten Bezeichnungen. Die hier verwendeten Klassifikationen sind in der zeitgenössischen Literatur weit verbreitet, aber es gibt dennoch subtile Unterschiede in der Art und Weise, wie verschiedene Autoren diese Bezeichnungen verwenden.
Inhalt/Prinzip/Begründung: Eine wichtige Unterscheidung besteht zwischen dem Inhalt eines Verteilungsprinzips und seiner Begründung.
Inhalt: "Inhalt" bezieht sich auf die Verteilung, die idealerweise durch ein Prinzip empfohlen wird, während "Rechtfertigung" sich auf die Gründe bezieht, die zur Unterstützung des Prinzips angeführt werden. Theoretiker können nach dem Inhalt ihrer Theorie oder nach der von ihnen angegebenen Begründung unterschieden und etikettiert werden.
Probleme: 1) (...) die hier verwendeten gemeinsamen Bezeichnungen beziehen sich zum Teil auf den Inhalt und zum Teil auf die Begründungen für verschiedene Positionen.
2) (...) die meisten Gruppen von Theorien haben Begründungen aus verschiedenen Quellen, und einzelne Autoren verwenden manchmal sogar mehr als eine Begründungsquelle für ihre Theorie. Die meisten Kombinationen von Inhalt und Rechtfertigung sind in der Tat versucht worden. Beispielsweise verwenden verschiedene Libertarianer natürliche Rechte, Verdienste, Utilitarismus oder Kontraktualismus zur Rechtfertigung ihrer Theorien; verschiedene Verdiensttheoretiker verwenden natürliche Rechte, Kontraktualismus und sogar Utilitarismus (Mill 1877(1); Sidgwick, 1890(2)). Teilweise kommt dies daher, dass es verschiedene Versionen von Begründungen gibt, die jedoch aufgrund einer gewissen Ähnlichkeit das gleiche breite Etikett teilen.
Vertragstheorie: Beispielsweise ist der Kontraktualismus in den Begründungen vieler Theorien enthalten und umfasst sowohl Hobbes'sche als auch Kant'sche Kontraktualisten nach Thomas Hobbes und Immanuel Kant (Hampton, 1991(3)).
A) Hobbes'sche Kontraktualisten wie David Gauthier versuchen, die Moral mit den eigennützigen Gründen zu rechtfertigen, die Individuen haben, um bestimmten Bedingungen der sozialen Zusammenarbeit zuzustimmen.
B) Kant'sche Kontraktualisten wie John Rawls berufen sich auf moralische Gründe, um die Bedingungen sozialer Kooperation zu rechtfertigen, die einer Zustimmung würdig wären, und argumentieren gewöhnlich für Verteilungen am egalitären Ende des Spektrums.
Ein Hobbes'scher Kontraktualist, wie Sie vielleicht vermuten, plädiert eher für libertär orientierte Systeme (Buchanan, 1982(4); Gauthier, 1987(5); Levin, 1982(6)). Es gibt jedoch auch Anhänger von Hobbes, die darauf bestehen, dass sein Kontraktualismus besser gelesen wird, um einige wichtige Aspekte des Wohlfahrtsstaates zu rechtfertigen, als eine bloß minimalistische Regierung (Kavka, 1986(7); Morris, 1998(8): Kap. 9; Vallentyne, 1991(9)). Daher können Theoretiker, die das Etikett "vertragsorientiert" teilen, auch durch eine libertäre Ablehnung der Umverteilung oder ein egalitäres Beharren auf einer breiten Verteilung gekennzeichnet sein (...).
Gleichheit/Egalitarismus: Die häufigsten Alternativen zur Charakterisierung von Theorien der Verteilungsgerechtigkeit entlang der Dimensionen Wohlfahrt und Verantwortung waren dazu da, sie entweder entlang der damit verbundenen Dimension der Gleichheit oder nach dem Grad der Gleichheit zu charakterisieren, den die Theorien vorgeben. So könnte jede der hier bereits untersuchten Theorien alternativ nach ihrer Behandlung oder ihrem Ansatz der Gleichheit kategorisiert werden (Joseph und Sumption, 1979(10); Rakowski, 1991). >Gleichheit/Sen.
Sen: in seinem einflussreichen Vortrag 'Equality of what?" (1980)(12) befasst sich Amartya Sen mit der Frage, nach welchem Maßstab Gleichmacher den Grad bestimmen sollten, in dem eine Gesellschaft das Ideal der Gleichheit verwirklicht.
Inzwischen wurde eine Reihe alternativer Variablen für das, was ausgeglichen werden sollte, eingeführt (Daniels, 1990(13)) und verfeinert, einschließlich der oben diskutierten Ressourcengleichmacher (Dworkin, 2000)(14), der Chancengleichheit für Wohlfahrt (Arneson, 1989(15); 1990(16); 1991(17)), des gleichen Zugangs zu Vorteilen (Cohen, 1989)(18) und des gleichen politischen Status (Anderson, 1999)(19).
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Konzepte/Inhalte/Theorien: Eine weitere Komplikation (...) ergibt sich aus den Unterschieden in der Konzeption des Themas der Verteilungsgerechtigkeit selbst, wobei einige Theoretiker eher den Prozess als den Inhalt oder die Rechtfertigung betonen.
Die Prinzipien: [viele Theorien] befassen sich mit der Frage der Verteilungsgerechtigkeit, indem sie Prinzipien empfehlen, die als normative Ideale für Institutionen gedacht sind, die ihrerseits die Verteilung der Ressourcen maßgeblich bestimmen werden. Diese Theorien spiegeln den Fortschritt und einen wachsenden Konsens während des größten Teils des zwanzigsten Jahrhunderts darüber wider, was nicht akzeptabel ist. Beispielsweise lehnen alle angebotenen Theorien die Ungleichheiten ab, die für feudale, aristokratische und Sklavengesellschaften charakteristisch sind, sowie die Ungleichheiten, die Systemen innewohnen, die den Zugang zu Gütern, Dienstleistungen, Arbeitsplätzen oder Positionen auf der Grundlage von Rasse, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit oder Religion einschränken.
Entscheidungsprozesse: Andererseits sind einige Theoretiker der Ansicht, dass die fortdauernde Existenz vernünftiger Meinungsverschiedenheiten ein wichtiges Spiegelbild des Wesens der Verteilungsgerechtigkeit selbst ist. Sie argumentieren über zusätzliche Fragen, im Bereich der vernünftigen Uneinigkeit darüber, welches die besten Verteilungsideale sind. Hauptsächlich wird diskutiert, ob das Verfahren zur Entscheidung von Verteilungsfragen gerecht ist. So argumentieren einige, dass bestimmte Fragen der Verteilungsgerechtigkeit auf der verfassungsrechtlichen Ebene behandelt und unterschiedlich beschrieben werden sollten, während andere Fragen auf der gesetzgeberischen Ebene ordnungsgemäß entschieden werden.
Gerechte Prozesse: eine Untergruppe dieser Theoretiker vertritt auch die Ansicht, dass einige Entscheidungen über Fragen der Verteilungsgerechtigkeit teilweise oder vollständig gerechtfertigt sein können, weil sie das Ergebnis eines gerechten Prozesses sind (Christiano, 1996(20); Gaus, 1996(21)). Rationale Argumente allein können vielleicht einige Systeme als ungerecht ausschließen, aber andere werden nicht nur aufgrund ihres Inhalts gerechtfertigt sein, sondern auch durch den Prozess, durch den sie erreicht wurden. >Liberalismus/Lamont.


