Psychologie Lexikon der Argumente

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Systeme, Wissenschaftstheorie, Philosophie: Systeme sind Zusammenstellungen von Regeln für die Bildung von Aussagen über einen zuvor festgelegten Gegenstandsbereich. Außer den - meist rekursiven - Regeln für die Kombination von Ausdrücken oder Zeichen wird auch die Angabe des Vokabulars oder Zeichenvorrats des Systems benötigt. Siehe auch Axiome, Axiomensysteme, Theorien, Stärke von Theorien, Ausdrucksfähigkeit, Regeln, Ordnung, Rekursion, Modelle, Struktur, Systemtheorie.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Hans-Georg Gadamer über Systeme – Lexikon der Argumente

I 179 Anmerkung
System/Begriffsgeschichte/Gadamer: Die Entstehung des Systembegriffes liegt offenbar in der gleichen theologischen Situation begründet, wie die der Hermeneutik. Dafür ist die Untersuchung von O.Ritschl(1) überaus lehrreich. Sie zeigt, dass die reformatorische Theologie, weil sie nicht mehr eine enzyklopädische Verarbeitung der dogmatischen Tradition sein wollte, sondern die christliche Lehre von entscheidenden Stellen der Bibel aus (loci communes) neu zu organisieren strebte, zur Systematik hindrängte, eine Feststellung, die doppelt lehrreich ist, wenn man das spätere Auftreten des Terminus „System“ in der Philosophie des 17.Jahrhunderts bedenkt. Auch dort war in das traditionelle Gefüge der scholastischen Gesamtwissenschaft etwas Neues eingebrochen, die neue Naturwissenschaft. Dieses neue Element nötigte die Philosophie zur Systematik, d. h. zur Harmonisierung des Alten und Neuen.
Der Systembegriff, der seither ein methodisch unentbehrliches Requisit der Philosophie
geworden ist, hat also seine historische Wurzel in dem Auseinandertreten von Philosophie und Wissenschaft in der beginnenden Neuzeit, und er erschien nur deshalb als eine selbstverständliche Forderung an die Philosophie, weil dieses Auseinandergehen von Philosophie und Wissenschaft seitdem der Philosophie ihre beständige Aufgabe stellt. [Zur Wortgeschichte: Auszugehen ist von Epinomis 991 e. Es scheint also von den Zahl- und Tonverhältnissen auf die Himmelsordnung übertragen (Vgl. St. V. fr. II, 168,11 pass.)
Man darf auch an Heraklits Begriff der åpjovía (VS 12 B 54) denken: Die Dissonanzen erscheinen in den harmonischen Intervallen „überwunden“. Dass Auseinanderfallendes geeint ist, begegnet ebenso im astronomischen wie im philosophischen Begriff des „Systems“.]


1. O.Ritschl, System und systematische Methode in der Geschichte des wissenschaftlichen
Sprachgebrauchs und in der philosophischen Methodologie, Bonn 1906


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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