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Hans-Georg Gadamer über Ged��chtnis – Lexikon der Argumente

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Gedächtnis/Erinnern/Erinnerung/Vergessen/Gadamer: Man fasst (...) das Wesen des Gedächtnisses (...) nicht richtig, wenn man darin nichts als eine allgemeine Anlage oder Fähigkeit sieht. Behalten
und Vergessen und Wiedererinnern gehören der geschichtlichen Verfassung des Menschen an und bilden selbst ein Stück seiner Geschichte und seiner Bildung. Wer sein Gedächtnis wie eine bloße Fähigkeit übt - und alle Technik des Gedächtnisses ist solche Übung - der hat es noch nicht als das,
was sein Eigenstes ist. Das Gedächtnis muss gebildet werden. Denn Gedächtnis ist nicht Gedächtnis überhaupt und für alles. Man hat für manches ein Gedächtnis, für anderes nicht, und man will etwas im Gedächtnis bewahren, wie man anderes aus ihm verbannt.
Vergessen: Dem Verhältnis von Behalten und Sich-Erinnern gehört in einer lange nicht genug beachteten Weise das Vergessen zu, das nicht nur ein Ausfall und ein Mangel, sondern, wie vor allem F. Nietzsche betont hat, eine Lebensbedingung des Geistes ist(1). Nur durch das Vergessen
erhält der Geist die Möglichkeit der totalen Erneuerung, die Fähigkeit, alles mit frischen Augen zu sehen, so daß das Altvertraute mit dem Neugesehenen zu vielschichtiger Einheit verschmilzt. Behalten ist eben zweideutig. Es enthält als Gedächtnis (mnemé) die Beziehung zur Erinnerung (anamnesis).


1. F. Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen, Zweites Stück, Vom Nutzen und
Nachteil der Historie für das Leben, 1.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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