Psychologie Lexikon der Argumente

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Symbol: im weiteren Sinn gleichbedeutend mit Zeichen. Der besondere Gebrauch des Begriffs bei verschiedenen Autoren unterscheidet sich zum Teil erheblich, u. a. in Bezug darauf, welche Rolle Konventionen bei der Herausbildung von Symbolen spielen und ob Symbole ein System bilden. Siehe auch Zeichen, Icon, Konvention, Bedeutung, Referenz, Abbildtheorie, Darstellung, Repräsentation, Stellvertreter.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor Begriff Zusammenfassung/Zitate Quellen

Hans-Georg Gadamer über Symbole – Lexikon der Argumente

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Symbol/Gadamer: Im Begriff des Symbols klingt (...) ein metaphysischer Hintergrund an, der dem rhetorischen Gebrauch der Allegorie ganz abgeht. (>Allegorie) Es ist möglich, vom Sinnlichen aus zum Göttlichen hinaufgeführt zu werden. Denn das Sinnliche ist nicht bloße Nichtigkeit und Finsternis, sondern Ausfluss und Abglanz des Wahren.
Solger: Das Symbolische bezeichnet nach Solger(1) eine »Existenz, worin die Idee auf irgend eine Weise erkannt wird«, also die innige Einheit von Ideal und Erscheinung, die für das Kunstwerk
spezifisch ist. Das Allegorische hingegen lässt solche bedeutungsvolle Einheit nur durch das Hinausdeuten auf ein anderes zustande kommen. >Allegorie.
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Das Symbol ist der Zusammenfall des Sinnlichen und Unsinnlichen, die Allegorie der bedeutungsvolle Bezug des Sinnlichen auf das Unsinnliche. Das Symbol tritt als das Unerschöpfliche, weil unbestimmt Deutbare dem in genauerem Bedeutungsbezug Stehenden und sich darin Erschöpfenden der Allegorie ausschließend entgegen wie der Gegensatz von Kunst und Unkunst. Gerade die Unbestimmtheit seiner Bedeutung ist es, die Wort und Begriff des Symbolischen siegreich aufsteigen lässt, als die rationalistische Ästhetik des Aufklärungszeitalters der kritischen Philosophie und der Genieästhetik erlag. >Genie/Kant, >Symbol/Kant.
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Die Ausweitung des Symbolbegriffs zum ästhetischen Universalprinzip geschah freilich nicht ohne Widerstände. Denn die innige Einheit von Bild und Bedeutung, die das Symbol ausmacht, ist keine schlechthinnige. Das Symbol hebt die Spannung zwischen Ideenwelt und Sinnenwelt nicht einfach auf. Es lässt gerade auch das Missverhältnis zwischen Form und Wesen, Ausdruck und Inhalt denken. Insbesondere die religiöse Funktion des Symbols lebt von dieser Spannung. Dass auf dem Grunde dieser Spannung der momentane und totale Zusammenfall der Erscheinung mit dem Unendlichen im Kultus möglich wird, setzt voraus, daß es eine innere Zusammengehörigkeit
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von Endlichem und Unendlichem ist, die das Symbol mit Bedeutung erfüllt. Die religiöse Form des Symbols entspricht damit genau der ursprünglichen Bestimmung von Symbolon, Teilung des Einen und Wiederergänzung aus der Zweiheit zu sein. Die Unangemessenheit von Form und Wesen bleibt dem Symbol insofern wesentlich, als es durch seine Bedeutung über seine Sinnenfälligkeit hinaus verweist. In ihr entspringt jener Charakter des Schwebens, der Unentschiedenheit zwischen Form und Wesen, der dem Symbol eigen ist. >Symbol/Hegel.


1. Solger, K.W.F. Vorlesungen über Asthetik, ed. Heyse 1829, S 127.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Begriff/Autor], [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] bzw. "Problem:"/"Lösung", "alt:"/"neu:" und "These:" ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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