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Ronald Dworkin über Leben – Lexikon der Argumente

Gaus I 417
Leben/Dworkin/Weinstein: In seiner jüngsten "Sovereign Virtue" (Souveräne Tugend) drängt Dworkin mit Nachdruck auf seine bekannte Verteidigung der Gleichheit der Ressourcen und appelliert an das, was er das "Herausforderungsmodell" von ethischem Wert nennt, von dem er betont, dass es nicht konsequent ist. Für Dworkin verläuft das Leben besser, wenn es von innen heraus mit "ethischer Integrität" gelebt wird, d.h. wenn es nicht mechanisch von außen nach der Gewohnheit gelebt wird. Ethisch ehrliche Leben sind geschickte Leistungen, die eine ständige, kritische Selbstreflexion zeigen. Für solche Leben ist die Wahl konstitutiv für ein gutes Leben.
DworkinVsUtilitarismus: Welfarismus und Utilitarismus sind unmoralisch, da sie die Wahl im Namen der Förderung von Zuständen instrumentalisieren.*
Gleichheit: Für Dworkin "fließt die Gleichheit der grundlegenden Ressourcen aus der Sicht der Herausforderung". Wenn ein gutes Leben bedeutet, die Herausforderungen, die wir uns stellen, zu meistern, dann ist es ethisch zwingend notwendig, über ausreichende Grundressourcen zu verfügen. Und wenn es "gleich wichtig ist, wie jeder Mensch lebt", dann sollten alle über gleiche Grundressourcen verfügen. Daher "beginnen ethische Liberale mit einer starken ethischen Begründung für ihr Beharren auf einer egalitären Verteilung der Ressourcen" (Dworkin, 2000a(1): 279). Mit anderen Worten: Gleiche Besorgnis und Respekt ziehen irgendwie eine Ressourcengleichheit nach sich, da Gleichheit "an Ressourcen und Chancen gemessen werden muss" (2000a(1): 237; siehe auch Dworkin, 1985(2): 192-3).
Ungeachtet der Zirkularität des Arguments, dass gleiche Sorge und Respekt die Gleichbehandlung von Menschen entlang eines separat identifizierten Bereichs mit sich bringt, legt Dworkin nie genau fest, was er mit Gleichheit der Ressourcen meint, die auch aus dem Herausforderungsmodell "fließen".**
Aber wenn letzteres eine Quelle der Rechtfertigung sein soll, dann beginnt Dworkins egalitärer Liberalismus so auszusehen, als sei er mehr Sen als Dworkin bewusst ist. >Egalitarismus/Sen.

* In Anlehnung an Sen, betrachtet Dworkin (2000a(1): Kap. l) den Utilitarismus als eine Form des Welfareismus. Zu Sen's Ablehnung des Utilitarismus, wenn auch nicht des Konsequentialismus, siehe Sen (1979)(2). Siehe auch Dworkin (2000a(1): Kap. 7) für seine Kritik an Sen's und Cohen's Gleichheitskonzepten.

** In Dworkins jüngster Antwort auf Millers Überprüfung der Souveränen Tugend sagt er, dass er mit gleichen Ressourcen, die "aus gleicher Sorge und gleichem Respekt fließen", "im Einklang mit" meint. Er sagt auch, dass sein Buch darauf abzielt, "attraktive Konzeptionen von Demokratie, Freiheit, Gemeinschaft und individueller Verantwortung zu finden, die mit gleichen Ressourcen vereinbar sind oder aus ihnen fließen", um diese Werte "vor Unterordnung" unter die Gleichheit zu "schützen" (Dworkin, 2000b(3): 15). Nun erfordert diese Bedeutung von "fließen von" lediglich, dass die Verteilungsgerechtigkeit mit gleicher Sorge und Achtung vereinbar ist, und nicht, dass sie damit einhergeht.


1. Dworkin, Ronald (2000a) Sovereign Virtue. Cambridge, MA: Harvard University Press.
2. Sen, Amartya (1979) 'Utilitarianism and welfarism'. The Journal of Philosophy, LXXVI: 463-89.
3. Dworkin, Ronald (2000b) 'Equality - an exchange'. Times Literary Supplement (London), I December: 15-16.

Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente

Dworkin I
Ronald Dworkin
Taking Rights Seriously Cambridge, MA 1978

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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