Psychologie Lexikon der Argumente

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Schönheit: Dass etwas schön sei, drückt die positive Wertung einer Sinneserfahrung aus. Als schön empfunden werden z.B. Natur, Düfte, Klänge und menschliche Hervorbringungen. Dass im Bereich der Kunst Urteile darüber, was als schön anzusehen sei, stärkeren Schwankungen bzw. geschichtlichen Entwicklungen unterworfen sind als im Bereich der Naturwahrnehmung, muss nicht als Beweis für subjektive Beliebigkeit gewertet werden. Vielmehr wandeln sich Urteile mit zunehmendem Wissensbestand. Siehe auch Ästhetik, Kunst, Kunstwerke, Wahrnehmung, Urteile.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Hans-Georg Gadamer über Sch��nheit – Lexikon der Argumente

I 481
Schönheit/Gadamer:
Philosophie: Der Begriff des Schönen, der im 18. Jahrhundert mit dem des Erhabenen die zentrale Stellung innerhalb der ästhetischen Problematik zu teilen hatte und der im Laufe des 19. Jahrhunderts durch die ästhetische Kritik am Klassizismus vollends eliminiert werden sollte, war bekanntlich ehedem ein universaler metaphysischer Begriff und hatte innerhalb der Metaphysik, d. h. der allgemeinen Lehre vom Sein, eine Funktion, die keineswegs auf das Ästhetische im engeren Sinne beschränkt war.
Hermeneutik/Gadamer: Es wird sich zeigen, dass dieser alte Begriff des Schönen auch einer
umfassenden Hermeneutik zu dienen vermag, wie sie uns aus der Kritik an dem Methodologismus der Geisteswlssenschaften erwachsen ist.
Etymologie: Das griechische Wort für das deutsche „schön« heißt kalon. Zwar gibt es dazu keine völligen Entsprechungen im Deutschen, auch nicht, wenn wir das Vermittelnde pulchrum heranzögen. Aber das griechische Denken hat eine gewisse Determination auf die Bedeutungsgeschichte des deutschen Wortes ausgeübt, so dass wesentliche Bedeutungsmomente beiden Worten gemeinsam sind. Mit dem Zusatz „schön“ unterscheiden wir von dem, was wir Technik nennen, d. h. von „mechanischen“ Künsten, die Nützliches herstellen. Ähnlich ist es
mit Wortverbindungen wie: schöne Sittlichkeit, schöne Literatur, schöngeistig us w. In all diesen Verwendungen steht das Wort in einem ähnlichen Gegensatz wie das griechische kalon zum Begriff des chresimon. Alles, was nicht zum Notwendigen des Lebens gehört, sondern das Wie des Lebens,
das eu zen betrifft, also all das, was die Griechen unter Paideia verstanden, heißt kalon. Die schönen Dinge sind solche, deren Wert für sich selbst einleuchtet. Man kann nicht nach dem Zweck fragen, dem sie dienen.
I 483
Natur/Schönheit/Gadamer: Wie man sieht, ist eine solche Bestimmung des Schönen eine universale ontologische. Natur und Kunst bilden hier keinerlei Gegensatz, Das heißt natürlich, dass gerade auch im Hinblick auf Schönheit der Vorrang der Natur unbestritten ist. Die Kunst mag innerhalb des Gestaltganzen der Naturordnung ausgesparte Möglichkeiten künstlerischer Gestaltung wahrnehmen und auf diese Weise die schöne Natur der Seinsordnung perfektionieren.
Aber das bedeutet keineswegs, dass in erster Linie in der Kunst „Schönheit“ anzutreffen ist. Solange die Ordnung des Seienden als selber göttlich oder als Gottes Schöpfung verstanden wird - und das letztere gilt bis ins 18. Jahrhundert hinein - kann auch der Ausnahmefall der Kunst nur im Horizont dieser Seinsordnung verstanden werden.
(...) erst mit dem 19, Jahrhundert [legt sich] die ästhetische Problematik (...) auf den Standpunkt
der Kunst um (...). (...) dem [liegt] ein metaphysischer Vorgang zugrunde (...). Eine solche Umlegung auf den Standpunkt der Kunst setzt ontologisch eine gestaltlos gedachte bzw. eine von mechanischen Gesetzen regierte Seinsmasse voraus. Der menschliche Kunstgeist, der aus mechanischer Konstruktion Nützliches bildet, wird auch alles Schöne schließlich von dem Werk seines eigenen Geistes her verstehen.
I 484
Ordnung/Maß/Rationalität/Ästhetik/KantVsSubjektivismus: So unbefriedigend uns die durch Kant angebahnte Entwicklung zum Subjektivismus in der neueren Ästhetik erschien, Kant hat die Unhaltbarkeit des ästhetischen Rationalismus überzeugend erwiesen. >Ästhetik/Kant.
GadamerVsKant: Nur ist es eben nicht richtig, die Metaphysik des Schönen allein auf die Maßontologie und die teleologische Seinsordnung zu gründen, auf die sich der klassizistische Schein der rationalistischen Regelästhetik letztlich beruft. Die Metaphysik des Schönen fällt in
Wahrheit mit solcher Anwendung des ästhetischen Rationalismus nicht zusammen. Der Rückgang auf Plato lässt vielmehr noch eine ganz andere Seite am Phänomen des Schönen kenntlich werden, und diese ist es, die uns für unsere hermeneutische Fragestellung interessiert. >Schönheit/Platon.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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> Gegenargumente gegen Gadamer

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