Psychologie Lexikon der Argumente

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Sprache, Philosophie: eine Menge von zu einem Zeitpunkt fixierten lautlichen oder schriftlich kodierten Formen zum Austausch von Informationen bzw. von Unterscheidungen innerhalb einer Gemeinschaft, deren Mitglieder in der Lage sind, diese Formen als Zeichen oder Symbole zu erkennen und zu interpretieren. Im weiteren Sinn auch Zeichensysteme, die von Maschinen verarbeitet werden können. Siehe auch Kommunikation, Sprachregeln, Bedeutung, Bedeutungswandel, Information, Zeichen, Symbole, Wörter, Sätze, Syntax, Semantik, Grammatik, Pragmatik, Übersetzung, Interpretation, Radikale Interpretation, Unbestimmtheit.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Hans-Georg Gadamer über Sprache – Lexikon der Argumente

I 383
Sprache/Gadamer: Gadamer These: Die im Verstehen geschehende Verschmelzung der Horizonte ist die eigentliche Leistung der Sprache. >Horizont/Gadamer.
I 388
Verstehen: Eine Sprache verstehen ist selbst noch gar kein wirkliches Verstehen und schließt
keinen Interpretationsvorgang ein, sondern ist ein Lebensvollzug. Eine Sprache versteht man, indem man in ihr lebt - ein Satz, der bekanntlich nicht nur für lebende, sondern sogar für tote Sprachen gilt.
I 408
Sprache als Form: (...) unbezweifelbar (...) ist, dass Sprachwissenschaft und Sprachphilosophie unter der Voraussetzung arbeiten, dass die Form der Sprache ihr alleiniges Thema ist. Ob der Begriff der Form hier aber überhaupt am Platze ist? Die im Sprechen lebendige Sprache, die alles Verstehen,
I 409
auch das des Interpreten von Texten, umgreift, ist so sehr in den Vollzug des Denkens bzw. Auslegens eingelegt, dass wir zu wenig in der Hand behalten, wenn wir von dem, was die Sprachen uns inhaltlich überliefern, absehen und nur die Sprache als Form denken wollten. Die Sprachunbewusstheit hat nicht aufgehört, die eigentliche Seinsweise des Sprechens zu sein.
Antike Philosophie/Gadamer: Sie hatte für das, was wir Sprache nennen kein Wort.
I 421
Ideale Sprache/GadamerVsLeibniz: [Mit der rationalen Konstruktion] einer Kunstsprache (...) bewegt man sich (...), wie mir scheint, In einer vom Wesen der Sprache abführenden Richtung.
Die Sprachlichkeit liegt dem Denken der Sachen so völlig ein, dass es eine Abstraktion ist, wenn man das System der Wahrheiten als ein vorgegebenes System von Seinsmöglichkeiten denkt, dem Zeichen zuzuordnen wären, die ein nach diesen Zeichen greifendes Subjekt verwendet.
Das sprachliche Wort ist kein Zeichen, zu dem man greift, es ist aber auch kein Zeichen, das man macht oder einem anderen gibt, kein seiendes Ding, das man aufnimmt und mit der Idealität des Bedeutens belädt, um dadurch anderes Seiendes sichtbar zu machen. Das ist nach beiden Seiten falsch.
Bedeutung: Vielmehr liegt die Idealität der Bedeutung im Worte selbst. Es ist immer schon Bedeutung. Aber das bedeutet auf der anderen Seite nicht, dass das Wort aller Erfahrung des Seienden voraus liegt und zu einer schon gemachten Erfahrung äußerlich hinzutritt, indem es sie sich unterwirft. Die Erfahrung ist nicht zunächst wortlos und wird dann durch die Benennung zum Reflexionsgegenstand gemacht, etwa in der Weise der Subsumtion unter die Allgemeinheit des Wortes. Vielmehr gehört es zur Erfahrung selbst, dass sie die Worte sucht und findet, die sie ausdrücken.
I 449
Sprache/Gadamer: Die Sprache [hat] erst im Gespräch, also in der Ausübung der Verständigung ihr eigentliches Sein (...). Das ist nicht so zu verstehen, als ob damit der Zweck der Sprache angegeben wäre. >Kommunikation/Gadamer.
I 453
Im sprachlichen Geschehen findet (...) nicht nur das Beharrende seine Stätte, sondern gerade auch der Wandel der Dinge. (...) in der Sprache stellt sich die Welt selber dar. Die sprachliche Welterfahrung ist „absolut“. Sie übersteigt alle Relativitäten von Seinssetzung, weil sie alles Ansichsein
I 454
umfasst, in welchen Beziehungen (Relativitäten) immer es sich zeigt. Die Sprachlichkeit unserer Welterfahrung ist vorgängig gegenüber allem, das als seiend erkannt und angesprochen wird. Der Grundbezug von Sprache und Welt bedeutet daher nicht, dass die Welt Gegenstand der Sprache werde.
I 461
Sprache/Hermeneutik/Gadamer:
„Mitte der Sprache“: (...) uns leitet das hermeneutische Phänomen. Dessen alles bestimmender Grund aber ist die Endlichkeit unserer geschichtlichen Erfahrung. Um ihr gerecht zu werden, nahmen wir die Spur der Sprache auf, in der sich das Seinsgefüge nicht einfach abbildet,
sondern in deren Bahnen sich die Ordnung und das Gefüge unserer Erfahrung selbst erst und stets wechselnd formiert. Die Sprache ist die Spur der Endlichkeit nicht deshalb, weil es die Ver-
schiedenartigkeit des menschlichen Sprachbaus gibt, sondern weil eine jede Sprache sich ständig bildet und fortbildet, je mehr sie ihre Erfahrung der Welt zur Sprache bringt. Wir haben bedeutende Wendepunkte des abendländischen Denkens über die Sprache befragt, und diese Befragung hat uns gelehrt, dass noch in einem viel radikaleren Sinne, als das christliche Denken über das zur Geltung brachte, das Geschehen der Sprache der Endlichkeit des Menschen entspricht. Vgl. >Sprache/Christentum. Es ist die Mitte der Sprache, von der aus sich unsere gesamte Welterfahrung und insbesondere die hermeneutische Erfahrung entfaltet. >Erfahrung/Gadamer, >Hermeneutik/Gadamer, >Wort/Gadamer.
I 462
„Mitte der Sprache“/Gadamer: Ein jedes Wort lässt das Ganze der Sprache, der es angehört, antönen und das Ganze der Weltansicht, die ihm zugrundeliegt, erscheinen. Ein jedes Wort
lässt daher auch, als das Geschehen seines Augenblicks, das Ungesagte mit da sein, auf das es sich antwortend und winkend bezieht.
I 465
Entscheidend ist, dass hier etwas geschieht. Weder ist das Bewusstsein des Interpreten dessen Herr, was als Wort der Überlieferung ihn erreicht, noch kann man, was da geschieht, angemessen beschreiben als die fortschreitende Erkenntnis dessen, was ist, so dass ein unendlicher Intellekt all
das enthielte, was je aus dem Ganzen der Überlieferung zu sprechen vermöchte. Das eigentliche Geschehen ist dadurch aber nur ermöglicht, nämlich dass das Wort, das als Überlieferung auf uns gekommen ist und auf das wlr zu hören haben, uns wirklich trifft, als rede es uns an und meine uns
I 466
selbst.
Gegenstand/Gadamer: (...) von seiten des „Gegenstandes“ bedeutet dieses Geschehen das Insspielkommen, das Sichausspielen des Überlieferungsgehaltes in seinen je neuen, durch den anderen Empfänger neu erwelterten Sinn- und Resonanzmöglichkeiten.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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