Psychologie Lexikon der Argumente

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Bild: Gegenstand, der zu einem anderen Gegenstand in einer Relation steht, für die (wechselnde) Bedingungen angegeben werden können. Die Gegenstände können aus verschiedenen Bereichen stammen wie Erlebnis und Vorstellung oder aus ähnlichen Bereichen (Beleuchtung und Fotografie) oder aus demselben Bereich, wie z.B. bei der Fälschung. Was ein "Bereich" ist, ist hier nicht näher definiert. - Mathematik hier ist für die Erstellung des Bildes benötigte Relation definiert, eine Funktion.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Hans-Georg Gadamer über Bilder – Lexikon der Argumente

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Bild/Ontologie/Gadamer: [Hier geht es um eine ontologische, keine kunsttheoretische Fragestellung]: hier geht es um zwei Fragen:
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Wir fragen einmal,
a) in welcher Hinsicht sich das Bild vom Abbild unterscheidet (also nach der Problematik des Ur—Bildes), und ferner,
b) wie sich der Bezug des Bildes zu seiner Welt von da aus ergibt. So geht der Begriff des Bildes über den bisher gebrauchten Begriff von >Darstellung hinaus und zwar dadurch, dass ein Bild sich wesensmäßig auf sein Urbild bezieht.
Wir gehen davon aus, dass die Seinsweise des Kunstwerks Darstellung ist und fragen uns, wie der Sinn von Darstellung an dem verifizierbar wird, was wir ein Bild nennen. Darstellung kann hier nicht Abbildung meinen. Wir werden die Seinsweise des Bildes dadurch näher bestimmen müssen, das
wir die Weise, wie sich in ihm die Darstellung auf ein Urbildliches bezieht, von dem Verhältnis der Abbildung, dem Bezug des Abbildes auf das Urbild, unterscheiden.
I 143
Abbild: Im Wesen des Abbildes liegt dass es keine andere Aufgabe hat, als dem Urbild zu gleichen. In Wahrheit ist es aber überhaupt kein Bild oder Abbild, denn es hat kein Fürsichsein. Der Spiegel wirft das Bild zurück, d. h. der Spiegel macht jemandem das, was er spiegelt, nur solange sichtbar, als man in den Spiegel sieht und darin sein eigenes Bild oder was sich sonst in ihm spiegelt gewahrt. Das Abbild hebt sich selbst auf in dem Sinne, dass es als Mittel fungiert und wie alle Mittel durch Erreichung seines Zweckes seine Funktion verliert. Es ist für sich, um sich so aufzuheben.
Bild: Was dagegen ein Bild ist, hat seine Bestimmung überhaupt nicht in seiner Selbstaufhebung. Denn es ist nicht ein Mittel zum Zweck. Hier ist das Bild selber das Gemeinte, sofern es gerade darauf ankommt, wie sich in ihm das Dargestellte darstellt. Das bedeutet zunächst, dass man nicht einfach von ihm fort verwiesen wird auf das Dargestellte. Die Darstellung bleibt vielmehr
mit dem Dargestellten wesenhaft verbunden, ja, gehört zu ihm hinzu.
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Bilderfahrung: Dass nur am Anfang der Geschichte des Bildes, Sozusagen seiner Prähistorie angehörig, der magische Bildzauber steht, der auf der Identität und Nichtunterscheidung von Bild und Abgebildetem beruht, bedeutet nicht, dass sich ein immer differenzierter werdendes Bildbewusstsein das sich von der magischen Identität zunehmend entfernt, je ganz von ihr lösen kann(1). Vielmehr bleibt die Nichtunterscheidung ein Wesenszug aller Bilderfahrung. Die Unersetzbarkeit des Bildes.
Ästhetische Unterscheidung: Wohl aber hat das Bild im ästhetischen Sinne des Wortes ein
eigenes Sein. Dies sein Sein als Darstellung, also gerade das, worin es mit dem Abgebildeten nicht dasselbe ist, gibt ihm gegenüber dem bloßen Abbild die positive Auszeichnung, ein Bild zu sein. Selbst die mechanischen Bildtechniken der Gegenwart können insoweit künstlerisch gebraucht werden,
