Psychologie Lexikon der Argumente

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Wiederholung: Wiederholt werden können Prozeduren oder Prozesse, die auf eine bestimmte Weise beschrieben werden, nicht jedoch Gegenstände. Damit die Wiederholbarkeit eines Prozesses festgestellt werden kann, muss seine Beschreibung bestimmte Eigenschaften der involvierten Gegenstände gegenüber anderen Eigenschaften derselben Gegenstände herausgreifen und besonders bewerten. Ob Geschichte sich wiederholt ist Gegenstand von Kontroversen. Siehe auch Fälschung, Kopie, Geschichte.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Hans-Georg Gadamer über Wiederholung – Lexikon der Argumente

I 127
Wiederholung/Spiel/Kunst/Aufführung/Fest/ Darstellung/Zeitlichkeit Gadamer: Wir [gehen] davon aus, dass das Kunstwerk Spiel ist, d. h. dass es sein eigentliches Sein nicht ablösbar von seiner Darstellung hat und dass doch in der Darstellung die Einheit und Selbigkeit eines Gebildes herauskommt. Angewiesenheit auf Sichdarstellen gehört zu seinem Wesen. >Spiel/Gadamer, >Darstellung/Gadamer.
Darstellung hat auf eine unauflösbare, unauslöschliche Art den Charakter der Wiederholung des Gleichen. Wiederholung meint hier freilich nicht, dass etwas im eigentlichen Sinne wiederholt, d. h. auf ein Ursprüngliches
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zurückgeführt würde. Vielmehr ist jede Wiederholung gleich ursprünglich zu dem Werk selbst.
Wir kennen die höchst rätselhafte Zeitstruktur, die hier vorliegt, vom Fest her(1). Mindestens zu den periodischen Festen gehört, dass sie sich wiederholen. Wir nennen das beim Fest seine Wiederkehr. Dabei ist das wiederkehrende Fest weder ein anderes noch auch die bloße Rückerinnerung an ein ursprünglich gefeiertes. Der ursprünglich sakrale Charakter aller Feste
schließt offenbar solche Unterscheidungen aus, wie wir sie in der Zeiterfahrung von Gegenwart, Erinnerung und Erwartung kennen. Die Zeiterfahrung des Festes ist vielmehr die Begehung, eine Gegenwart sui generis.
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Wiederholung/Gadamer: Dass (..) Sprache schriftfåhig ist, das ist für das Wesen der Sprache durchaus nicht sekundär. Vielmehr beruht diese Schriftfähigkeit darauf, dass das Sprechen selber an der reinen Idealität des Sinnes Anteil hat, der sich in ihm mitteilt. In der Schriftlichkeit ist dieser Sinn des Gesprochenen rein für sich da, völlig abgelöst von allen emotionalen Momenten des Ausdrucks und der Kundgabe.
Der Sinn einer schriftlichen Aufzeichnung ist daher grundsätzlich identifizierbar und wiederholbar. Das in der Wiederholung Identische allein ist es, das in der schriftlichen Aufzeichnung wirklich niedergelegt war. Damit ist zugleich klar, dass Wiederholen hier nicht im strengen Sinne gemeint sein kann. Es meint nicht die Zurückbeziehung auf ein ursprünglich Erstes, in dem etwas gesagt oder geschrieben ist, als solches. Lesendes Verstehen ist nicht ein Wiederholen von etwas Vergangenem, sondern Teilhabe an einem gegenwärtigen Sinn. >Text/Gadamer. >Schrift/Gadamer, >Tradition/Gadamer.


1. Walter F. Otto und Karl Kerényi haben das Verdienst, die Bedeutung des Festes für
die Religionsgeschichte und Anthropologie erkannt zu haben (vgl. Karl Kerényi, Vom
Wesen des Festes, Paideuma 1938).


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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