1. Mill, John S. (1877) Utilitarianism, 6th Ed. London: Longmans, Green.
2. Sidgwick, Henry (1890) The Methods of Ethics, 4th Ed. London: Macmillan.
3. Hampton, Jean (1991) 'Two faces of contractarian thought'. In Peter Vallentyne, ed., Contractarianism and Rational Choice: Essays on David Gauthier 's Morals by Agreement. New York: Oxford University Press, 31—55.
4. Buchanan, Allen (1982) 'A critical introduction to Rawls' theory of justice'. In H. Gene Blocker and Elizabeth H. Smith, eds, John Rawls' Theory of Social Justice: An Introduction. Athens, OH: Ohio University Press.
5. Gauthier, David Peter (1987) Morals by Agreement. Oxford: Clarendon.
6. Levin, Michael (1982) 'A Hobbesian minimal state'. Philosophy and Public Affairs, 11 (4): 338-53.
7. Kavka, Gregory S. (1986) Hobbesian Moral and Political Theory. Princeton, NJ: Princeton University Press.
8. Morris, Christopher (1998) An Essay on the Modern State. Cambridge: Cambridge University Press.
9. Vallentyne, Peter (1991) Contractarianism and Rational Choice: Essays on David Gauthier's Morals by Agreement. New York: Cambridge University Press.
10. Joseph, Keith and Jonathan Sumption (1979) Equality. London: Murray.
11. Rakowskl, Eric (1991) Equal Justice. Oxford: Clarendon.
12. Sen, Amartya (1980) 'Equality of what?' In Sterling M. McMurrin, Ed., Tanner Lectures on Human Values, Bd. I. Cambridge: Cambridge University Press, 195-220.
13. Daniels, Norman (1990) 'Equality of what: welfare, resources, or capabilities?' Philosophy and Phenomenological Research, 50 (Fall): 273-96.
14. Dworkin, Ronald (2000) Soveæign Virtue: The Theory and Practice of Equality. Cambridge, MA: Harvard University Press.
15. Arneson, Richard (1989) 'Equality and equal opportunity for welfare, Philosophical Studies, 56: 77-93.
16. Arneson, Richard (1990) 'Liberalism, Distributive Subjectivism and equal opportunity for welfare', Philosophy and Public Affairs, 19: 159-94.
17. Arneson, Richard (1991) 'Lockean self-ownership: towards a demolition', Political Studies, 39 (l): 36-54.
18. Cohen, G. A. (1989) 'On the currency of egalitarian justice'. Ethics, 99 906_44.
19. Anderson, Elizabeth (1999) 'What is the point of equality?' Ethics, 109 (2): 287-337.
20. Christiano, Thomas (1996) The Rule of the Many: Fundamental Issues in Democratic Theory. Boulder, CO: Westview.
21. Gaus, Gerald (1996) Justificatory Liberalism. New York: Oxford University Press.


Lamont, Julian 2004. „Distributive Justice“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Lamont, Julian

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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