I 145
als sie aus dem Abgebildeten etwas herausholen, das in seinem bloßen Anblick als solchem so nicht liegt. Ein solches Bild ist kein Abbild, denn es stellt etwas dar, was ohne es sich nicht so darstellte. Es sagt über das Urbild etwas aus.
Darstellung: Dass die Darstellung ein Bild und nicht das Urbild selbst ist, bedeutet nichts Negatives, keine bloße Minderung an Sein, sondern vielmehr eine autonome Wirklichkeit. So stellt sich die Beziehung des Bildes zum Urbild grundanders dar, als sie beim Abbild gilt. Es ist keine einseitige Beziehung mehr. Dass das Bild eine eigene Wirklichkeit hat, bedeutet nun umgekehrt für
das Urbild, dass es in der Darstellung zur Darstellung kommt. Es stellt sich
selbst darin dar.
Sein des Bildes: Durch die Darstellung erfährt es gleichsam einen Zuwachs an Sein. Der Eigengehalt des Bildes ist ontologisch als Emanation des Urbildes bestimmt. Im Wesen der Emanation liegt, dass das Emanierte ein Überfluss ist. Das, von dem es ausfließt, wird dadurch nicht weniger.
Der Seinswirklichkeit des Bildes liegt sonach das ontologische Verhältnis von Urbild und Abbild zugrunde. Doch kommt es gerade darauf an zu sehen, dass das platonische Begriffsverhältnis von Abbild und Urbild die Seinsvalenz dessen, was wir ein Bild nennen, nicht erschöpft.
I 146
[Diese] Seinsweise [kann man] nicht besser als durch einen sakralrechtlichen Begriff charakterisieren (…), nämlich durch den Begriff der Repräsentation. >Repräsentation/Gadamer.
I 148
Rezeption/Verständnis des Bilds: das Bild ist ein Seinsvorgang und kann daher als Gegenstand eines ästhetischen Bewusstseins nicht angemessen begriffen werden.
I 149
(…) im Bild (…) kommt ein Sein zur sinnvoll-sichtbaren Erscheinung.
Erscheinen: Die „Idealität“ des Kunstwerks Ist nicht durch die Beziehung auf eine Idee als ein nachzuahmendes, wiederzugebendes Sein zu bestimmen, sondern wie bei Hegel, als das „Scheinen“ der Idee selbst. Von der Grundlage einer solchen Ontologie des Bildes aus wird der Vorrang des Tafelbildes, das in die Gemäldesammlung gehört und dem ästhetischen Bewusstsein entspricht, hinfällig. Das Bild enthält vielmehr einen unauflösbaren Bezug zu seiner Welt.
I 158
Zeichen/Symbol/Bild: Ein Bild ist (…) gewiss kein Zeichen. Selbst das Andenken lässt einen in
Wahrheit nicht bei sich verweilen, sondern bei der Vergangenheit, die es einem darstellt. Das Bild dagegen erfüllt seine Verweisung auf das Dargestellte allein durch seinen eigenen Gehalt. Indem man sich in es vertieft, ist man zugleich bei dem Dargestellten. Das Bild ist verweisend, indem es
verweilen lässt. Die Darstellungsfunktion des Symbols ist nicht die einer bloßen Verweisung auf Nichtgegenwärtiges. Das Symbol lässt vielmehr etwas als gegenwärtig hervortreten, was im Grunde stets gegenwärtig ist. Das zeigt schon der ursprüngliche Sinn von „Symbol“.
Wenn man „Symbol“ das Erkennungszeichen getrennter Gastfreunde oder verstreuter Mitglieder einer religiösen Gemeinde nannte, an welchem sich die Zusammengehörigkeit ausweist, so hat ein solches Symbol gewiss Zeichenfunktion. Aber es ist doch mehr als ein Zeichen. Es zeigt nicht nur eine Zusammengehörigkeit an, sondern weist sie aus und stellt sie sichtbar dar. >Symbol/Gadamer, >Zeichen.
I 159
So steht das Bild in der Tat in der Mitte zwischen dem Zeichen und dem Symbol. Sein Darstellen ist weder ein reines Verweisen noch ein reines Vertreten. >Sinnstiftung/Gadamer.


1. Vgl. neuerdings die Geschichte des Begriffes "Imago" im Übergang vom Altertum
zum Mittelalter bei Kurt Bauch, Beiträge zur Philosophie und Wissenschaft (W. Szilasi
zum 70. Geburtstag), S. 9— 28.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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